An-Nisa

An-Nisa

Die Frauen

Vers 1: O Menschen! Fürchtet euren Herrn, der euch aus einer einzigen Seele und aus ihr ihre Partnerin erschuf. Und Er ließ aus beiden viele Männer und Frauen hervorkommen! Und achtet Gott, in dessen Namen ihr euch gegenseitig bittet, und achtet die Verwandtschaftsbande! Gott beobachtet euch schließlich genau.

Gerechter Umgang mit Waisen

Vers 2: Und gebt den Waisen ihr Vermögen und vertauscht nicht wertlose Dinge ˹aus eurem Besitz˺ gegen gute ˹aus dem Besitz der Waisen˺! Und rafft nicht ihr Vermögen zu eurem eigenen Vermögen! Dies ist gewiss eine große Untat.

Mehrehe

Vers 3: Und wenn ihr befürchtet, bei ˹der Ehe mit˺ den verwaisten ˹Frauen˺ nicht gerecht zu werden, dann heiratet Frauen, die euch gefallen, entweder zwei, drei oder vier. Wenn ihr jedoch befürchtet, nicht gerecht sein zu können, dann eine, oder was ihr an Leibeigenen besitzt.1 Dies sorgt eher dafür, dass ihr nicht ungerecht seid.

  1. 1 Diese Gebote zur Sklaverei beziehen sich auf die damalige Gesellschaftsstruktur, in der sie ein fester Bestandteil war. Der Islam befürwortet die Sklaverei nicht, sondern erkannte die bestehenden Verhältnisse an, legte Regelungen zum Schutz der Würde und Rechte von Sklaven fest und forderte aktiv zu ihrer Befreiung auf. So ist zur Sühne von Sünden beispielsweise immer ein Sklave zu befreien, wenn man einen besitzt (vgl. 4:92, 5:89, 58:3, 90:13).

Die Brautgabe

Vers 4: Und gebt den Frauen ihre Brautgabe als Geschenk! Und wenn sie freiwillig auf einen Teil davon verzichten, nehmt es unbedenklich an!

Unterhaltspflicht für Ehefrau, Kinder und Waisen

Vers 5: Und gebt nicht den Unvernünftigen euer Vermögen, das Gott für euch zum Lebensunterhalt bestimmt hat! Versorgt sie (die Ehefrauen, Kinder, Waisen) damit, gebt ihnen Kleidung und sagt ihnen gute Worte!

Vers 6: Und prüft die Waisen! Wenn sie das Heiratsalter erreicht haben und ihr seht, dass sie vernünftig sind, dann händigt ihnen ihr Vermögen aus! Und verschlingt es nicht verschwenderisch und voreilig, bevor sie erwachsen werden! Wer vermögend ist, muss davon Abstand nehmen, und wer arm ist, darf es (das Vermögen der Waise) im üblichen Maß nehmen. Und wenn ihr ihnen ihr Vermögen aushändigt, dann ruft Zeugen herbei! Und Gott genügt als Abrechner.

Erbrecht im Islam

Vers 7: Den Männern steht ein Anteil an dem zu, was die Eltern und Verwandten hinterlassen, und den Frauen steht ein Anteil an dem zu, was die Eltern und Verwandten hinterlassen, sei es wenig oder viel. Dies ist ein Pflichtanteil.

Vers 8: Und wenn bei der Erbverteilung Verwandte, Waise und Bedürftige anwesend sind, dann versorgt sie daraus und sagt ihnen gute Worte!

Vers 9: Doch sollen sich diejenigen hüten, die ˹finanziell˺ schwache Nachkommen hinterlassen, um die sie Angst haben. Sie sollen Gott fürchten und klare Worte sprechen.

Vers 10: Diejenigen, die das Vermögen der Waisen ungerecht verschlingen, werden ˹im Jenseits˺ wahrhaftig in ihren Bäuchen Feuer verschlingen und sie werden in einer Glut brennen.

Vers 11: Gott bestimmt das Erbe für eure Kinder; der männliche Erbe erhält den Anteil von zwei weiblichen.2 Sind es mehr als zwei Frauen (Töchter), erhalten sie zwei Drittel von dem, was er hinterlassen hat. Und wenn es eine ˹Tochter˺ ist, erhält sie die Hälfte ˹des Erbes˺. Und seine Eltern erhalten jeweils ein Sechstel von dem, was er hinterlassen hat, wenn er Kinder hatte. Wenn er hingegen keine Kinder hatte und seine Eltern von ihm erben, erhält die Mutter ein Drittel. Hat er dagegen Brüder, erhält die Mutter ein Sechstel – ˹all dies gilt˺ nach dem Vermächtnis,3 das erlassen wurde, oder Schulden.4 Eure Eltern oder eure Söhne: Ihr wisst nicht, wer von ihnen euch im Nutzen näherkommt. Das Erbe ist als Pflicht von Gott vorgeschrieben. Gott ist schließlich allwissend und allweise.

  1. 2 Dieses Prinzip gilt nur in bestimmten erbrechtlichen Konstellationen; Frauen können je nach Erbfall auch einen höheren Anteil als Männer erhalten. Maßgeblich sind nicht nur das Geschlecht, sondern auch die Nähe zum Verstorbenen und die Generationenfolge. Zudem ist der Mann im Islam zum Unterhalt gegenüber Frau und Kindern verpflichtet, während die Frau über ihr Vermögen frei verfügen kann.
  2. 3 Im islamischen Recht wird unterschieden zwischen dem Vermächtnis, das als Spende gilt, und dem Pflichterbe für bestimmte Verwandte, die in 4:11 f. und 4:176 genannt sind.
  3. 4 Vor der Verteilung des Pflichterbes werden die Begräbniskosten, Schulden und das Vermächtnis vom Nachlass abgezogen.

Vers 12: Und ihr (Ehemänner) erhaltet die Hälfte dessen, was eure Ehefrauen hinterlassen haben, wenn sie keine Kinder hatten. Wenn sie jedoch Kinder hatten, erhaltet ihr ein Viertel dessen, was sie (die Ehefrauen) hinterlassen haben – nach einem Vermächtnis, das sie erlassen haben, oder Schulden. Und sie (die Ehefrauen) erhalten ein Viertel dessen, was ihr (Ehemänner) hinterlassen habt, wenn ihr keine Kinder hattet. Wenn ihr jedoch Kinder hattet, dann erhalten sie (die Ehefrauen) ein Achtel dessen, was ihr (Ehemänner) hinterlassen habt – nach einem Vermächtnis, das ihr erlassen habt, oder Schulden. Und wenn ein Mann oder eine Frau über eine Seitenlinie5 beerbt wird und einen Bruder oder eine Schwester hat, dann erhält jeder der beiden ein Sechstel. Wenn es mehr sind, dann sind sie Teilhaber an einem Drittel – ˹all dies gilt˺ nach dem Vermächtnis, das erlassen wurde, oder Schulden ohne Schädigung; als Vermächtnis von Gott. Und Gott ist allwissend und nachsichtig.

  1. 5 Das Erbe über die Seitenlinie bedeutet, dass der Verstorbene weder Vorfahren noch Nachkommen hat, sodass seine Geschwister etc. erben.

Umgang mit Gottes Geboten

Vers 13: Dies sind die Grenzen Gottes. Und wer Gott und Seinem Gesandten gehorcht, den lässt Er in Paradiesgärten ein, unter denen die Flüsse dahinfließen; ewig sind sie darin. Und dies ist der gewaltige Sieg.

Vers 14: Und wer sich gegen Gott und Seinen Gesandten auflehnt und Seine Grenzen überschreitet, den bringt Er in ein Feuer, in dem er ewig sein wird, und ihm gebührt eine schmachvolle Strafe.

Ehebruch

Vers 15: Und diejenigen Frauen, die sich der Schandtat ˹des Ehebruchs˺ hingeben: Dies müssen vier Zeugen von euch bezeugen. Wenn sie ˹den außerehelichen Geschlechtsverkehr˺ bezeugen, haltet sie in den Häusern gefangen, bis sie der Tod ereilt oder Gott für sie einen Ausweg bestimmt.6

  1. 6 Die Regel der Haftstrafe ist aufgehoben, wie die Worte „oder Gott für sie einen Ausweg bestimmt“ andeuten.

Vers 16: Und bestraft die beiden unter euch, die dies (den Ehebruch) begehen! Wenn jedoch beide reuevoll umkehren und rechtschaffen handeln, dann lasst von ihnen ab! Gott nimmt gewiss die Reue an und ist barmherzig.

Bedingungen für die Reue

Vers 17: Die Annahme der Reue hat sich Gott nur für diejenigen auferlegt, die die üble Tat leichtfertig begehen und kurz darauf reuevoll umkehren; die Reue jener nimmt Gott an. Und Gott ist allwissend und allweise.

Vers 18: Auf die Annahme der Reue haben allerdings nicht diejenigen Anrecht, die die Sünden begehen, bis der Tod heraneilt und es heißt: „Jetzt bereue ich gewiss!“, und auch nicht diejenigen, die als Glaubensleugner sterben. Für jene haben Wir eine schmerzvolle Strafe vorbereitet.

Verbot des vorislamischen Stammesrechts

Vers 19: O Gläubige! Es ist euch nicht erlaubt, die Frauen gegen ihren Willen zu erben.7 Und haltet sie nicht ˹von der Ehe˺ ab, um ihnen etwas von dem wegnehmen zu können, was ihr ihnen gegeben habt, außer sie begehen eine offenkundige Schandtat. Und geht gut mit ihnen um! Denn auch wenn ihr sie nicht mögen solltet, so missfällt euch vielleicht etwas ˹an ihr˺, in das Gott viel Gutes gelegt hat.

  1. 7 Vor dem Islam wurden Frauen unter den Arabern wie Teil des Erbes behandelt und an die Verwandten des Verstorbenen weitergegeben. Im Islam ist dies ausdrücklich verboten.

Scheidungsrecht

Vers 20: Und wenn ihr eine Ehefrau durch eine andere ersetzen wollt und einer von ihnen bereits einen Zentner ˹Geld als Brautgabe˺ gegeben habt, dann nehmt nichts davon zurück! Wollt ihr es etwa schamlos und böswillig wegnehmen?

Vers 21: Und wie könnt ihr es nur wegnehmen, obwohl ihr schon intim miteinander wart und sie mit euch einen gewaltigen Bund abgeschlossen haben?

Verbot der Heirat mit Familienmitgliedern

Vers 22: Und heiratet nicht die Frauen, die eure Väter zuvor geheiratet haben, es sei denn, es ist bereits geschehen.8 Dies ist wahrhaftig eine abscheuliche Schandtat und ein übler Weg.

  1. 8 Diese Ausnahme bezieht sich auf Ehen, die vor der Offenbarung dieses Verses geschlossen wurden.

Vers 23: Euch sind ˹zur Ehe˺ eure Mütter verboten, eure Töchter, eure Schwestern, eure Tanten väterlicherseits, eure Tanten mütterlicherseits, die Töchter des Bruders, die Töchter der Schwester, eure Ammen, die euch gestillt haben, eure Milchschwestern, die Mütter eurer Ehefrauen und eure Stieftöchter, die in euren Schößen ˹aufgewachsen˺ sind, und zwar von euren Frauen, denen ihr beigeschlafen habt. Wenn ihr ihnen nicht beigeschlafen habt, dann ist es für euch keine Sünde.9 Und die Ehefrauen eurer Söhne, die aus euren Lenden stammen, ˹sind euch zur Ehe verboten,˺ und dass ihr mit zwei Schwestern gleichzeitig verheiratet seid, es sei denn, es ist bereits geschehen. Gott ist ja vergebend und barmherzig.

  1. 9 Die Stieftochter ist für immer zur Ehe verboten, sobald ein Mann ihre Mutter geheiratet hat und mit ihr Geschlechtsverkehr hatte. Nur wenn er sich von der Mutter scheidet, bevor die Ehe vollzogen wurde, könnte er ihre Tochter heiraten.

Vers 24: Und ˹zur Ehe verboten sind˺ die verheirateten Frauen, bis auf das, was ihr an Leibeigenen besitzt. Dies ist die Vorschrift Gottes für euch. Und erlaubt ist euch alles andere: dass ihr mit eurem Vermögen Frauen zur Ehe sucht und nicht zur Hurerei. Sobald ihr in den Genuss ˹der Ehe˺ gekommen seid, gebt ihnen ihre rechtmäßige Brautgabe! Und es ist keine Sünde für euch, wenn ihr euch zusätzlich zur verpflichtenden ˹Brautgabe˺ auf etwas geeinigt habt. Gott ist ja allwissend und allweise.

Heirat mit Leibeigenen10

Vers 25: Und wer von euch aus materiellen Gründen keine freien, gläubigen Frauen heiraten kann, der ˹soll˺ von den Frauen ˹heiraten˺, und zwar von euren gläubigen Leibeigenen, die ihr besitzt. Und Gott weiß am besten um euren Glauben. Ihr gehört schließlich zueinander. Heiratet sie also mit dem Einverständnis ihrer Familien und gebt ihnen ihre Brautgabe im üblichen Maß – keusche Frauen, weder unzüchtige noch solche, die einen festen Liebhaber nehmen. Wenn sie (die Leibeigenen) geheiratet haben und danach die Ehe brechen, dann werden sie mit der Hälfte der Strafe11 der freien Frau belegt. Dies gilt für den unter euch, der befürchtet, Unzucht zu begehen. Doch dass ihr standhaft seid, ist besser für euch. Und Gott ist vergebend und barmherzig.

  1. 10 Der Islam befürwortet die Sklaverei nicht, sondern fordert zur Sklavenbefreiung auf. Der Vers bezieht sich auf den Fall, dass überhaupt Sklaven existieren.
  2. 11 Das Strafmaß für freie Männer und Frauen ist in 24:2 nachzulesen.

Der tiefere Sinn dieser Gebote

Vers 26: Gott will euch ˹die Gebote˺ erklären, euch zu den Geboten derjenigen ˹Religionsgemeinschaften˺ vor euch führen und eure Reue annehmen. Und Gott ist allwissend und allweise.

Vers 27: Und Gott will eure Reue annehmen, doch wollen diejenigen, die den Begierden folgen, dass ihr über die Maßen abweicht.

Vers 28: Gott will euch ˹die Gebote˺ erleichtern, denn der Mensch wurde schwach erschaffen.

Verbot der Benachteiligung beim Handel

Vers 29: O Gläubige! Verschlingt euer Vermögen nicht untereinander unrechtmäßig, vielmehr soll es ein einvernehmlicher Handel zwischen euch sein. Und tötet euch nicht selbst, Gott ist doch stets barmherzig mit euch!

Vers 30: Wer dies dennoch böswillig und zu Unrecht tut, den werden Wir in einem Feuer brennen lassen. Und das ist Gott ein Leichtes!

Belohnung für das Meiden großer Sünden

Vers 31: Wenn ihr die schlimmsten Taten meidet, die euch verboten wurden, tilgen Wir euch eure Sünden und lassen euch eine edle Einkehr (das Paradies) betreten.

Neidverbot und Rollen von Mann und Frau

Vers 32: Und wünscht euch nichts, womit Gott manche von euch gegenüber anderen ausgezeichnet hat!12 Den Männern steht ein Anteil dessen zu, was sie getan haben, und den Frauen steht ein Anteil dessen zu, was sie getan haben. Und bittet Gott um Seine Güte! Gott weiß schließlich alles.

  1. 12 Frauen und Männer haben in bestimmten Bereichen unterschiedliche religiöse Pflichten (Erbrecht, Wehrpflicht, Unterhaltspflicht, Freitagsgebet etc.). Der Vers betont, dass jedes Geschlecht besondere, gottgegebene Rechte und Pflichten hat.

Gott bestimmt das Erbrecht

Vers 33: Und für jeden Einzelnen haben Wir Erbberechtigte für das bestimmt, was die Eltern und nächsten Verwandten hinterlassen. Und gebt denen, an die euch eure Eide binden,13 ihren Anteil! Gott ist gewiss Zeuge über alle Dinge.

  1. 13 Der Vers kann sich auf den vorislamischen Brauch beziehen, per Eid Personen zu Erben zu machen. Diese Regel ist durch 8:75 aufgehoben. Mit Eide könnte außerdem ein Bund wie der Ehebund oder die Sklavenbefreiung gemeint sein, denn zwischen dem ehemaligen Sklaven und seinem Befreier besteht ein Erbverhältnis.

Verhältnis zwischen Mann und Frau

Vers 34: Die Männer kommen für den Unterhalt der Frauen auf, weil Gott den einen mehr Macht gewährte als den anderen und wegen ihres Vermögens, das sie ˹für die Familie˺ ausgeben. So sind die rechtschaffenen Frauen demütig und bewahren die ˹ehelichen˺ Geheimnisse14 durch den Schutz, den Gott gewährt. Und diejenigen ˹Frauen˺, bei denen ihr böswillige Widerspenstigkeit wahrnehmt, die sollt ihr ˹zuerst˺ ermahnen, ˹danach˺ in den Ehebetten meiden und ˹zuletzt˺ stupfen!15 Doch wenn sie euch gehorchen, dann dürft ihr sie nicht mehr strafen! Gott ist gewiss erhaben und groß.

  1. 14 Oder: „und hüten ˹das Haus˺ in Abwesenheit ˹des Mannes˺“.
  2. 15 Das Stupfen ist als letztes Mittel vorgesehen, um größere Widerspenstigkeit abzuwenden. Der Prophet Muhammad ﷺ bezeichnete es als ein ‚Stupfen ohne weh zu tun‘.

Vers 35: Und wenn ihr den Bruch zwischen beiden ˹Ehepartnern˺ befürchtet, dann sendet einen Schlichter von der Familie des Mannes und einen Schlichter von der Familie der Frau. Wenn beide die Schlichtung anstreben, wird Gott beiden zum Erfolg verhelfen. Gott ist ja Allwissend und Allkundig.

Anbetung Gottes und Umgang mit Verwandten

Vers 36: Betet Gott an und stellt Ihm nichts zur Seite! Und seid gut zu den Eltern, Verwandten, Waisen, Bedürftigen, dem nächsten Nachbarn, entfernten Nachbarn, Gefährten, dem mittellosen Reisenden und den Leibeigenen, die ihr besitzt. Gott liebt gewiss nicht den stolzen Prahler,

Etikette des Spendens

Vers 37: also diejenigen, die geizen, die Leute zum Geiz auffordern und den Wohlstand verbergen, mit dem Gott sie in Seiner Güte bedachte. Und Wir haben für die Glaubensleugner bereits eine schmachvolle Qual vorbereitet.

Vers 38: Und ˹auch für˺ diejenigen, die ihr Vermögen angeberisch vor aller Augen spenden und weder an Gott noch an den Jüngsten Tag glauben. Doch wessen Gefährte der Satan ist, der hat einen üblen Gefährten.

Vers 39: Und was würden sie verlieren, wenn sie an Gott und den Jüngsten Tag glauben und von dem spenden würden, womit Gott sie versorgt? Und Gott weiß um sie genau Bescheid.

Gott ist absolut gerecht

Vers 40: Gott fügt nicht einmal im geringsten Maß Unrecht zu. Und wenn es sich um eine gute Tat handelt, vervielfacht Er sie und gewährt zusätzlich von Sich aus eine gewaltige Belohnung.

Muhammad ﷺ ist der Zeuge über die Menschen im Jenseits

Vers 41: Wie wird es um sie stehen, wenn Wir ˹im Jenseits˺ von jeder Gemeinde einen Zeugen vorladen und dich ˹o Muhammad˺ zum Zeugen über jene laden?

Vers 42: An jenem Tag werden sich diejenigen wünschen, die leugneten und sich gegen den Gesandten auflehnten, dass sie dem Erdboden gleich wären. Doch werden sie vor Gott kein Wort verbergen.

Rituelle Reinigung für das Gebet

Vers 43: O Gläubige! Nähert euch dem Gebet nicht, solange ihr betrunken seid, bis ihr versteht, was ihr sagt! Und ˹betet˺ auch nicht im Zustand großer ritueller Unreinheit, es sei denn, ihr seid unterwegs,16 bis ihr euch rituell gebadet habt! Und wenn ihr krank oder unterwegs seid, jemand von euch von der Toilette kommt oder ihr mit den Frauen ˹intim˺ verkehrt habt17 und kein Wasser findet, dann sucht nach gutem Boden und streicht über eure Gesichter und eure Hände! Gott ist gewiss verzeihend und vergebend.

  1. 16 Der Reisende oder Kranke kann die rituelle Reinigung für das Gebet durch Erde oder Staub vollziehen, wenn Wasser nicht verfügbar oder nicht anwendbar ist.
  2. 17 Die genannten Handlungen stehen beispielhaft für alles, was den kleinen oder großen Zustand ritueller Unreinheit bewirkt. Entsprechend hebt die rituelle Reinigung mit Erde oder Staub beide Zustände auf.

Fälschung voriger Offenbarungen

Vers 44: Hast du etwa nicht von jenen Leuten erfahren, denen ein Anteil am Offenbarungsbuch gegeben wurde, die jedoch den Irrweg erkaufen und wollen, dass ihr vom Weg abirrt?

Vers 45: Und Gott weiß am besten um eure Feinde. Und Gott genügt als Nächster, und Gott genügt als Helfer!

Vers 46: Manche Juden entstellen den Wortsinn und sagen: „Wir haben ˹Gottes Gebot˺ gehört, aber widersetzen uns!“, „Höre, dir ˹o Muhammad˺ wird niemand zuhören!“ und „Beachte uns!“;18 sie verdrehen die Worte mit ihren Zungen und beleidigen die Religion. Hätten sie hingegen „Wir hören und gehorchen!“, „Höre!“ und „Schau zu uns!“ gesagt, wäre dies gewiss besser und korrekter für sie. Vielmehr verfluchte Gott sie wegen ihres Unglaubens, und so glauben sie kaum.

  1. 18 Siehe 2:104 und die Fußnote dazu.

Schicksal der Juden und Christen

Vers 47: O ihr, denen das Offenbarungsbuch gegeben wurde! Glaubt an das, was Wir zur Bestätigung dessen herabgesandt haben, was bereits unter euch ist, bevor Wir Gesichter auslöschen und nach hinten umstülpen oder sie verfluchen, wie Wir die Übertreter des Sabbats19 verfluchten. Und Gottes Anordnung hat sich bereits erfüllt.20

  1. 19 Gemeint ist eine jüdische Gemeinde, die die Gebote des Sabbats ignorierte und deswegen in Affen und Schweine verwandelt wurde. Dies wird in 7:163–166 beschrieben. Siehe dazu auch 2:65 und 4:154.
  2. 20 Oder „und Gottes Anordnung wird stets erfüllt.“

Gott vergibt alles bis auf die Anbetung anderer

Vers 48: Gott vergibt gewiss nicht, dass etwas neben Ihm verehrt wird, doch vergibt Er alles Geringere, wem Er will. Und wer neben Gott etwas verehrt, der behauptet ein gewaltiges Übel!

Eigenlob der Religionsfälscher

Vers 49: Hast du etwa nicht von jenen Leuten erfahren, die sich selbst loben? Vielmehr lobt Gott, wen Er will, und ihnen wird nicht einmal im Maß des Fadens in einer Dattelkernrille Unrecht widerfahren.

Vers 50: Schau doch, wie sie über Gott Lügen erfinden! Und dies ist schon genug offensichtliches Übel.

Kritik an abergläubischen Juden und Christen

Vers 51: Hast du etwa nicht von jenen Leuten erfahren, denen ein Anteil des Offenbarungsbuchs gegeben wurde? Sie hängen dem Irrglauben und falschen Göttern an und behaupten, die Glaubensleugner seien eher rechtgeleitet als die Gläubigen.

Vers 52: Jene sind es, die Gott verflucht; und wen Gott verflucht hat, für den wirst du niemals einen Helfer finden.

Vers 53: Oder haben sie denn Teil an der Macht ˹Gottes˺? Wenn dem so wäre, gäben sie den Menschen nicht einmal etwas im Maß einer Dattelkernkerbe.

Vers 54: Oder beneiden sie etwa die Menschen um das, was ihnen Gott in Seiner Güte gegeben hat? Wir haben ja bereits der Familie Abrahams das Buch und die Weisheit gegeben, und Wir gaben ihnen umfangreiche Macht.

Vers 55: Also glaubten manche von ihnen daran und andere hielten davon ab. Und die Hölle schürt genug ein.

Strafe der Leugner in der Hölle

Vers 56: Diejenigen, die leugnen, werden Wir in einem Feuer brennen lassen. Jedes Mal, wenn ihre Häute gar sind, wechseln Wir ihnen die Häute durch andere aus, damit sie die Qual kosten. Und Gott ist Allmächtig und Allweise.

Belohnung der Gläubigen

Vers 57: Und diejenigen, die stets glauben und rechtschaffene Taten verrichten, werden Wir Paradiesgärten betreten lassen, unter denen die Flüsse dahinfließen; für immer und ewig werden sie darin sein! Sie haben dort reine Partner und Wir lassen sie einen schattigen Ort betreten.

Korrektheit und Gerechtigkeit

Vers 58: Gott gebietet euch wahrhaftig, dass ihr die anvertrauten Dinge ihren Besitzern zurückgebt und gerecht urteilt, wenn ihr zwischen den Menschen richtet! Wie gut ist doch das, womit Gott euch ermahnt! Gott ist gewiss allhörend und allsehend.

Gehorsam und Streitfragen

Vers 59: O Gläubige! Gehorcht Gott, gehorcht Seinem Gesandten und den Verantwortlichen unter euch! Solltet ihr euch dann in einer Sache streiten, dann beruft euch dabei auf Gott und Seinen Gesandten,21 wenn ihr an Gott und den Jüngsten Tag glaubt! Dies ist besser und führt zum schönsten Ende.

  1. 21 Oder: „dann bringt sie vor Gott und Seinen Gesandten“.

Heuchler berufen sich auf den Aberglauben

Vers 60: Hast du ˹o Muhammad˺ nicht jene bemerkt, die behaupten, bereits an das zu glauben, was dir und ihnen herabgesandt wurde? Doch wollen sie ihre Streitfälle vom Aberglauben entscheiden lassen,22 obwohl ihnen geboten wurde, ihn zu leugnen. Doch will sie der Satan weit abirren lassen.

  1. 22 Oder: „doch wollen sie ihre Streitfälle von falschen Göttern entscheiden lassen“. Gemeint ist, dass viele Menschen sich von Gottes Gesetz abwenden.

Vers 61: Und wenn man ihnen sagt: „Kommt zu dem, was Gott herabgesandt hat, und zum Gesandten!“, wirst du bemerken, wie die Heuchler andere von dir ˹o Muhammad˺ erbittert abhalten.

Vers 62: Wie wird es um sie stehen, wenn sie wegen der Taten, die ihre Hände vollbracht haben, ein Unheil trifft, worauf sie zu dir kommen und bei Gott schwören: „Wir wollten doch nur Güte und Einigkeit erreichen“?

Vers 63: Gott weiß am besten, was in ihren Herzen ist. Wende dich also von ihnen ab, ermahne sie und sag ihnen eindringliche Worte!

Gehorsam gegenüber dem Propheten ﷺ

Vers 64: Und Wir entsandten jeden Gesandten nur, damit ihm – mit Gottes Erlaubnis – gehorcht wird. Und wenn sie, als sie sich ˹selbst˺ Unrecht antaten, zu dir ˹o Muhammad˺ gekommen wären, Gott um Vergebung gebeten hätten und der Gesandte für sie um Vergebung gebeten hätte, dann hätten sie Gott sicherlich die Reue annehmend und barmherzig vorgefunden.

Vers 65: Doch nein! Bei deinem Herrn! Sie werden erst dann glauben, wenn sie dich ˹o Muhammad˺ zum Richter in den Dingen machen, über die sie sich streiten. Und ˹sie werden erst dann glauben,˺ wenn es ihnen anschließend nicht schwerfällt, ˹anzunehmen,˺ was du geurteilt hast, und sie sich vollkommen fügen.

Vers 66: Und hätten Wir ihnen vorgeschrieben, sich selbst zu töten oder ihre Heimat zu verlassen, so hätten sie es nicht getan, bis auf wenige unter ihnen. Und wenn sie nur das getan hätten, wozu sie ermahnt wurden, dann wäre es besser für sie und würde sie eher ˹im Glauben˺ festigen

Vers 67: und Wir hätten ihnen direkt von Uns gewaltigen Lohn gegeben

Vers 68: und sie auf einen geraden Weg geführt.

Lohn des Gehorsams gegenüber dem Propheten ﷺ

Vers 69: Und wer Gott und dem Gesandten gehorcht – jene sind mit denjenigen, denen Gott Seine Gnade gewährt hat: den Propheten, den Aufrichtigen, den Märtyrern und den Rechtschaffenen. Und wie gut sind jene Gefährten!

Vers 70: Jenes ist die reichliche Belohnung von Gott. Und es genügt bereits, dass Gott alles weiß.

Verteidigung der Gläubigen

Vers 71: O Gläubige! Nehmt euch in Acht und zieht Einheit für Einheit oder alle zusammen los!

Verhalten der Heuchler im Verteidigungsfall

Vers 72: Und unter euch ist so mancher, der gewaltig ˹vom Kampf˺ abhält.23 Wenn euch ˹im Kampf˺ ein Unheil trifft, sagt er: „Gott war mir gnädig, weil ich nicht bei ihnen war!“

  1. 23 Oder: „der sich ˹vor dem Kampf˺ drückt.“

Vers 73: Und wenn euch eine Gnade von Gott zukommt, sagt er wahrhaftig, als ob ihr nichts miteinander zu tun hättet: „Ach wäre ich doch bei ihnen gewesen und hätte ˹auch˺ einen großartigen Sieg errungen!“

Aufrichtigkeit beim Kampf und Schutz der Schwachen

Vers 74: Also sollen diejenigen auf Gottes Weg kämpfen, die das diesseitige Leben für das Jenseits hergeben. Und wer auf Gottes Weg kämpft und getötet wird oder siegt, dem werden Wir einen gewaltigen Lohn geben.

Vers 75: Und was ist mit euch? Ihr kämpft nicht für Gottes Sache und für die unterdrückten Männer, Frauen und Kinder, die sagen: „Unser Herr, nimm uns aus diesem Ort weg, dessen Einwohner Unterdrücker sind, und gib uns von Dir einen Beschützer und einen Helfer?”

Vers 76: Diejenigen, die stets glauben, kämpfen für die Sache Gottes. Und diejenigen, die leugnen, kämpfen für die falschen Götter. Bekämpft also die Anhänger des Satans, die List des Satans ist ja gewiss schwach!

Angst vor dem Tod

Vers 77: Hast du nicht jene bemerkt, die aufgefordert wurden: „Erhebt eure Hände nicht ˹zum Kampf˺, haltet das Gebet ein und entrichtet die Zakat“? Als ihnen jedoch der Kampf vorgeschrieben wurde, fürchteten manche die Menschen plötzlich so sehr, wie man eigentlich Gott fürchten sollte, oder gar noch mehr. Und sie sagten: „Unser Herr, warum hast Du uns nur den Kampf vorgeschrieben?! Hättest Du uns doch nur noch etwas Zeit gelassen!“ Sag ˹ihnen˺: „Der diesseitige Genuss ist gering. Und das Jenseits ist besser für den, der gottesfürchtig ist. Und euch wird nicht einmal im Maß des Fadens in einer Dattelkernrille Unrecht widerfahren.“

Göttliche Bestimmung

Vers 78: Wo auch immer ihr seid, kann euch der Tod ereilen, auch wenn ihr euch in wehrhaften Festungen verschanzt. Und wenn ihnen (den Heuchlern) Gutes zukommt, sagen sie: „Dies ist von Gott.“ Doch wenn ihnen ein Unheil widerfährt, sagen sie: „Das ist wegen dir (Muhammad).“24 Sag ˹ihnen˺: „Alles kommt von Gott.“ Was ist also nur mit jenen Leuten, dass sie kaum ein Wort begreifen?

  1. 24 Heuchler und Zweifler schieben Negatives gerne auf die Religion, den Propheten ﷺ oder religiöse Menschen. Der Vers erklärt, dass alles von Gott kommt, gleich ob der Mensch etwas als positiv oder negativ empfindet (vgl. 113:2).

Vers 79: Was dir an Gutem widerfährt, ist von Gott. Und was dir an Schlechtem widerfährt, hast du dir selbst zuzuschreiben.25 Und Wir haben dich ˹o Muhammad˺ zu den Menschen als Gesandten entsandt. Und Gott genügt als Zeuge.

  1. 25 Diese Aussage bezieht sich lediglich auf die weltliche Ursache, denn letztendlich kommt alles von Gott, Gutes wie Schlechtes. Wer Negatives erlebt, soll den Fehler bei sich suchen und nicht bei anderen oder gar Gott anklagen.

Vers 80: Wer dem Gesandten gehorcht, der gehorcht Gott. Und wer sich abwendet: Wir haben dich ˹o Muhammad˺ nicht als ihren Beschützer entsandt.

Eigenschaften der Heuchler

Vers 81: Und sie (die Heuchler) sagen: „Gehorsam ˹sind wir˺!“, doch sobald sie dich verlassen, führt eine Gruppe unter ihnen anderes im Schilde als das, was sie sagen. Doch Gott verzeichnet, was sie verheimlichen. Ignoriere sie also und verlass dich auf Gott! Und auf Gott ist genug Verlass.

Reflexion über die Einzigartigkeit des Korans

Vers 82: Denken sie denn nicht über den Koran nach? Und wäre er von einem anderen als Gott, würden sie in ihm gewiss viele Widersprüche finden.26

  1. 26 Nicht gemeint ist, dass wenige Widersprüche zulässig wären. Menschliche Werke sind naturgemäß von vielen Widersprüchen geprägt. Fehlerfreiheit beweist zwar keinen göttlichen Ursprung, ist jedoch dessen notwendige Voraussetzung; das Ausbleiben vielfacher Widersprüche im Koran gilt daher als deren Erfüllung.

Verbreiten von Gerüchten

Vers 83: Und wenn zu ihnen eine Nachricht über Sicherheit oder Gefahr gelangt, verbreiten sie es sofort. Doch wenn sie dies dem Gesandten und den Verantwortlichen unter ihnen überließen, dann würden diejenigen von ihr erfahren, die ihren wahren Kern herausfinden können. Und wäre Gott nicht gütig und barmherzig mit euch, würdet ihr bis auf wenige unter euch dem Satan folgen.

Aufforderung zum Kampf

Vers 84: So kämpfe auf dem Weg Gottes, du hast nur deine eigene Last zu tragen! Und motiviere die Gläubigen! Vielleicht wird Gott die Gewalt derjenigen, die leugnen, ˹von euch˺ abhalten. Und Gott ist weit gewaltiger und weit strenger im Strafen.

Fürsprache unter den Menschen

Vers 85: Wer zu einem guten Zweck Fürsprache einlegt, der hat einen Anteil daran. Und wer zu einem bösen Zweck Fürsprache einlegt, der hat etwas von ihrer Last zu tragen. Und Gott versorgt alles mit dem Notwendigen.

Etikette beim Grüßen

Vers 86: Und wenn ihr mit einem Gruß gegrüßt werdet, dann grüßt mit einem besseren Gruß zurück oder erwidert ihn ˹in gleicher Weise˺!27 Gott rechnet jede Sache genau an.

  1. 27 Dies bezieht sich auf den Friedensgruß im Islam, er lautet: as-Salamu alaykum „der Friede sei mit euch“. Die Antwort darauf kann einfach wa alaykum as-Salam „und mit euch sei der Friede“ lauten, oder man erwidert den Gruß mit einem Zusatz: wa alaykum as-Salam wa Rahmatullahi (wa Barakatuh) „und mit euch sei der Friede und Gottes Barmherzigkeit (und Sein Segen)“.

Gottes Einzigartigkeit und Versammlung im Jenseits

Vers 87: Gott! Es gibt nichts Anbetungswürdiges außer Ihm. Er wird euch ganz gewiss am Tag der Versammlung, an dem kein Zweifel ist, versammeln. Und wer ist ehrlicher in seinen Worten als Gott?

Merkmale der Heuchler

Vers 88: Was ist also mit euch, dass ihr wegen der Heuchler in zwei Gruppen gespalten seid, obwohl Gott sie ˹zum Unglauben˺ wegen der Taten zurückwarf, die sie begangen haben? Wollt ihr etwa denjenigen führen, den Gott abirren lässt? Und wen Gott abirren lässt, für den wirst du keinen einzigen Ausweg finden.28

  1. 28 Dies ist keine Aufforderung zum Fatalismus. Der Vers betont, dass Gott die Menschen zum Guten führt oder zulässt, dass sie vom Weg abkommen. Daher betet der Gläubige stets um Rechtleitung.

Vers 89: Sie wünschen sich, dass ihr vom Glauben abfallt, wie sie vom Glauben abgefallen sind, sodass ihr ihnen gleichkommt. Sucht also bei ihnen keine engsten Vertrauten, bis sie für Gottes Sache auswandern! Und wenn sie sich abwenden, dann ergreift und tötet sie, wo immer ihr ˹im Kampf˺ auf sie trefft, und sucht bei ihnen weder engste Vertraute noch Helfer!29

  1. 29 Dies bezieht sich auf eine spezifische historische Situation, in der Kämpfe gegen feindliche Gruppen geführt wurden, die aggressiv gegen die muslimische Gemeinschaft vorgingen. Die beiden folgenden Verse stellen jedoch klar, dass dies nicht für jene gilt, die sich vom Kampf distanzieren oder Frieden wünschen. Gott verbietet es, gegen diejenigen vorzugehen, die keinen Krieg führen oder eine Vereinbarung mit den Muslimen haben.

Vers 90: Dies gilt jedoch nicht für diejenigen, die zu einer Gemeinschaft gelangen, mit der ihr einen Vertrag habt. Ebenso nicht für jene, die zu euch kommen und denen es im Herzen widerstrebt, gegen euch oder gegen ihr eigenes Volk zu kämpfen. Und hätte Gott gewollt, hätte Er ihnen Macht über euch gewährt, worauf sie gegen euch gekämpft hätten. Wenn sie sich jedoch von euch fernhalten, nicht gegen euch kämpfen und euch den Frieden unterbreiten, dann erlaubt Gott euch nicht, gegen sie vorzugehen.

Vers 91: Ihr werdet andere Leute finden, die euch und ihr Volk in Sicherheit wiegen wollen. Jedes Mal, wenn sie eine Versuchung einholt, verfallen sie ihr. Wenn sie sich nicht von euch fernhalten, euch keinen Frieden unterbreiten und euch nicht in Ruhe lassen, dann ergreift und tötet sie, wo immer ihr ˹im Kampf˺ auf sie trefft. Gegen jene ˹vorzugehen,˺ haben Wir euch eine klare Erlaubnis erteilt.

Strafe für Mord und Totschlag

Vers 92: Und ein Gläubiger darf keinen Gläubigen töten, außer ˹es geschieht˺ versehentlich.30 Und wer einen Gläubigen aus Versehen tötet, muss einen gläubigen Sklaven befreien und ein Blutgeld an seine Familie zahlen, außer sie verzichtet darauf. Und wenn der Getötete von einem mit euch befeindeten Stamm und gläubig ist, muss ein gläubiger Sklave befreit werden. Und wenn er von einem Stamm ist, mit dem ihr einen Vertrag habt, dann ist ein Blutgeld an seine Familie zu zahlen und ein gläubiger Sklave zu befreien. Wer dies nicht kann, muss zwei Monate hintereinander fasten, um dies bei Gott zu sühnen. Und Gott ist Allwissend und Allweise.

  1. 30 Gemeint ist hier der Totschlag, also das unabsichtliche Töten einer Person.

Vers 93: Doch wer einen Gläubigen absichtlich tötet, dessen Strafe ist die Hölle – ewig soll er darin sein31 –, außerdem zürnt Gott ihm, verflucht ihn und hält für ihn eine heftige Qual bereit.

  1. 31 Mit der hier genannten ‚ewigen‘ Strafe ist nach klassischer Auslegung keine zwingend endlose Verdammnis gemeint, sondern eine eindringliche Drohung, die die Schwere der Sünde betont.

Bemühung um Frieden

Vers 94: O Gläubige! Wenn ihr für Gottes Sache hinauszieht, dann verschafft euch Gewissheit!32 Und sagt ja nicht über jemanden, der euch den Frieden unterbreitet: „Du bist kein Gläubiger“, nur weil ihr weltlichen Gewinn wollt!33 Bei Gott ist viel Gewinn zu erhoffen! So wart ihr vorher (vor dem Glauben), doch dann erwies euch Gott Seine Gnade; verschafft euch also Gewissheit! Gott ist schließlich dessen, was ihr tut, kundig.

  1. 32 Der Vers betrifft den Kriegsfall. Er betont die Beachtung der Kriegsethik nach islamischer Auffassung. Dazu zählt, dass Gewissheit über den Feind besteht und Kriegsgefangene sowie Nichtkombattanten – etwa Frauen, Kinder, Greise und Mönche – verschont werden.
  2. 33 Mit dem weltlichen Gut ist hier die Kriegsbeute gemeint. Dies bedeutet, dass niemanden getötet werden darf, der sich im entscheidenden Moment zum Islam bekennt, auch wenn angenommen wird, er wolle dadurch nur sein Leben und seinen Besitz vor der Kriegsbeute bewahren.

Vorzug des Einsatzes für den Glauben

Vers 95: Die nicht am Krieg teilnehmenden Gläubigen – bis auf die körperlich Unfähigen – kommen nicht denen gleich, die sich mit ihrem Vermögen und Leben um Gottes Sache bemühen. Gott zeichnet diejenigen, die sich mit ihrem Vermögen und Leben bemühen, um Rangstufen vor denen aus, die nicht am Krieg teilnehmen. Und allen verspricht Er das Schönste (das Paradies). Doch bevorzugt Gott die sich Bemühenden mit unermesslicher Belohnung vor denen, die nicht am Kampf teilnehmen;

Vers 96: dies sind Rangstufen von Ihm, sowie Vergebung und Barmherzigkeit. Und Gott ist vergebend und barmherzig.

Auswanderung der unterdrückten Gläubigen

Vers 97: Zu denen, die die Engel in Sünde gegen sich selbst abberufen, werden die Engel sagen: „In welcher Lage wart ihr?“ Sie werden antworten: „Wir wurden auf Erden unterdrückt.“ Sie (die Engel) werden nachfragen: „War Gottes Erde etwa nicht weit genug, damit ihr darin auswandern könnt?“ Die Zuflucht jener Leute ist die Hölle34, und sie ist ein übles Ende!

  1. 34 Gemeint sind unterdrückte Gläubige, die die Möglichkeit hatten auszuwandern, um ihren Glauben auszuüben, sich jedoch dagegen entschieden haben.

Vers 98: Dies gilt jedoch nicht für die unterdrückten Männer, Frauen und Kinder, die weder die Möglichkeit haben ˹auszuwandern˺ noch einen Fluchtweg finden;

Vers 99: jenen wird Gott wohl verzeihen. Und Gott ist verzeihend und vergebend.

Vers 100: Und wer auf Gottes Weg auswandert, der findet auf Erden viele Zufluchtsorte und Freiraum.35 Und wer sein Heim als Auswanderer zu Gott und Seinem Gesandten verlässt und wen dann der Tod ereilt, dessen Belohnung übernimmt Gott. Und Gott ist vergebend und barmherzig.

  1. 35 Der Freiraum kann wörtlich einen freien Ort meinen oder auch ein angenehmes Leben in Freiheit.

Kürzen des Gebets auf Reisen

Vers 101: Und wenn ihr auf Erden reist, lastet auf euch keine Sünde dafür, dass ihr etwas vom Gebet kürzt,36 wenn ihr euch vor denen fürchtet, die leugnen. Die Leugner sind euch ja ein offenkundiger Feind.

  1. 36 Das Gebet darf auf Reisen verkürzt werden. Die hier genannte Furcht vor einem feindlichen Angriff ist ein besonderer Anlass, aber nicht die einzige Voraussetzung für diese Erleichterung.

Gebet bei Gefahr

Vers 102: Und wenn du ˹o Muhammad˺ bei ihnen bist und sie zum Gebetsbeginn rufst,37 dann soll ein Teil von ihnen bei dir stehen, und sie sollen ihre Waffen bereithalten. Sobald sich die einen niederwerfen, sollen die anderen hinter euch stehen bleiben. Anschließend soll eine weitere Gruppe kommen, die noch nicht gebetet hat, und nun mit dir beten, sich in Acht nehmen und ihre Waffen bereithalten. Denen, die leugnen, würde es gefallen, wenn ihr eure Waffen und euer Gepäck unbewacht lassen würdet, um über euch auf einen Schlag herzufallen. Und es lastet auf euch keine Sünde dafür, dass ihr eure Waffen ablegt, wenn euch der Regen zusetzt oder ihr krank seid – aber nehmt euch in Acht! Gott hat den Leugnern bereits eine erniedrigende Qual vorbereitet.

  1. 37 Oder: „und für sie die Gebetsreihen richtest“.

Vers 103: Wenn ihr dann das Gebet beendet habt, gedenkt Gottes im Stehen, Sitzen und auf der Seite ˹liegend˺. Und wenn ihr wieder in Sicherheit seid, dann betet vollständig! Das Gebet ist für euch gewiss eine zeitlich gebundene Vorschrift.

Vers 104: Und gebt bei der Suche nach den Leuten (Feinden) nicht klein bei! Wenn ihr leiden solltet, so leiden sie genauso wie ihr, doch erhofft ihr euch von Gott, was sie sich nicht erhoffen. Und Gott ist Allwissend und Allweise.

Absolute Gerechtigkeit

Vers 105: Wir haben dir ˹o Muhammad˺ wahrhaftig das Buch herabgesandt, damit du unter den Menschen nach dem richtest, was Gott dir gezeigt hat. Und setze dich nicht für die Verräter ein!

Vers 106: Und bitte Gott um Vergebung, Gott ist ja vergebend und barmherzig!

Vers 107: Und verteidige nicht diejenigen, die sich selbst ˹durch Sünden˺ betrügen! Gott liebt gewiss nicht den üblen Verräter!

Vers 108: Sie verstecken sich vor den Menschen, doch bleiben sie Gott nicht verborgen, denn Er ist bei ihnen, wenn sie Aussagen verheimlichen, die Ihm nicht gefallen. Und Gott erfasst, was sie tun, genau.

Vers 109: Ihr ˹Gläubigen˺ seid es doch, die ihr jene ˹Betrüger˺ mit Worten im diesseitigen Leben verteidigt, doch wer wird sie im Jenseits verteidigen oder wer wird sich für sie einsetzen?

Vers 110: Und wer Schlimmes tut oder gegen sich selbst sündigt und anschließend Gott um Vergebung bittet, wird Gott vergebend und barmherzig vorfinden.

Vers 111: Und wer Schlimmes begeht, der schadet sich damit nur selbst. Und Gott ist allwissend und allweise.

Vers 112: Und wer einen Fehler oder Schlimmes begeht und damit dann einen Unschuldigen beschuldigt, der hat eine Verleumdung und gewaltiges Übel auf sich geladen.

Vers 113: Und wäre Gott nicht gütig und barmherzig mit dir, ˹o Muhammad,˺ dann würden manche von ihnen sich bemühen, dich in die Irre zu führen. Sie führen sich vielmehr nur selbst in die Irre und schaden dir keineswegs. Und Gott sandte auf dich das Buch und die Weisheit (die Sunnah) herab und lehrte dich, was du nicht wusstest. Und Gottes Güte dir gegenüber ist unermesslich.

Gute und schlechte Taten verheimlichen

Vers 114: Nichts Gutes enthalten viele ihrer heimlichen Besprechungen. Dies gilt jedoch nicht für den, der Spenden, Gutes oder die Schlichtung zwischen Menschen gebietet. Wer dies also im Bemühen um die Zufriedenheit Gottes tut, dem werden Wir einst gewaltigen Lohn geben.

Strafe für die Auflehnung gegen die Sunnah

Vers 115: Und wer sich gegen den Gesandten stellt, nachdem er klar erfuhr, was die göttliche Führung ist, und nicht den Weg der Gläubigen einschlägt, den werden Wir abwenden, wie er sich abgewandt hat, und ihn in der Hölle brennen lassen; und sie ist ein übles Ende!

Götzenverehrung und Verführung Satans

Vers 116: Gott vergibt gewiss nicht, dass man Ihm etwas zur Seite stellt, doch vergibt Er alles, was geringer als dies ist, wem Er will. Und wer Gott etwas zur Seite stellt, ist ganz gewiss weit abgeirrt!

Vers 117: Sie rufen neben Ihm nichts als weibliche Wesen an,38 und sie rufen neben Ihm nur einen heimtückischen Satan an;

  1. 38 Mit Sie sind die vorislamischen Araber gemeint, da ihre Gottheiten weibliche Namen hatten. Zudem beteten sie Engel an, die sie als „Töchter Gottes“ bezeichneten. Siehe etwa 16:57, 37:149–153 und 52:39.

Vers 118: Gott verfluche ihn! Und der Satan sagte: „Ich werde mir ganz gewiss von Deinen Dienern einen bestimmten Anteil nehmen,

Vers 119: und ich werde sie ganz gewiss in die Irre führen, sie in Hoffnungen verstricken und ihnen gebieten, sodass sie ganz gewiss die Ohren des Weideviehs stutzen39 werden, und ich werde ihnen gebieten, sodass sie ganz gewiss Gottes Schöpfung verändern werden.“ Und wer den Satan zum Nächsten nimmt statt Gott, der erleidet gewiss einen klaren Verlust.

  1. 39 Das Stutzen der Ohren von Vieh, das Götzen geweiht war, war vor dem Islam ein abergläubischer Brauch (siehe auch 5:103).

Versprechungen des Satans und Versprechen Gottes

Vers 120: Er macht ihnen Versprechungen und Hoffnungen, doch sind die Versprechen des Satans nur Täuschungen.

Vers 121: Die Zuflucht jener wird die Hölle sein, und sie werden aus ihr keinen Ausweg finden.

Vers 122: Und diejenigen, die stets glauben und rechtschaffene Taten vollbringen, werden Wir in Paradiesgärten eingehen lassen, unter denen die Flüsse dahinfließen, in denen sie auf immer und ewig sein werden. Das wahre Versprechen Gottes! Und wer ist ehrlicher in seinen Worten als Gott?

Die Religion ist keine Wunschvorstellung

Vers 123: Es geht nicht alles nach euren Wunschvorstellungen und auch nicht nach denen der Anhänger der Buchreligionen: Wer Schlimmes tut, dem wird dies vergolten, und er wird außer Gott keinen Nächsten oder Helfer finden.

Vers 124: Und wer irgendwelche rechtschaffenen Taten verrichtet, ob Mann oder Frau, und gläubig ist – jene werden das Paradies betreten und ihnen wird nicht einmal im Maß einer Dattelkernkerbe Unrecht widerfahren.

Vers 125: Und wer ist religiöser als derjenige, der sich selbst Gott in Güte hingibt und der Glaubensweise Abrahams folgt? Und Gott bestimmte Abraham zum trauten Gefährten.

Vers 126: Und Gott gehört, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Und Gott umfasst gewiss alles.

Gerechter Umgang mit Frauen

Vers 127: Und sie fragen dich nach den Frauen. Sag ˹ihnen˺: „Gott gibt euch hierzu Auskunft – ebenso zu dem, was euch im Buch über die verwaisten Frauen vorgetragen wird, denen ihr nicht gebt, was ihnen zusteht, obwohl ihr sie heiraten möchtet. Ebenso ˹gibt Er euch Auskunft˺ über die hilflosen Kinder und darüber, dass ihr gerecht mit den Waisen umgehen sollt. Und was ihr auch an Gutem tut – Gott weiß darüber genau Bescheid.”

Vers 128: Und wenn eine Frau befürchtet, dass ihr Ehemann ihr abgeneigt wird oder sich abwendet, dann lastet auf beiden keine Sünde, wenn sie untereinander eine Schlichtung vereinbaren. Und die Schlichtung ist besser, aber die Seelen neigen zur Habsucht. Doch wenn ihr gütig und gottesfürchtig seid: Gewiss ist Gott dessen, was ihr tut, kundig.

Vers 129: Und ihr werdet niemals gerecht zwischen den Ehefrauen sein, selbst wenn ihr stets darum bemüht wärt. Seid also nicht einer vollkommen zugeneigt, sodass ihr die andere in der Schwebe lasst. Wenn ihr jedoch schlichtet und gottesfürchtig seid, dann ist Gott gewiss vergebend und barmherzig.

Vers 130: Und wenn sich beide trennen sollten, dann gewährt Gott beiden in Seiner Größe Unabhängigkeit. Und Gott ist allumfassend und allweise.

Allmacht Gottes

Vers 131: Und Gott gehört, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Und Wir haben diejenigen, denen das Offenbarungsbuch vor euch gegeben wurde, und auch euch selbst dazu angeraten, Gott zu fürchten. Wenn ihr hingegen leugnen solltet, so gehört Gott, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Und Gott ist unabhängig und lobenswert.

Vers 132: Und Gott gehört, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Und auf Gott ist genug Verlass.

Vers 133: Wenn Er gewollt hätte, könnte Er euch fortschaffen – o ihr Menschen! – und andere hervorbringen. Und Gott ist dazu imstande.

Vers 134: Wer die diesseitige Belohnung will: Gott verfügt über die diesseitige und jenseitige Belohnung. Und Gott ist Allhörend und Allsehend.

Faires Urteilen und wahrhaftiges Zeugnis

Vers 135: O Gläubige! Tretet für die Gerechtigkeit ein und seid Zeugen für Gott, auch ˹wenn es˺ gegen euch selbst, die Eltern oder Verwandten ˹ist˺. Ob der Zeuge arm oder reich ist, Gott kommt für ihn auf. Folgt daher nicht der Gier, sodass ihr nicht mehr gerecht seid! Und wenn ihr ˹die Wahrheit˺ entstellen oder euch ˹davon˺ abwenden solltet, so ist Gott dessen, was ihr tut, kundig.

Vers 136: O Gläubige! Glaubt an Gott, Seinen Gesandten, das Buch, das Er Seinem Gesandten herabsandte, und die Bücher, die er zuvor herabsandte. Und wer nicht an Gott, Seine Engel, Seine Bücher, Seine Gesandten und den Jüngsten Tag glaubt, der ist ganz gewiss weit abgeirrt.

Eigenschaften der Heuchler

Vers 137: Denjenigen, die glauben, dann leugnen, später erneut glauben, dann wieder leugnen und daraufhin noch mehr vom Glauben abkommen, wird Gott niemals vergeben, und ˹Er wird˺ sie auf keinen ˹rechten˺ Weg führen.

Vers 138: Verkünde den Heuchlern, dass ihnen eine schmerzvolle Qual droht!

Vers 139: Sie sind diejenigen, die die Glaubensleugner zu ihren Nächsten machen statt die Gläubigen. Erhoffen sie sich etwa von ihnen Macht? Die Macht steht gewiss allein Gott zu.

Vers 140: Und Er hat euch im Buch offenbart: Wenn ihr hört, dass Gottes Verse geleugnet und verspottet werden, dann dürft ihr nicht bei ihnen sitzen, bis sie über etwas anderes sprechen. Ihr seid sonst wie sie! Gott wird gewiss die Heuchler und Glaubensleugner allesamt in der Hölle versammeln.

Vers 141: Die Heuchler sind jene, die euch genau beobachten: Sobald ihr einen Sieg von Gott erhaltet, sagen sie: „Waren wir nicht bei euch?“ Wenn jedoch den Glaubensleugnern etwas Gutes widerfährt, sagen sie: „Haben wir euch (Glaubensgegnern) denn nicht beim Sieg geholfen und die Gläubigen von euch abgehalten?“ Gott wird letztendlich zwischen euch am Tag der Auferstehung urteilen. Und Gott wird den Leugnern niemals ermöglichen, die Gläubigen auszulöschen.

Vers 142: Die Heuchler wollen Gott täuschen, doch täuscht Er sie. Und wenn sie zum Gebet aufstehen, stehen sie faul auf, sie täuschen den Menschen etwas vor und gedenken Gottes nur selten,

Vers 143: sie stehen unbeständig dazwischen: Weder ˹gehören sie˺ zu diesen ˹Gläubigen˺ noch zu jenen ˹Leugnern˺. Und wen Gott abirren lässt, für den findest du niemals einen Weg.

Vers 144: O Gläubige! Macht euch nicht die Leugner zu Nächsten statt der Gläubigen! Wollt ihr etwa Gott einen eindeutigen Beweis gegen euch selbst liefern?

Vers 145: Die Heuchler werden wahrhaftig im niedrigsten Grund der Hölle sein, und du wirst für sie keinen Helfer finden.

Gott vergibt den Reuevollen

Vers 146: Dies gilt jedoch nicht für jene, die reuevoll umkehren, sich an Gott klammern und ihren religiösen Eifer für Gott rein halten; denn jene gehören zu den Gläubigen. Und Gott wird den Gläubigen einst eine unermessliche Belohnung geben.

Vers 147: Was hätte auch Gott davon, euch zu bestrafen, wenn ihr dankbar seid und glaubt? Gott nimmt schließlich den Dank an und ist allwissend.

Öffentliche und geheime Taten

Vers 148: Gott liebt das öffentliche Gerede über Übles nicht, außer es wird jemandem Unrecht angetan.40 Und Gott ist der Allhörende und Allwissende.

  1. 40 Gott liebt es nicht, wenn hinter dem Rücken anderer schlecht gesprochen wird. Doch wer Unrecht erlitten hat, darf dieses öffentlich machen und einklagen – besonders wenn dadurch Rat gesucht oder andere vor Schaden bewahrt werden sollen.

Vers 149: Wenn ihr Gutes offen zeigt oder es verheimlicht oder Schlimmes verzeiht, so ist Gott gewiss der Verzeihende und Allmächtige.

Der Glaube an alle Propheten

Vers 150: Diejenigen, die Gott und Seine Gesandten leugnen, die ˹im Glauben˺ zwischen Gott und Seinen Gesandten unterscheiden wollen und die sagen: „Wir glauben an einige ˹Propheten˺ und leugnen andere”, und hierbei einen Kompromiss eingehen wollen

Vers 151: – jene sind wahrhaftig die Leugner. Und Wir haben den Leugnern schon eine schmachvolle Qual vorbereitet.

Vers 152: Und denjenigen, die an Gott und Seine Gesandten glauben und hierbei nicht unterscheiden, wird Er einst ihre Belohnung geben. Und Gott ist vergebend und barmherzig.

Forderung nach Wundern

Vers 153: Die Anhänger der Buchreligionen bitten dich ˹o Muhammad˺, ihnen ein Buch vom Himmel herabzuschicken. Sie haben doch schon Moses um etwas viel Gewaltigeres gebeten, als sie sagten: „Zeig uns Gott direkt!“, worauf sie wegen ihres Unrechts der Schlag traf. Dann nahmen sie das Kalb ˹als Gott˺, nachdem die klaren Beweise zu ihnen gelangt sind, doch Wir verziehen dies. Und Wir gaben Moses einen deutlichen Beweis.

Bestrafung der Israeliten

Vers 154: Und Wir erhoben über ihnen den Berg wegen ihres ˹gebrochenen˺ Bundes,41 Wir sagten ihnen: „Durchschreitet das Tor, wobei ihr euch ˹in Demut˺ niederwerfen sollt“42 und Wir sagten ihnen: „Missachtet den Sabbat nicht!“43 und schlossen mit ihnen einen gewaltigen Bund.

  1. 41 Siehe 2:63 und 7:173: Gott hob einen Berg über den Israeliten an, und drohte, ihn auf sie stürzen zu lassen, weil sie den Bund mit Gott missachteten.
  2. 42 Das Ereignis ist in 2:58 erwähnt.
  3. 43 Dies verweist auf eine israelitische Gemeinde, die den Sabbat missachtete, siehe etwa 7:163 ff.

Vers 155: Und ˹dies geschah˺ wegen ihres Vertragsbruchs, ihrer Leugnung der Zeichen Gottes, ihres unrechtmäßigen Tötens der Propheten und ihrer Behauptung: „Unsere Herzen sind verschlossen.“44 Vielmehr prägte Gott sie wegen ihres Unglaubens, und so glauben sie nur wenig.

  1. 44 Mit den Worten ‚Unsere Herzen sind verschlossen‘ meinten die Israeliten, dass ihre Hartherzigkeit von Gott gewollt sei, und rechtfertigten so ihre Untreue gegenüber seinen Geboten.

Jesus wurde nicht gekreuzigt

Vers 156: Und wegen ihres Unglaubens und ihrer schlimmen Verleumdung Marias,

Vers 157: und wegen ihrer ˹spöttischen˺ Aussage: „Wir haben gewiss den Messias Jesus, den Sohn der Maria, den Gesandten Gottes, getötet!“ Vielmehr haben sie ihn weder getötet noch gekreuzigt, sondern es erschien ihnen so.45 Und diejenigen, die sich über ihn stritten, sind gewiss im Zweifel über ihn. Sie haben hierüber kein Wissen, sondern halten sich an Vermutungen. Und sie haben ihn gewiss nicht getötet,

  1. 45 Prophet Jesus wurde vor der Kreuzigung bewahrt und in den Himmel emporgehoben. Die Kreuzigung Jesu gilt dabei als Schein – entweder, weil an seiner Stelle eine andere Person gekreuzigt wurde, oder weil sich der Irrtum erst später durch die Texttradition verbreitete.

Vers 158: vielmehr hob Gott ihn zu Sich empor. Und Gott ist allmächtig und allweise.

Vers 159: Und jeder Anhänger der Buchreligionen wird gewiss an ihn vor seinem46 Tod glauben, und am Tag der Auferstehung wird er (Jesus) gegen sie aussagen.

  1. 46 „vor seinem Tod“ bezieht sich auf den natürlichen Tod Jesu bei seiner zweiten Ankunft am Ende der Zeit, an die sowohl Muslime als auch Christen glauben. Nach islamischem Verständnis wird Jesus dann die Wahrheit über sich selbst klarstellen und die Muslime führen.

Strafe der Israeliten für Gebotsbruch

Vers 160: Wegen eines Unrechts der Juden verboten Wir ihnen gute Dinge, die ihnen einst erlaubt waren, und weil sie häufig von Gottes Weg abhalten.

Vers 161: Sie nehmen Zinsen ein, obwohl ihnen dies verboten wurde, und sie verleiben sich unrechtmäßig das Vermögen der Leute ein. Und den Leugnern unter ihnen haben Wir bereits eine schmerzhafte Strafe vorbereitet.

Gläubige Juden und Christen

Vers 162: Doch die ˹Juden und Christen˺ mit tiefem Wissen unter ihnen und die Gläubigen glauben an das, was zu dir ˹o Muhammad˺ und was vor dir herabgesandt wurde – und besonders die das Gebet Einhaltenden – und die die Zakat Entrichtenden und an Gott und den Jüngsten Tag Glaubenden. Jenen werden Wir reichliche Belohnung geben.

Einheitliche Botschaft aller Propheten

Vers 163: Wir haben dir ˹o Muhammad˺ gewiss Offenbarungen eingegeben, wie Wir Noah und den Propheten nach ihm Offenbarungen eingaben. Und Wir offenbarten ˹auch an˺ Abraham, Ismael, Isaak, Jakob, den Stämmen, Jesus, Hiob, Jonas, Aaron und Salomon. Und Wir gaben David die Psalmen.47

  1. 47 Die Psalmen oder auch Psalter sind das Offenbarungsbuch, das der Prophet David erhielt.

Vers 164: Und ˹Wir offenbarten auch an˺ Gesandte, von denen Wir dir bereits vorher berichtet haben, und Gesandte, von denen Wir dir nicht berichtet haben, und Gott sprach wahrhaftig mit Moses;

Vers 165: ˹Wir offenbarten an˺ verkündende und warnende Gesandte, damit die Menschen nach den Gesandten vor Gott keine Ausrede haben. Und Gott ist Allmächtig und Allweise.

Vers 166: Doch Gott bezeugt ˹dein Prophetentum˺ mit dem, was Er zu dir ˹o Muhammad˺ herabsandte, und die Engel bezeugen es. Und Gott genügt als Zeuge.

Strafe für Gottesleugnung

Vers 167: Diejenigen, die leugnen und vom Weg Gottes abhalten, sind gewiss weit abgeirrt.

Vers 168: Denen, die leugnen und unrecht handeln – es ist nicht in Gottes Sinn, ihnen zu vergeben und sie auf einen ˹rechten˺ Weg zu führen,

Vers 169: bis auf den Weg der Hölle, in der sie auf immer und ewig sein werden. Und dies fällt Gott leicht.

Einladung aller Menschen zum Glauben

Vers 170: O Menschen! Euch hat bereits der Gesandte die Wahrheit von eurem Herrn überbracht, glaubt also, dies ist besser für euch! Und wenn ihr leugnet, so gehört doch Gott alles, was in den Himmeln und auf Erden ist. Und Gott ist ja Allwissend und Allweise.

Ablehnung der Trinität

Vers 171: O Anhänger der Buchreligionen! Treibt es in eurer Religion nicht zu weit und sagt über Gott nur die Wahrheit! Der Messias Jesus, Sohn der Maria, ist nichts weiter als ein Gesandter Gottes und Sein Wort,48 das Er Maria eingab, und eine Seele von Ihm.49 So glaubt an Gott und Seine Gesandten und sagt nicht: „Trinität“! Hört auf – das ist besser für euch! Gott ist allein ein einziger Gott, erhaben ist Er darüber, ein Kind zu haben. Ihm gehört, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Und auf Gott ist genug Verlass.

  1. 48 Jesus ist Gottes Wort in dem Sinne, dass Gott das Wort „Sei!“ sprach, worauf Jesus ohne Vater erschaffen wurde (vgl. 3:59). Das Wort Gottes ist hier nicht im Sinne der christlichen Lehre vom fleischgewordenen Wort (Logos) zu verstehen, sondern als göttlicher Schöpfungsbefehl.
  2. 49 „eine Seele von Ihm“, also von Gott, bedeutet, dass Jesus eine der vielen menschlichen Seelen ist, die Gott erschaffen hat.

Vers 172: Der Messias wäre niemals zu stolz, ein Diener Gottes zu sein, und auch nicht die ˹Gott˺ nächsten Engel. Doch wer zu stolz ist, Ihn anzubeten, und hochmütig ist, so wird Er sie alle einst bei Sich versammeln.

Alleinige Anbetung Gottes

Vers 173: Denjenigen also, die stets glauben und Rechtschaffenes tun, wird Er reichlich Lohn zukommen lassen und in Seiner Güte mehr geben. Diejenigen aber, die zu stolz und hochmütig sind, wird Er mit einer schmerzvollen Qual bestrafen, und sie werden neben Gott keinen Nächsten und keinen Helfer finden.

Vers 174: O Menschen! Euch hat bereits ein Beweis von eurem Herrn erreicht und Wir haben zu euch dieses klärende Licht herabgesandt.

Vers 175: Diejenigen also, die stets glauben und sich an Gott klammern, wird Er in Seine Barmherzigkeit und Güte aufnehmen und zu Ihm führen, auf einen geraden Weg.

Erbe über die Seitenlinien

Vers 176: Sie bitten dich ˹o Muhammad˺ um Auskunft. Sag ˹ihnen˺: „Gott erteilt euch eine Auskunft zum Erbe über die Seitenlinien:50 Wenn ein Mensch stirbt, der keine Kinder hat, jedoch eine Schwester, dann erhält sie die Hälfte dessen, was er hinterlassen hat. Und auch er (der Bruder) erbt von ihr (der Schwester), wenn sie keine Kinder hat. Und wenn sie zwei ˹Schwestern˺ sind, erhalten sie zwei Drittel dessen, was er hinterlassen hat. Und wenn es Geschwister sind, also Männer und Frauen, dann erhält der männliche Erbe den Anteil von zwei weiblichen Erben.“51 Gott belehrt euch, damit ihr nicht ˹von der Wahrheit˺ abkommt. Und Gott weiß um alle Dinge.

  1. 50 Das Erbe über die Seitenlinien bedeutet, dass ein Verstorbener keine lebenden Nachkommen und Vorfahren hat (siehe 4:12).
  2. 51 Das Erbrecht der Frauen wurde bereits in der Fußnote zu 4:10 kommentiert.

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