Nichts gleicht dem allmächtigen Schöpfer
Vers 1: Das Lob gebührt Gott, der die Himmel und die Erde erschuf und die Finsternisse und das Licht bestimmte. Trotz alledem behaupten diejenigen, die leugnen, etwas sei ihrem Herrn ebenbürtig.
Vers 2: Er ist es, der euch aus Lehm erschuf, dann legte Er eine Lebenszeit ˹für euch˺ fest. Und es existiert ein bei Ihm bestimmter Zeitpunkt (der Jüngste Tag). Und dennoch zweifelt ihr!
Vers 3: Und Er ist Gott – in den Himmeln und auf Erden weiß Er um euer Innerstes und Äußeres, und Er weiß, was ihr begeht.
Menschen weisen Gottes Zeichen zurück
Vers 4: Und sobald irgendein Zeichen ihres Herrn zu ihnen gelangt, ignorieren sie es.
Vers 5: Sie leugneten doch bereits die Wahrheit, als sie zu ihnen kam. Und einst wird sie gewiss die Bestätigung dessen erreichen, worüber sie stets spotteten.
Vers 6: Haben sie denn nicht erkannt, wie viele Generationen Wir bereits vor ihnen vernichteten? Wir ermöglichten ihnen auf Erden, was Wir euch nicht ermöglichten, und ließen den Himmel reichlich über ihnen regnen und Flüsse unter ihnen dahinfließen. Sodann vernichteten Wir sie wegen ihrer Sünden. Daraufhin ließen Wir nach ihnen eine neue Generation entstehen.
Leugner bitten um Wunder
Vers 7: Und hätten Wir dir ˹o Muhammad˺ ein Buch aus Papier herabgesandt, das sie mit ihren Händen berühren könnten, dann hätten diejenigen, die leugnen, gesagt: „Dies ist nur offenkundige Zauberei!“
Vers 8: Und sie sagen: „Wäre zu ihm doch ein Engel herabgesandt worden!“ Hätten Wir jedoch tatsächlich einen Engel herabgesandt, dann wäre die Strafe beschlossen und ihnen wäre kein Aufschub mehr gegeben worden.1
- 1 Gott hat dem Menschen bereits ausreichende Zeichen in der Schöpfung und durch die Offenbarung gegeben. Engel werden nicht auf Verlangen gesandt, sondern erscheinen in der Regel im Zusammenhang mit Gericht und Strafe (vgl. 11:77; 29:33). Wer erst beim Anblick der Engel glauben will, für den ist es zu spät. Gläubige glauben an das Verborgene (vgl. 2:3), ohne solche Zeichen zu fordern – ohne dass dies Gottes Wunder ausschließt. ↩
Vers 9: Und hätten Wir ihn zu einem Engel gemacht, so hätten Wir ihn in Menschengestalt erschaffen und sie mit dem verwirrt, was sie verwirrt.2
- 2 Wenn Gott statt Menschen Engel zu Propheten bestimmt hätte, würde Er sie in einer für den Menschen greifbaren Menschengestalt entsenden. Daher könnten die Zweifler denselben Einwand erheben wie gegenüber den menschlichen Propheten. ↩
Gläubige und Propheten werden ausgelacht
Vers 10: Und es wurden schon Gesandte vor dir ausgelacht, doch dann holte diejenigen, die über sie spotteten, das ˹Jenseits˺ ein, über das sie stets spotteten.
Gottes Zeichen sind in der Schöpfung
Vers 11: Sag: „Reist auf Erden umher und schaut, wie es den Leugnern letztendlich erging!“
Vers 12: Sag: „Wem gehört, was in den Himmeln und auf Erden ist?“ Sag: „Gott!“ Er verpflichtete sich zur Barmherzigkeit. Er wird euch ganz gewiss am Tag der Auferstehung vereinen, an dem kein Zweifel besteht. Diejenigen, die ihre Seelen vergeudet haben, sind diejenigen, die nicht glauben.
Vers 13: Und Ihm gehört, was in der Nacht ruht oder am Tag, und Er ist der Allhörende und Allwissende.
Vers 14: Sag: „Soll ich etwas anderes als Gott zum Nächsten bestimmen, dem vorbildlosen Schöpfer der Himmel und der Erde, der mit Essen versorgt und nicht versorgt wird?“ Sag: „Mir wurde gewiss geboten, der Erste zu sein, der sich ˹Gott˺ hingibt. Gehört also ja nicht zu den Götzenverehrern!“
Vers 15: Sag: „Ich befürchte, wenn ich mich meinem Herrn widersetze, die Qual eines gewaltigen Tages!
Vers 16: Wer davor an jenem Tag verschont wird, dessen erbarmt Er sich. Und jenes ist der deutliche Sieg.“
Aller Nutzen und Schaden kommen von Gott
Vers 17: Und wenn Gott dir Schaden zufügt, gibt es keinen Beschützer davor außer Ihn. Und wenn Er dir Gutes zukommen lässt, so ist Er zu allem fähig.
Vers 18: Und Er ist der uneingeschränkte Herrscher über Seine Diener, und Er ist der Allweise und Allkundige.
Vers 19: Sag: „Was ist das Offensichtlichste?“ Sag: „Gott! Dies sei zwischen mir und euch bezeugt. Und mir wurde dieser Koran offenbart, um euch zu warnen und auch jeden, der davon erfährt. Seid ihr es etwa, die bezeugen wollen, dass neben Gott eine andere Gottheit existiert?“ Sag: „Ich bezeuge ˹so etwas˺ nicht! Er ist nur ein Gott. Und mich trifft keine Schuld an dem, was ihr ˹neben Gott˺ anbetet.“
Sie kennen Muhammad ﷺ
Vers 21: Und wer ist übler als derjenige, der über Gott Lügen erfindet oder Seine Zeichen leugnet? Die Übertreter haben sicherlich keinen Erfolg.
Abkehr der Angebeteten
Vers 22: Und am Tag, an dem Wir sie einst alle versammeln werden, werden Wir zu denjenigen, die andere ˹neben Gott˺ anbeteten, sagen: „Wo sind eigentlich eure Teilhaber ˹am Göttlichen˺, deren Existenz ihr behauptet habt?“
Vers 23: Doch dann wird ihre einzige Lüge sein, dass sie sagen: „Bei Gott, unserem Herrn, wir waren keine Götzendiener!“4
- 4 Dies ist im Einklang mit 4:42: „Doch werden sie vor Gott kein Wort verbergen“. Denn zunächst wird Gott sie fragen, und sie werden noch versuchen, die Wahrheit zu verheimlichen. Erst danach werden ihnen die Münder verschlossen (siehe 36:65), und sie können nichts mehr entstellen. ↩
Vers 24: Betrachte, wie sie sich selbst belügen! Doch werden sie das verlieren, was sie einst erlogen.
Vorwände der Glaubensgegner
Vers 25: Und manche unter ihnen hören dir ˹o Muhammad˺ zu, doch legten Wir über ihre Herzen einen Schleier, sodass sie ihn (den Koran) nicht begreifen, und verstopften ihre Ohren. Auch wenn sie jedes Zeichen sehen würden, würden sie dennoch nicht daran glauben. Ja selbst wenn sie zu dir kommen, um mit dir zu diskutieren, sagen diejenigen, die leugnen: „Dies sind doch nur Märchen der Alten!“
Vers 26: Und sie verbieten ˹den Menschen˺, zu ihm zu gehen, und halten von ihm ab. Doch schaden sie damit nur sich selbst, ohne es zu merken.
Wenn die Leugner Hölle und Gott sehen
Vers 27: Und könntest du doch nur sehen, wenn sie vor das Höllenfeuer gestellt werden! Dann werden sie sagen: „Ach würden wir doch ˹ins Diesseits˺ zurückgebracht werden und hätten wir doch nicht Gottes Zeichen geleugnet, dann hätten wir zu den Gläubigen gehört!“
Vers 28: Ihnen wird vielmehr klar werden, was sie zuvor stets unterdrückten. Und würden sie ˹ins Diesseits˺ zurückgebracht werden, dann würden sie erneut das tun, was ihnen verboten wurde. Und sie sind wahrhaftig Lügner.
Vers 29: Und sie sagten: „Es gibt nichts weiter als unser diesseitiges Leben und wir werden niemals auferstehen.“
Vers 30: Und könntest du doch nur sehen, wenn sie vor ihren Herrn gebracht werden! Dann wird Er sagen: „Ist das etwa nicht wahr?“ Sie werden antworten: „Doch, bei unserem Herrn!“, worauf Er sagen wird: „So kostet die Qualen, die ihr stets geleugnet habt!“
Vers 31: Diejenigen, die das Treffen mit Gott ˹im Jenseits˺ leugnen, haben bereits verloren. Wenn plötzlich ihre letzte Stunde schlägt, werden sie sagen: „Wehe uns, dass wir sie ignoriert haben!“ Dann werden sie ihre Sündenlast auf ihrem Rücken tragen. O wie schlimm ist das, was sie sich aufgehalst haben!
Das Diesseits ist trügerisch
Vers 32: Und das diesseitige Leben ist nichts weiter als Spiel und Vergnügen. Und das jenseitige Heim ist gewiss besser für diejenigen, die ˹Gott gegenüber˺ achtsam sind. Begreift ihr denn nicht?
Ignoranz der Leugner belastet die Propheten
Vers 33: Wir wissen genau, dass dich ˹o Muhammad˺ das traurig stimmt, was sie sagen. Allerdings behaupten sie gar nicht, dass du lügst, vielmehr leugnen die Übertreter Gottes Zeichen.
Vers 34: Und schon vor dir wurden gewiss Gesandte verleugnet, doch ertrugen sie standhaft, dass sie verleugnet und angefeindet wurden, bis Unser Sieg kam. Und keiner kann Gottes Worte ersetzen. Und du hast ja bereits Nachrichten über die Gesandten erhalten.
Vers 35: Doch wenn dich ihre Ignoranz zu sehr belastet: ˹Sie werden dir nicht glauben,˺ auch wenn du einen Tunnel durch die Erde graben oder eine Himmelsleiter bauen könntest, um ihnen ein Zeichen zu bringen. Und wenn Gott es gewollt hätte, so hätte Er sie in der ˹göttlichen˺ Führung vereint. Sei also ja kein Ignorant!
Vers 36: Nur diejenigen reagieren, die zuhören. Und die Toten wird Gott zum Leben erwecken, dann werden sie zu Ihm zurückgebracht.
Vers 37: Und sie (die Leugner) sagen: „Wenn ihm doch nur ein Zeichen von seinem Herrn herabgesandt würde!“ Sag ˹ihnen˺: „Gott ist wahrhaftig fähig, ein Zeichen herabzusenden, doch wissen es die meisten von ihnen nicht.“
Gottes Allwissen
Vers 38: Und jedes Tier auf Erden und jeder Vogel, der mit seinen Flügeln fliegt, sind Völker wie ihr. Wir haben im Buch5 gewiss nichts vernachlässigt. Sodann werden sie bei ihrem Herrn versammelt.
- 5 Gemeint ist entweder der Koran, der alle wichtigen Prinzipien für die Gläubigen enthält, oder die wohlverwahrte Tafel (siehe 85:22, 36:12), auf der alle Taten und Ereignisse von Anbeginn verzeichnet sind. ↩
Vers 39: Und diejenigen, die Unsere Zeichen leugnen, verweilen taub und stumm in den Finsternissen. Gott lässt abirren, wen Er will, und führt, wen Er will, auf einen geraden Weg.
Alleinige Anbetung Gottes
Vers 40: Sag: „Denkt nach: Wenn euch Gottes Strafe oder die ˹letzte˺ Stunde ereilt, werdet ihr dann etwas neben Gott bitten, wenn ihr ehrlich seid?“
Vers 41: Ihn allein werdet ihr vielmehr anflehen, sodass Er euch von dem erlöst, worum ihr Ihn gebeten habt, wenn Er will. Dann werdet ihr vergessen, was ihr neben Gott verehrt habt.
Viele lassen sich vom Diesseits täuschen
Vers 42: Und Wir haben schon zu Völkern vor dir ˹o Muhammad˺ Propheten entsandt und sie Not und Leid erfahren lassen, auf dass sie wohl demütig bitten werden.
Vers 43: Ach wenn sie doch nur demütig gebetet hätten, als sie Unsere Gewalt traf! Vielmehr wurden sie hartherzig und der Satan schmückte ihnen aus, was sie stets taten.
Vers 44: Doch als sie die Ermahnung vergaßen, an die sie erinnert wurden, öffneten Wir ihnen die Tore zu allen Dingen. Als sie sich jedoch über das freuten, was ihnen gegeben wurde, packten Wir sie plötzlich. Sie verfielen sofort in Verzweiflung.
Vers 45: Und so wurde das übertreterische Volk ausgelöscht, und das Lob gebührt Gott, dem Herrn aller Dinge.
Gottes Allmacht und Einzigartigkeit
Vers 46: Sag: „Denkt nach: Wenn Gott euer Hörvermögen und eure Sehkraft fortnehmen und eure Herzen versiegeln würde, welcher Gott außer ˹der wahre˺ Gott selbst bringt es euch zurück?“ Betrachte, wie Wir die Zeichen vielfältig darlegen, und nach alledem wenden sie sich noch ab!
Vers 47: Sag: „Denkt nach: Wenn euch Gottes Strafe plötzlich oder sichtbar trifft, werden denn dann nicht allein die übeltäterischen Leute vernichtet?“
Vers 48: Und Wir entsenden die Gesandten allein als Verkünder und Warner. Wer dann glaubt und korrekt handelt, auf all jenen lastet weder Furcht noch werden sie trauern.
Vers 49: Und diejenigen, die Unsere Zeichen leugnen, berührt die Qual, weil sie stets öffentlich sündigten.
Vers 50: Sag ˹o Muhammad˺: „Ich behaupte weder, dass ich über die Vorratskammern Gottes verfüge, noch kenne ich das Verborgene, noch sage ich euch, ich sei ein Engel! Ich befolge nichts als das, was mir offenbart wird.“ Sag: „Sind etwa der Blinde und der Sehende gleich? Denkt ihr denn nicht nach?“
Der Koran als Ermahnung
Vers 51: Und warne damit (mit dem Koran) diejenigen, die fürchten, bei ihrem Herrn versammelt zu werden, die neben Gott weder einen Nächsten noch einen Fürsprecher haben, auf dass sie wohl ˹Gott˺ achten.
Vers 52: Und vertreibe nicht jene, die ihren Herrn morgens und abends anflehen und nach Seinem Wohlgefallen streben! Du musst keineswegs mit ihnen abrechnen und sie müssen keineswegs mit dir abrechnen. Vertreibe sie daher nicht, sonst wirst du zum Übertreter!
Schwäche und Macht als Prüfung
Vers 53: Und so verführen Wir die einen ˹Mächtigen˺ mit den anderen ˹Armen˺, sodass sie (die Leugner) sagen: „Hat Gott etwa jene ˹Armen˺ unter uns ˹Mächtigen˺ begnadet?” Weiß denn Gott nicht eher, wer die Dankbaren sind?
Vers 54: Und wenn jene zu dir ˹o Muhammad˺ kommen, die an Unsere Zeichen glauben, dann sag ˹ihnen˺: „Friede sei mit euch! Euer Herr hat Sich zur Barmherzigkeit verpflichtet: Wer unbedacht Schlimmes begeht und danach reuevoll umkehrt und rechtschaffen handelt, so ist Er vergebend und barmherzig.“
Vers 55: Und so verdeutlichen Wir die Zeichen, auf dass der Weg der Verbrecher deutlich wird.
Diskussion mit den Polytheisten
Vers 56: Sag: „Mir wurde verboten, diejenigen anzubeten, die ihr statt Gott anfleht.“ Sag: „Ich befolge nicht eure Neigungen! Ich wäre sonst gewiss abgeirrt und nicht rechtgeleitet.“
Vers 57: Sag: „Ich bin mir über meinen Herrn im Klaren, doch ihr leugnet Ihn! Ich habe keine Macht über das, was ihr eilig wollt.6 Allein Gott urteilt ˹vollkommen˺, Er berichtet die Wahrheit, und Er ist der beste Richter.“
- 6 Die Leugner fragen häufig, warum Gott sie denn nicht bestraft (vgl. Vers 8:32). Der voreilige Wunsch kann sich aber auch auf die Wunder beziehen, die die Zweifler vom Propheten ﷺ verlangten. ↩
Vers 58: Sag: „Wenn ich über das verfügen würde, was ihr eilig wollt, dann wäre die Angelegenheit zwischen mir und euch schon entschieden.7 Und Gott weiß am besten um die Übertreter.“
- 7 Wenn der Prophet Muhammad ﷺ bestimmen könnte, dass Glaubensgegner bestraft werden, dann hätte sie Gottes Strafe bereits vernichtet. Doch Gott will dem Menschen viele Chancen im Leben geben und nicht bei der ersten Sünde gleich strafen. ↩
Gottes Allwissen
Vers 59: Und bei Ihm sind die Schlüssel zum verborgenen Wissen, das niemand außer Ihm kennt. Und Er weiß, was auf dem Festland und im Wasser geschieht. Und um jedes Blatt, das fällt, weiß Er. Und jeder Samen in den Finsternissen der Erde und jedes Lebewesen oder Ding steht in einem erklärenden Buch.8
- 8 Mit diesem Buch ist die wohlverwahrte Tafel gemeint: ein Buch, in dem Gott zu Beginn der Schöpfung alles niederschrieb, was geschehen wird. ↩
Gott bestimmt über Leben und Tod
Vers 60: Und Er ist es, der nachts eure Seelen entnimmt und weiß, was ihr am Tag tut. Einst wird Er euch dann auferstehen lassen, um eine festgelegte Frist zu erfüllen. Dann werdet ihr zu Ihm zurückkehren. Anschließend wird Er euch berichten, was ihr getan habt.
Vers 61: Und Er hat die absolute Macht über Seine Diener, und Er sendet zu euch Beschützer. Doch wenn jemanden von euch der Tod ereilt, nahmen ihm Unsere Gesandten (die Engel) die Seele, ohne dabei nachlässig zu sein.
Vers 62: Dann werden sie zu Gott, ihrem wahren Herrn, zurückgebracht. Er entscheidet schließlich alles, und Er ist der schnellste Abrechner.
Not führt zu Gottesgedenken
Vers 63: Sag: „Wer rettet euch vor den Finsternissen auf dem Festland und im Meer, wenn ihr Ihn flehend und heimlich bittet: ‚Wenn Er uns errettet, dann sind wir ganz sicher dankbar!‘“
Vers 64: Sag: „Gott rettet euch davor und vor jeder Notlage, aber ihr stellt ˹Gott˺ danach etwas zur Seite!“
Strafe durch Gottes Weisheit
Vers 65: Sag: „Er ist dazu fähig, gegen euch eine Strafe von über euch oder von unter euren Füßen zu schicken oder euch mit Gruppierungen zu verwirren, sodass einige von euch die Gewalt der anderen spüren.“ Betrachte, wie Wir die Zeichen vielfältig darlegen, auf dass sie wohl begreifen!
Vers 66: Und ihn (den Koran) leugnet dein Volk, obwohl er die Wahrheit ist. Sag ˹ihnen˺: „Ich bin nicht für euch verantwortlich!9
- 9 Dies bedeutet, dass der Prophet Muhammad ﷺ nur verpflichtet ist, die Botschaft Gottes zu überbringen und zu erklären. Er ist nicht dafür verantwortlich, wenn die Menschen seine Botschaft ablehnen oder nicht korrekt einhalten. ↩
Vers 67: Jede Ankündigung wird eintreffen, und ihr werdet dies irgendwann erfahren.“
Lästerei und Spott über die Religion
Vers 68: Und wenn du diejenigen siehst, die sich über Unsere Zeichen (die Religion) auslassen, dann halte dich von ihnen fern, bis sie über etwas anderes reden! Und sollte dich der Satan dies einmal vergessen lassen, dann sitz nicht bei den Übertretern, sobald du dich daran erinnerst!
Vers 69: Diejenigen, die Gott fürchten, sind nicht für jene Leute verantwortlich, doch sollen sie ˹sie˺ ermahnen, damit sie sich wohl in Acht nehmen.
Vers 70: Und lass diejenigen, die aus ihrer Religion Spielerei und Zeitvertrieb gemacht haben10 und die das irdische Leben verführt hat! Erinnere sie mit dem Koran, damit keine Seele ˹im Jenseits˺ wegen der Taten gefangen wird, die sie begangen hat, denn sie hat neben Gott keinen Nächsten oder Fürsprecher! Und auch wenn sie allerlei Lösegeld geben könnte,11 würde es von ihr nicht angenommen werden. Jene werden wegen der Taten gefangen, die sie begangen haben; ihnen drohen kochendes Trinken und schmerzvolle Qualen wegen der Wahrheit, die sie stets leugneten.
- 10 Dies bedeutet, dass die Religion nur noch als Brauch, vermengt mit Aberglauben, praktiziert und eher als Folklore betrachtet wird. ↩
- 11 Der Sünder würde sich im Jenseits gern von Gottes Strafe freikaufen, doch dies wird nicht akzeptiert (siehe etwa 3:91). Denn am Jüngsten Tag können weder Vermögen noch Kinder helfen (siehe 26:88). ↩
Fragen zur Anbetung anderer neben Gott
Vers 71: Sag: „Sollen wir denn neben Gott etwas anflehen, was uns weder nützt noch schadet, und der Religion den Rücken kehren, nachdem Gott uns ˹zum Glauben˺ geführt hat? Sollen wir wie jemand sein, den die Satane auf Erden in die Verwirrung gelockt haben und der Freunde hat, die ihm zurufen: ‚Komm doch zum rechten Weg!‘?“ Sag: „Nur Gottes Führung ist der richtige Weg, und uns wurde geboten, uns dem Herrn aller Dinge hinzugeben.“
Vers 72: Und haltet ja das Gebet ˹in Ehren˺ ein und fürchtet Ihn! Denn Er wird es sein, vor dem ihr ˹im Jenseits˺ versammelt werdet!
Gott allein bestimmt
Vers 73: Und Er ist derjenige, der die Himmel und die Erde zu einem höheren Sinn erschuf. Und am Tag, an dem Er „Sei!“ sagt, wird es sein. Sein Wort ist die Wahrheit. Und Er hat die absolute Herrschaft an dem Tag inne, an dem in die Posaune geblasen wird; Er ist der Kenner des Verborgenen und Sichtbaren. Und Er ist der Allweise und Allkundige.
Abraham streitet mit seinem Vater
Vers 75: Also zeigten Wir Abraham das unermessliche Reich der Himmel und der Erde, auf dass er zu den Überzeugten gehört.
Abraham entlarvt Aberglauben
Vers 76: Als einst die Nacht ihren Schleier über ihn legte, erblickte er einen Stern; er sagte: „Das da ist mein Herr!“13 Doch als er untergegangen war, sagte er: „Ich liebe die Untergehenden nicht.“
- 13 Abraham sagte dies vor seinem Volk, das unter anderem Sterne verehrte, um ihnen zu zeigen, wie sinnlos es ist, etwas zu verehren, das selbst kommt und geht und somit einer höheren Macht unterliegt. ↩
Vers 77: Als er dann den Mond aufleuchten sah, sagte er: „Das da ist mein Herr“, doch als er untergegangen war, sagte er: „Wenn mein Herr mich nicht führt, werde ich sicher zu den abgeirrten Leuten gehören.“
Vers 78: Als er dann die Sonne erstrahlen sah, sagte er: „Das da ist mein Herr, das ist größer!“ Doch als sie untergegangen war, sagte er: „O mein Volk! Ich habe nichts mit dem zu schaffen, was ihr ˹Gott˺ zur Seite stellt!
Vers 80: Doch sein Volk diskutierte mit ihm. Er fragte: „Wollt ihr etwa mit mir über Gott diskutieren, nachdem Er mich ˹auf den rechten Weg˺ geführt hat? Außerdem habe ich keine Angst vor dem, was ihr Ihm zur Seite stellt, bis auf das, was Gott ˹bestimmen˺ will. Das Wissen meines Herrn umfasst alles. Wollt ihr denn nicht verstehen?
Vers 81: Und wie könnte ich denn vor den Dingen Angst haben, die ihr ˹Gott˺ zur Seite stellt, obwohl ihr nicht davor zurückschreckt, ˹Gott˺ etwas zur Seite zu stellen, wozu Gott euch keine Erlaubnis gegeben hat? Wer von uns sollte sich daher ˹im Jenseits˺ sicher fühlen, wenn ihr denn Wissen habt?“
Vers 83: Und jenes ist Unser Argument, das Wir Abraham gegenüber seinem Volk gewährten. Wir erheben um Rangstufen, wen Wir wollen, denn dein Herr ist allweise und allwissend.
Erbe der Propheten: Monotheismus
Vers 84: Und Wir schenkten ihm Isaak und Jakob, alle führten Wir ˹zur Wahrheit˺. Und Noah führten Wir bereits vorher, und unter Abrahams Nachkommen führten Wir David, Salomon, Hiob, Josef, Moses und Aaron. Und so belohnen Wir die Gütigen.
Vers 85: Und Zacharias, Johannes, Jesus und Elias. All jene gehörten zu den Rechtschaffenen.
Vers 86: Und auch Ismael, Elisa, Jonas und Lot. Und alle zeichneten Wir unter ihren Zeitgenossen aus
Vers 87: und auch manche ihrer Vorfahren, Nachkommen und Brüder. Und Wir wählten sie aus und führten sie auf einen geraden Weg.
Vers 88: Jenes ist Gottes Führung, mit der Er diejenigen Seiner Diener führt, die Er will. Und hätten sie ˹Gott˺ etwas zur Seite gestellt, wären ihre Taten verloren gewesen.
Vers 89: Jene sind es, denen Wir das Buch, die Herrschaft und das Prophetentum gaben. Wenn also jene ˹Mekkaner˺ es (das Prophetentum) leugnen, so haben Wir es bereits Leuten übergeben, die es nicht leugnen.
Vers 90: Jene sind es, die Gott rechtgeleitet hat, an ihre Rechtleitung halte dich also! Sag: „Ich bitte euch nicht um Lohn. Er (der Koran) ist nichts als eine Ermahnung für die Geschöpfe.“
Ignoranz vieler Anhänger der Buchreligionen
Vers 91: Doch jene16 respektierten Gott nicht gebührend, als sie sagten, Gott habe ˹nach Moses˺ keinem Menschen etwas offenbart. Sag ˹ihnen˺: „Wer hat das Buch herabgesandt, das Moses den Menschen als Licht und Rechtleitung überbrachte?“ Ihr hingegen macht daraus Blätter, die ihr zwar zeigt, ˹während ihr˺ aber auch vieles verheimlicht! Und euch wurde gelehrt, was weder ihr wusstet noch eure Vorfahren. Sag: „Gott ˹hat dies offenbart˺!“ Lass sie danach in ihrem Irrglauben versumpfen!
- 16 Gemeint sind jene Juden, die ihre heiligen Texte sowohl schriftlich als auch in ihrer wahren Deutung verfälschten und so die Wahrheit entstellten. ↩
Der Koran bestätigt die Urreligion
Vers 92: Und dies (der Koran) ist ein Buch, das Wir herabsandten. Es ist gesegnet und bestätigt die vorherigen Offenbarungen, und es ist dazu da, dass du ˹o Muhammad˺ die Kernstadt ˹Mekka˺ warnst und auch die sie umgebenden Orte. Und diejenigen, die an das Jenseits glauben, glauben an ihn, und sie halten an ihrem Gebet fest.
Fälschung der Offenbarung als größtes Verbrechen
Vers 93: Und wer begeht mehr Unrecht als wer über Gott lügt oder sagt: „Ich habe eine Offenbarung erhalten“, obwohl ihm nichts offenbart wurde, und wer sagt: „Ich werde etwas herabsenden, das dem gleicht, was Gott herabgesandt hat“? Und wenn du nur sehen könntest, wenn die Übeltäter in Todesnot ertrinken und die Todesengel ihre Hände ausstrecken: „Gebt eure Seelen heraus!“ Heute wird euch mit der schändlichen Qual vergolten, dass ihr über Gott nicht die Wahrheit gesagt und euch erheblich über Seine Zeichen geäußert habt!
Wie es den Polytheisten im Jenseits ergeht
Vers 94: Nun also seid ihr ˹im Jenseits˺ einzeln zu Uns gekommen, wie Wir euch damals das erste Mal erschufen. Und ihr habt dem, was Wir euch anvertraut haben, den Rücken zugekehrt! Allerdings sehen Wir eure Fürsprecher (falschen Götter) nicht, von denen ihr behauptet habt, sie hätten ein Anrecht auf euch ˹in eurem Gottesdienst˺! Es ist euch abhandengekommen und entschwunden, was ihr stets behauptet habt.
Gottes Macht über Seine Schöpfung
Vers 95: Gott ist gewiss derjenige, der das Korn und den Kern spaltet.17 Er bringt das Lebendige aus dem Toten und das Tote aus dem Lebendigen hervor.18 Jener also ist Gott, wie könnt ihr also abgeneigt sein?
- 17 Dies bedeutet, dass Gott jedes Korn aufgehen und keimen lässt, dass Er also über alles waltet. ↩
- 18 Aus dem toten Korn wird eine lebendige Pflanze, die wiederum Korn hervorbringt, das vertrocknet. Ebenso wird die trockene Erde grün und stirbt anschließend wieder ab. Die Bäume scheinen im Winter abzusterben und im Frühjahr wieder zum Leben zu erwachen. ↩
Vers 96: Der Trenner des Morgenlichts, Er bestimmte die Nacht zur Ruhe und die Sonne und den Mond zum Zählen ˹der Zeit˺; das ist die Einteilung des Würdevollen und Allwissenden.
Gottes Schöpfung dient dem Menschen
Vers 97: Und Er ist derjenige, der für euch die Sterne erschuf, damit ihr mit ihnen in den Finsternissen zu Lande und zu Wasser den Weg findet. Wir haben gewiss die Zeichen für Leute erklärt, die Wissen haben.
Vers 98: Und Er ließ euch aus einer einzigen Seele heranwachsen, darauf folgt der Ruheort und das Lager.19 Wir haben gewiss die Zeichen für Leute erklärt, die begreifen.
- 19 Der „Ruheort“ kann als die Gebärmutter verstanden werden, in der das Kind vor seiner Geburt verweilt, und das „Lager“ als ein Speicherort. Ebenso wird gedeutet, dass mit dem „Ruheort“ die Erde für die Lebenden gemeint ist und mit dem „Lager“ das Grab. ↩
Vers 99: Und Er ist derjenige, der vom Himmel Wasser herabsendet, sodann lassen Wir damit allerlei Pflanzen wachsen, darauf lassen Wir es ergrünen und daraus in Reihen wachsendes Korn entstehen. Und aus den Dattelpalmen – aus ihren Fruchtrispen – wachsen herabneigende Fruchtstände hervor. Und Wir lassen dichte Reben, Oliven- und Granatapfelbäume wachsen, manche sind sich ähnlich und andere nicht. Betrachtet also ihre Früchte, wenn sie entstehen und reifen! Darin sind gewiss Zeichen für Leute zu finden, die glauben.
Gott hat keine Kinder und Nebengötter
Vers 100: Doch sie schrieben Gott Teilhaber ˹an der Göttlichkeit˺ zu, nämlich die Dschinn, obwohl Er sie erschuf! Und sie erfanden ohne jedes Wissen für Ihn Söhne und Töchter!20 Erhaben ist Er über den Makel, den sie Ihm zuschreiben!
- 20 Der Vers bezieht sich auf Glaubensvorstellungen der vorislamischen Araber: Sie dachten, die Engel wären Gottes Töchter (siehe 16:57, 37:149 ff.). ↩
Vers 101: Der ohne Vorbild schaffende Schöpfer der Himmel und der Erde – wie könnte Er ein Kind haben, wenn Er keine Partnerin hat?21 Außerdem erschuf Er alle Dinge, und Er weiß um alle Dinge.
- 21 Der Vers widerlegt die Vorstellung, Gott habe ein Kind, sei es im paganen, jüdischen oder christlichen Kontext. ↩
Gott ist einzigartig, nichts gleicht Ihm
Vers 102: Jener ist Gott, euer Herr, es gibt nichts Verehrungswürdiges außer Ihn, den Schöpfer aller Dinge, daher verehrt Ihn! Und Er ist für alles zuständig.
Vers 103: Die Blicke nehmen Ihn nicht wahr, doch Er nimmt die Blicke wahr. Er ist der Unergründliche und Allkundige.
Die absolute Erkenntnis
Vers 104: Ihr habt bereits Einblicke von eurem Herrn erhalten. Wer also die Erkenntnis erlangt, dem kommt dies zugute. Doch wer die Augen verschließt, schadet sich selbst. Und ich (Muhammad) bin nicht euer Hüter.
Vers 105: Und so legen Wir die Zeichen vielfältig dar, aber jene ˹Leugner˺ behaupten, du ˹o Muhammad˺ hättest ˹all dies˺ gelernt.22 Vielmehr erklären Wir ihn (den Koran) gewiss für Leute, die Wissen haben.
- 22 Der Vers spielt auf die Behauptung an, Muhammad ﷺ habe den Koran von Mönchen oder Rabbinern gelernt. Dem wird entgegengehalten, dass er weder lesen noch schreiben konnte und keine formale religiöse Ausbildung erhielt. Außerdem unterscheiden sich Inhalt und Stil des Korans deutlich von den biblischen Schriften. ↩
Vers 106: Folge dem, was dir von deinem Herrn offenbart wurde – es gibt nichts Anbetungswürdiges außer Ihn – und halte Abstand von den Götzendienern!
Das Verbot, falsche Götter zu beleidigen
Vers 108: Und beleidigt nicht die falschen Götter, die sie neben Gott verehren, denn sonst könnten sie in ihrer Boshaftigkeit und ihrem Unwissen Gott beleidigen! So lassen Wir jeder Gemeinde ihre Taten gut erscheinen, doch einst werden sie zu ihrem Herrn zurückkehren, sodann wird Er ihnen berichten, was sie früher getan haben.
Vers 109: Und sie schwören hoch und heilig bei Gott: Wenn sie ein Wunder erleben, werden sie sicherlich daran glauben. Sag: „Die Wunder sind allein bei Gott. Woher wollt ihr eigentlich wissen, ob die Leugner dennoch nicht glauben, wenn sie ˹die Wunder˺ erleben?“
Vers 110: Und Wir wenden ihre Herzen und Augen,24 als ob sie schon beim ersten Mal nicht daran geglaubt hätten. Und Wir lassen sie in ihrer Übertretung umherirren.
- 24 Gemeint ist, dass Gott ihre Herzen und Augen von der Wahrheit abwendet, weil sie sich bereits zuvor bewusst gegen den Glauben entschieden und trotz geforderter Zeichen nicht glauben wollten. Die Wendung kann zudem als Hinweis darauf verstanden werden, dass ihre Herzen und Augen im Jenseits im Höllenfeuer gewendet werden, als Folge ihres Unglaubens im Diesseits. ↩
Glaubensleugner ignorieren alle Gottesbeweise
Vers 111: Und selbst wenn Wir zu ihnen die Engel herabgesandt hätten, die Toten zu ihnen sprechen würden und Wir alles vor ihren Augen zusammengetragen hätten, würden sie nicht glauben; außer Gott will es ˹anders˺. Vielmehr haben die meisten unter ihnen kein Wissen.
Feinde der Propheten
Vers 112: Und ebenso machten Wir für jeden Propheten die Satane unter den Menschen und Dschinn zu Feinden, die sich gegenseitig geschmückte Worte eingeben, um zu täuschen.25 Doch wenn Gott es gewollt hätte, hätten sie dies nicht getan. Lass sie daher mit ihren Lügen allein!
- 25 Dies bedeutet, dass sowohl die Menschen als auch die Dschinn einander üble Taten einflüstern. ↩
Vers 113: Und zur Täuschung neigen die Herzen derjenigen, die nicht an das Jenseits glauben. Sie sind damit zufrieden und erwerben das, was sie erwerben wollten.
Der Koran ist einzigartig
Vers 114: Jemand anderen als Gott soll ich zum Richter wollen, obwohl Er es ist, der euch das Buch (den Koran) erklärt herabsandte? Und diejenigen, denen Wir das Offenbarungsbuch gaben, wissen, dass er (der Koran) wahrhaftig von deinem Herrn herabgesandt wurde, sei also kein Zweifler!
Vers 115: Und das Wort deines Herrn ist vollkommen wahr und gerecht, niemand kann Gottes Wort (Beschluss) ändern! Und Er ist der Allhörende und Allwissende.
Abwege der Vielgötterei
Vers 116: Doch wenn du den meisten Leuten auf Erden gehorchen solltest, dann führen sie dich von Gottes Weg fort. Sie folgen nichts als Hörensagen und verlieren sich lediglich in Mutmaßungen.
Vers 117: Dein Herr weiß ganz gewiss am besten, wer von Seinem Weg abirrt, und Er weiß am besten um die Rechtgeleiteten Bescheid.
Gottes Name beim Schlachten
Vers 118: Esst also von den Tieren, bei deren Schlachtung Gottes Name erwähnt wurde, wenn ihr wirklich an Seine Zeichen glaubt!
Vers 119: Und warum esst ihr nicht von dem, worüber Gottes Name erwähnt wurde, obwohl Er euch genau erklärt hat, was Er euch verbietet, außer ihr seid in Not?26 Und viele führen gewiss ˹andere˺ mit ihren Neigungen in die Irre. Dein Herr weiß wohl am besten um die Übertreter.
- 26 Mit der Notlage ist gemeint, dass der Verhungernde auch verbotene Speisen essen kann, um sein Leben zu retten (s. 2:173, 5:3, 6:145 und 16:115). ↩
Vers 120: Und unterlasst das sichtbare und verborgene Übel! Denen, die üble Taten begehen, wird gewiss vergolten, was sie begangen haben.
Vers 121: Und esst ja kein Fleisch, bei dessen Schächtung nicht Gottes Name genannt wurde, denn es ist ganz sicher eine unverschämte Sünde! Und die Satane geben ihren Nächsten Dinge ein, damit sie mit euch streiten. Doch wenn ihr auf sie hören solltet, seid ihr ganz sicher Götzenverehrer!
Das Gleichnis des Gläubigen und des Polytheisten
Vers 122: Ist jemand, der tot war und dem Wir Leben und ein Licht schenkten, mit dem er unter den Menschen geht, wie jemand, der in Finsternissen bleibt und keinen Ausweg findet? So wurden den Leugnern ihre Taten als schön dargestellt, die sie stets begehen.
Vers 123: Und ebenso bestimmten Wir, dass es an jedem Ort verbrecherische Anführer gibt, die dort heimtückisch planen; allerdings schaden sie sich mit ihrer Heimtücke nur selbst, doch bemerken sie dies nicht.
Glaubensleugner akzeptieren keine Gottesbeweise
Vers 124: Und wenn sie ein Wunder erleben, sagen sie: „Wir werden niemals glauben, außer es wird uns dasselbe gegeben, was auch ˹zuvor˺ den Gesandten Gottes gegeben wurde!“ Gott weiß am besten, für welchen Ort Er Seine Botschaft bestimmt. Es wird jene, die verbrecherisch sind, eine bei Gott bestimmte Erniedrigung und schlimme Qual wegen der heimtückischen Pläne treffen, die sie ausheckten.
Rechtgeleitete und Abgeirrte
Vers 125: Wen Gott rechtleiten will, dessen Herz erweitert Er durch den Islam, und wen Gott abirren lassen will, dessen Herz beengt Er, als ob er im Himmel aufsteigen würde. Ebenso belegt Gott diejenigen mit dem Üblen, die nicht glauben.
Vers 126: Und dies ist der Weg deines Herrn, er ist gerade! Wir haben gewiss die Zeichen für Leute erklärt, die sich ermahnen lassen.
Vers 127: Ihnen steht die Stätte der Unversehrtheit (das Paradies) bei ihrem Herrn zu. Und Er ist ihr Nächster aufgrund der Taten, die sie vollbrachten.
Vers 128: Und am Tag, an dem Er sie alle versammelt, ˹wird Er sagen˺: „O Dschinn! Ihr habt die Menschen oft verführt!“ Und ihre Nächsten unter den Menschen werden sagen: „Unser Herr, wir haben uns miteinander vergnügt und jetzt unser Lebensende erreicht, das Du für uns bestimmt hast!“ Er (Gott) wird erwidern: „Das Höllenfeuer soll euer Heim werden!“, sie werden ewig darin sein, es sei denn, Gott will es anders. Dein Herr ist gewiss allweise und allwissend.
Vers 129: Und ebenso wenden Wir manche Übertreter anderen wegen der Taten zu, die sie begangen haben.
Vers 130: ˹Gott wird sagen:˺ „O alle Dschinn und Menschen! Sind denn zu euch keine Gesandten von euch gekommen, die euch von Meinen Zeichen erzählen und euch vor genau diesem Tag warnen?“ Sie werden sagen: „Wir haben gegen uns selbst ausgesagt!“, allerdings täuschte sie das irdische Leben. Und sie sagten gegen sich selbst aus, dass sie Leugner waren.
Gottes Gerechtigkeit und Allmacht
Vers 131: Dies ist so, weil dein Herr die Orte nicht wegen eines Unrechts vernichtet, solange ihre Bewohner ahnungslos sind.
Vers 132: Und für alle sind ˹im Jenseits˺ Ränge wegen dessen bestimmt, was sie taten. Und dein Herr ist nicht dessen achtlos, was sie tun.
Vers 133: Und Gott ist der Unabhängige und der Inbegriff der Barmherzigkeit. Wenn Er will, lässt Er euch verschwinden und setzt nach euch ein, was Er will, wie Er euch bereits aus den Nachkommen anderer Leute heranwachsen ließ.
Warnung vor der Abrechnung im Jenseits
Vers 134: Was euch angedroht wird, wird ganz sicher geschehen! Und ihr könnt ˹Gott˺ nicht entkommen.
Vers 135: Sag ˹ihnen˺: „O mein Volk! Handelt, wie ihr es gewohnt seid, ich handle gewiss! Und ihr werdet einst gewiss erfahren, wem es letztendlich gut im ˹jenseitigen˺ Heim ergehen wird. Die Übertreter haben sicherlich keinen Erfolg.“
Aberglaube beim Ackerbau und Vieh
Vers 136: Und sie27 bestimmten an der Ernte und dem Vieh, die Gott heranwachsen ließ, einen Anteil für Gott, indem sie sagten, dies ist – wie sie behaupteten – für Gott, und jenes für unsere Teilhaber (Götzen). Was ihren Teilhabern vorbehalten war, könne nicht zu Gott gelangen, doch was Gott vorbehalten war, könne zu ihren Teilhabern gelangen. Schlimm ist, was sie urteilen!
- 27 Es ist von den vorislamischen Bräuchen der Araber die Rede. Aberglaube wird in allen Kulturen mit der Ernte, dem Vieh und Krankheiten verbunden. Auch wenn diese Verse (136–140 und 142–144) sich auf altarabische Traditionen beziehen, sind die Konzepte dennoch auf andere Kulturen und Zeiten übertragbar. ↩
Vers 137: Und vielen Götzendienern ließen ihre angeblichen Teilhaber (Götzen) den Mord an ihren eigenen Kindern als etwas Gutes erscheinen, um sie zugrunde zu richten und ihre Religion zu verfälschen. Und wenn Gott es ˹anders˺ gewollt hätte, hätten sie es nicht getan.28 So lass sie doch lügen!
- 28 Der Islam unterscheidet zwischen dem Willen und Wohlwollen Gottes. Gott will etwas in dem Sinne, dass Er es aufgrund einer höheren Weisheit zulässt, auch wenn Er dies nicht mag. ↩
Vers 138: Und sie sagten: „Dies sind verbotene Weidetiere und verbotene Feldfrüchte, die wir nur den essen lassen, dem wir dies erlauben“, wie sie behaupten, und Weidetiere, deren Rücken ˹zum Reiten˺ verboten ist, und Weidetiere, die sie nicht in Gottes Namen schlachten, weil sie Lügen erfinden. Er wird sie für das bestrafen, was sie erfunden haben.
Vers 139: Und sie sagten: „Was in den Bäuchen dieser Weidetiere ist, dürfen nur unsere Männer essen und ist unseren Frauen verboten. Doch wenn es verendet ist, dürfen sie es sich teilen.“ Er wird sie für ihre Behauptung bestrafen! Er ist gewiss der Allweise und Allwissende!
Vers 140: Verloren sind gewiss diejenigen, die aus blindem Unverstand ihre Kinder töten und das für verboten erklären, womit Gott sie versorgt hat, und dabei Lügen über Gott verbreiten. Sie sind wahrhaftig abgeirrt und waren nicht rechtgeleitet.
Beweise für Gottes Allmacht
Vers 141: Und Er ist es, der Gärten mit gestützten und nicht gestützten Pflanzen, Dattelpalmen und Korn mit unterschiedlichen Eigenschaften, Oliven und Granatäpfel wachsen ließ, die ähnlich und doch nicht ähnlich sind.29 Esst von ihren Früchten, wenn sie ausgewachsen sind, gebt die Pflichtabgabe (die Zakat) davon am Tag ihrer Ernte ab und seid nicht maßlos! Denn Er liebt die Verschwender nicht.
- 29 Dies bedeutet, dass sie beispielsweise ähnlich aussehen, aber unterschiedlich schmecken. ↩
Aberglaube rund um Tiere
Vers 142: Und ˹Gott erschuf˺ unter den Weidetieren Lasttiere und Kleinvieh. Esst von dem, womit Gott euch versorgt, und folgt ja nicht den Fußstapfen des Satans! Er ist euch ja ein offenkundiger Feind.
Vers 143: Acht Tiere von Paaren: vom Schaf zwei und von der Ziege zwei. Sag: „Hat Er etwa die zwei Männchen verboten oder die beiden Weibchen, oder was die Gebärmütter der beiden Weibchen tragen?30 Erklärt es mir anhand von Wissen, wenn ihr ehrlich sein solltet!“
- 30 Dieser Vers beschreibt eine weitere Form des Aberglaubens der vorislamischen Araber in Bezug auf Tiere, ↩
Vers 144: Und von den Kamelen zwei und von den Rindern zwei. Sag: „Hat Er etwa die zwei Männchen verboten oder die beiden Weibchen, oder was die Gebärmütter der beiden Weibchen tragen? Oder wart ihr dabei, als Gott euch dies gebot?“ Und wer begeht mehr Unrecht als wer über Gott lügt, um die Menschen ohne jedes Wissen in die Irre zu führen? Gott führt gewiss das übertreterische Volk nicht zum Guten.
Kategorien der Speisegebote im Islam
Vers 145: Sag ˹o Muhammad˺: „Ich finde in dem, was mir offenbart wurde, kein verbotenes Essen für einen Speisenden, es sei denn, es ist verendet ˹und nicht geschächtet˺, ausfließendes Blut31 oder Schweinefleisch – denn es ist wahrhaftig unrein – oder Sündhaftes (Götzenopfer), das für andere als für Gott geweiht wurde.32 Wer in Not ist,33 ohne es zu begehren und maßlos zu sein, auf dem lastet keine Sünde; Gott ist gewiss vergebend und barmherzig.“
- 31 Gemeint ist Blut, das beim Schlachten austritt. ↩
- 32 Die hier genannten Verbote sind die allgemeinen Kategorien für verbotenes Fleisch, da auch Raubtiere verboten sind. ↩
- 33 Gemeint ist ein Mensch, der am Verhungern ist und zum Überleben das Fleisch eines verendeten Tieres isst. Er sündigt in diesem Fall nicht, solange er nicht danach giert und nicht mehr davon isst, als er zum Überleben braucht. ↩
Vers 146: Und den Juden verboten Wir alle Tiere mit Klauen. Und vom Rind, den Schafen und den Ziegen verboten Wir ihnen das Fett, bis auf das, was sie am Rücken oder an den Eingeweiden tragen oder was mit einem Knochen verwachsen ist. Hiermit haben Wir sie wegen ihrer Widerspenstigkeit bestraft,34 und Wir berichten die Wahrheit.
- 34 Gemeint sind ihre Sünden, deretwegen für sie die Gebote strenger gemacht wurden (siehe 4:161, aber auch 3:93 zum Kamelfleisch, die Geschichte der Kuh 2:67–73 und die Auferlegung des Sabbats, 16:124). ↩
Umgang mit selbst auferlegten Geboten
Vers 147: Wenn sie dich als Lügner bezeichnen, dann sag: „Euer Herr ist voll unermesslicher Barmherzigkeit“, allerdings wird Seine Gewalt nicht vom verbrecherischen Volk abgewendet.
Vers 148: Diejenigen, die etwas neben Gott verehren, werden sagen: „Wenn Gott es gewollt hätte, hätten weder wir noch unsere Vorfahren etwas neben Ihm angebetet, noch hätten wir irgendetwas verboten.“ Ebenso leugneten bereits die Menschen vor ihnen, bis sie Unsere Gewalt zu spüren bekamen. Sag ˹ihnen˺: „Habt ihr eigentlich irgendein Wissen ˹über Gottes Gebot˺, das ihr uns vorlegen könntet? Ihr folgt allein der Vermutung und gebt euch Wunschvorstellungen hin.“
Vers 149: Sag ˹ihnen˺: „Gott hat das vollkommenste Argument. Wenn Er gewollt hätte, dann hätte Er euch alle geführt.“
Vers 150: Sag ˹ihnen˺: „Bringt doch eure Zeugen, die bezeugen, dass Gott dies verboten haben soll!“ Wenn sie es dennoch bezeugen, dann bezeuge es nicht mit ihnen! Und folge nicht den Begierden derjenigen, die Unsere Zeichen leugnen, nicht an das Jenseits glauben und behaupten, etwas sei ihrem Herrn ebenbürtig!
Gottes Gebote
Vers 151: Sag ˹ihnen˺: „Kommt her, ich trage euch vor, was euer Herr euch verboten hat: ˹Er gebietet,˺ dass ihr Gott nichts zur Seite stellt und ˹Er gebietet˺ die Güte gegenüber den Eltern. Und tötet eure Kinder nicht wegen Armut: Wir versorgen euch und sie! Und nähert euch nicht den Schandtaten, weder den sichtbaren davon noch den verborgenen, und tötet kein Leben, das Gott zu töten verbietet, außer rechtmäßig!35 Jene Dinge gebietet euch Gott, auf dass ihr wohl begreift.
- 35 Mit der Rechtmäßigkeit ist beispielsweise die Notwehr gemeint. ↩
Vers 152: Und nähert euch nicht dem Vermögen der Waise, außer zu ihrem Besten, bis sie reif genug ist! Und haltet die Gewichte und Hohlmaße mit korrektem Maß treu ein! Wir belasten keine Seele mehr, als sie es ertragen kann. Und wenn ihr sprecht, seid gerecht, ja selbst bei einem Verwandten! Und den Bund Gottes sollt ihr treu einhalten! Jene Dinge gebietet euch Gott, auf dass ihr euch wohl erinnert.
Vers 153: Und ˹Ich bestimme,˺ dass dies Mein Weg ist, er sei gerade! Folgt ihm also und folgt nicht den Abwegen, denn sie bringen euch von Seinem Weg ab! Jene Dinge gebietet euch Gott, auf dass ihr euch wohl in Acht nehmt.“
Offenbarung der Urthora und des Korans
Vers 154: Sodann gaben Wir Moses das Buch als Vollendung für den, der es gut praktiziert,36 als Erklärung für alles, als Führung und Barmherzigkeit, damit sie daran glauben, ihren Herrn zu treffen.
- 36 Dies kann auch bedeuten: Gott erweist den Israeliten mit der Thora eine Gnade, um sie für gute Taten zu belohnen. ↩
Vers 155: Und dies (der Koran) ist ein Buch, das Wir herabsandten. Es ist gesegnet, daher folgt ihm und nehmt euch in Acht, auf dass euch wohl Barmherzigkeit zukommt!
Vers 157: Oder ihr könntet sagen: „Wenn das Buch uns offenbart worden wäre, dann wären wir sicherlich auf einem korrekteren Weg als sie.“ Allerdings habt ihr bereits einen klaren Beweis von eurem Herrn erhalten, es ist eine Führung und Barmherzigkeit. Und wer begeht mehr Unrecht als wer Gottes Zeichen leugnet und davon abweicht? Wir werden diejenigen, die von Unseren Zeichen abweichen, mit der schlimmen Qual bestrafen, weil sie stets abwichen.
Letzte Warnung an die Leugner
Vers 158: Warten sie etwa allein darauf, dass die Engel zu ihnen kommen, oder gar dein Herr oder einige Zeichen deines Herrn? Am Tag, an dem manches Zeichen deines Herrn ankommt,38 nützt der Glaube keiner Seele mehr, die nicht schon vorher geglaubt oder für ihren Glauben Gutes bewirkt hat. Sag: „Wartet doch, wir werden auch abwarten.“
- 38 Das heißt im Jenseits. ↩
Warnung vor Sektiererei
Vers 159: Mit denen, die ihre Religion trennen und zu Sekten wurden, hast du ˹o Muhammad˺ nichts zu tun. Ihrer Sache nimmt sich nur Gott an, Er wird ihnen einst berichten, was sie stets taten.
Gottes Gerechtigkeit und Nachsicht
Vers 160: Wer mit einer guten Tat ankommt, der erhält zehn ebensolche. Und wer mit einer schlechten Tat ankommt, dem wird diese lediglich im selben Maß vergolten, und ihnen widerfährt kein Unrecht.
Der Islam steht im Geiste der Urreligion Abrahams
Vers 161: Sag: „Mich hat mein Herr ganz gewiss auf einen geraden Weg geführt, eine korrekte Religion, die Religion Abrahams, der kein Götzendiener war.“
Vers 162: Sag: „Mein Gebet, meine Pilgerriten, meine Lebensweise und mein Tod sind nur Gott gewidmet, dem Herrn aller Dinge.
Vers 163: Er hat keinen Teilhaber. Und dies wurde mir geboten und ich bin der erste Muslim39 ˹dieser Gemeinschaft˺.“
- 39 Gemeint ist, dass Muhammad ﷺ der Erste seiner Gemeinschaft ist, der sich Gott hingibt – nicht der erste Muslim überhaupt. Ähnlich identifiziert sich Moses in seinem jeweiligen Kontext als „der Erste der Gläubigen“ (vgl. 7:143). ↩
Vers 164: Sag: „Soll ich etwa einen anderen als Gott als Herrn wollen, obwohl Er der Herr aller Dinge ist?” Und jede Seele erwirbt nur das ˹an Taten und Vergeltung˺, was sie betrifft. Und keine lasttragende ˹Seele˺ trägt die Last einer anderen. Sodann werdet ihr zu eurem Herrn zurückkehren, worauf Er euch das berichtet, worüber ihr euch uneins wart.
Vers 165: Und Er bestimmte, dass ihr Nachfolger40 auf Erden sein sollt und stellte einige von euch um Stufen über andere, um euch mit dem zu prüfen, was Er euch gab. Dein Herr straft gewiss schnell und ist der Vergebende und Barmherzige.”
- 40 Gemeint ist entweder, dass Gott den Generationenwechsel bestimmte oder dass der Mensch der Statthalter auf Erden ist, also für sie verantwortlich ist und sie hüten muss. ↩