Al-Furqan

Al-Furqan

Die Unterscheidung ˹zwischen Richtig und Falsch˺

Offenbarung des Korans

Vers 1: Gesegnet ist derjenige, der den Einblick zur Unterscheidung (den Koran) herabsandte, damit er den Weltenbewohnern ein Warner sei.

Vers 2: Er ist derjenige, dem die Herrschaft der Himmel und Erde gehört, der sich kein Kind nahm, keinen Teilhaber an der Herrschaft hat und alles erschuf und dann genau nach Maß einteilte.

Vers 3: Doch sie nahmen sich neben Ihm Gottheiten, die nichts erschaffen und selbst erschaffen werden. Und sie können sich selbst weder Schaden noch Nutzen bringen, und sie verfügen weder über Tod noch Leben noch Auferstehung.

Einwände der Leugner gegenüber dem Koran

Vers 4: Und diejenigen, die leugnen, sagen: „Dies ist doch nur eine dreiste Lüge, die er (Muhammad) erdichtet hat und bei der ihm andere Leute geholfen haben.“ Sie haben gewiss Unrecht und Betrug begangen!

Vers 5: Und sie sagen: „˹Der Koran ist voller˺ Märchen der Vorfahren, die er sich aufschreiben ließ, dann werden sie ihm morgens und abends diktiert.“

Vers 6: Sag ˹ihnen˺: „Sie hat derjenige herabgesandt, der das Verborgene in den Himmeln und auf Erden kennt. Er ist ja vergebend und barmherzig.“

Kritik der Leugner am Propheten ﷺ

Vers 7: Und sie sagen: „Was ist mit diesem Gesandten, der Essen isst und auf den Markt geht? Wenn ihm doch ein Engel herabgesandt worden wäre, damit er mit ihm zusammen ein Warner sei!

Vers 8: Oder ihm ein Schatz zugeworfen würde oder er einen Garten hätte, von dem er isst!“1 Und die Übeltäter sagen: „Ihr folgt doch nur einem verhexten Mann!“

  1. 1 Sie meinten damit: Muhammad ﷺ besitzt keinen Reichtum und behauptet trotzdem, der Gesandte Gottes zu sein. Hätte Gott ihn wirklich gesandt, dann hätte Er ihn doch außerordentlich versorgt.

Vers 9: Sieh, wie sie dich vergleichen und so abgeirrt sind! Und so finden sie keinen Weg.

Vers 10: Gesegnet ist der, der dir – wenn Er will – weit Besseres als dies gibt: Paradiesgärten, unter denen die Flüsse dahinfließen, und Er erschafft dir Paläste!

Leugner glauben nicht an das Jenseits

Vers 11: Vielmehr leugnen sie die ˹letzte˺ Stunde. Und Wir haben denen, die die Stunde leugnen, ein loderndes Höllenfeuer bestimmt.

Vers 12: Wenn es sie (die Leugner) von weitem sieht, hören sie seinen Zorn und sein Stöhnen.

Vers 13: Und wenn sie zusammengekettet in einen engen Platz darin geworfen werden, rufen sie dort: „Wehe uns!“

Vers 14: Ruft heute nicht nur einmal: „Wehe uns!“, sondern ruft häufig: „Wehe uns!“

Vers 15: Sag: „Ist dies etwa besser als das Paradies der Ewigkeit, das den Gottesfürchtigen versprochen wurde? Es ist ihre Belohnung und ihr ˹schönes˺ Ende.

Vers 16: Sie haben darin, was sie begehren, auf ewig! Dies ist ein bei deinem Herrn zu erbittendes Versprechen.”

Götzenverehrer und ihre Götter im Jenseits

Vers 17: Und ˹denke an˺ den Tag, an dem Er sie und das, was sie neben Gott anbeten, versammelt und Er sagen wird: „Habt ihr etwa jene Meiner Diener in die Irre geführt oder sind sie ˹selbst˺ vom Weg abgeirrt?“

Vers 18: Sie werden antworten: „Erhaben ˹über jeden Makel˺ bist Du. Es stand uns nicht zu, neben Dir einen Nächsten zu erwählen. Vielmehr hast Du sie und ihre Vorväter genießen lassen, bis sie vergaßen, ˹Gottes˺ zu gedenken, und sie waren ein verdammtes Volk.“

Vers 19: Sie werden euch in dem, was ihr sagt, der Lüge überführen, sodass ihr weder Ausweg noch Beistand haben werdet! Und wer von euch Unrecht tut, den werden Wir eine große Strafe kosten lassen.

Propheten waren Menschen

Vers 20: Und alle Gesandten, die Wir vor dir entsandt haben, essen ˹normales˺ Essen und gehen auf den Markt. Und Wir machten euch einander zur Versuchung: Ob ihr wohl standhaft bleibt? Und dein Herr durchschaut stets alles.

Glaubensleugner bitten um Wunder

Vers 21: Und diejenigen, die das Treffen mit Uns ˹im Jenseits˺ nicht erhoffen, sagen: „Würden doch Engel zu uns herabkommen oder könnten wir doch unseren Herrn sehen!“ Sie erachten sich selbst als wichtig und widersetzen sich maßlos eigensinnig.

Vers 22: Am Tag, an dem sie die Engel erblicken, erwartet die Übeltäter keine frohe Botschaft. Und sie werden sagen: „Verboten und abgehalten!“2

  1. 2 Der Mensch sieht die Engel beim Tod und im Jenseits. Der Vers wird auf zwei Weisen verstanden: Entweder sagen die Engel zu den Leugnern: ‚Verboten ist euch das Paradies!‘ Oder die Leugner rufen selbst: ‚Bewahre uns und halte die Strafe von uns fern!‘

Vers 23: Und Wir wenden uns ihren Taten zu und machen sie zu verwehten Flusen.3

  1. 3 Gemeint ist, dass Gott die guten Taten der Glaubensgegner nicht anerkennt, weil sie diese nicht um Gottes willen getan haben.

Vers 24: Die Paradiesbewohner haben an jenem Tag den besseren Aufenthaltsort und den schöneren Ruheort.

Schrecken am Tag der Auferstehung

Vers 25: Und am Tag, an dem sich der Himmel mit den Wolken spaltet und die Engel in Gruppen herabgesandt werden,

Vers 26: ist die wahre Herrschaft beim Allerbarmer. Und es ist ein für die Leugner schwerer Tag.

Vers 27: Und am Tag, an dem der Übeltäter ˹voller Reue˺ in seine Hände beißt und sagt: „Ach hätte ich doch den Weg mit dem Gesandten eingeschlagen!

Vers 28: O wehe mir! Hätte ich doch nicht jenen zum engsten Freund genommen!

Vers 29: Er hat mich von der Ermahnung abgebracht, nachdem sie zu mir gelangt ist!“ Und der Satan lässt den Menschen im Stich.

Haltung der Leugner gegenüber dem Koran

Vers 30: Und der Gesandte ˹Muhammad˺ sagt: „O Herr! Mein Volk hat diesen Koran in den Wind geschlagen!“

Vers 31: Und so bestimmten Wir für jeden Propheten Feinde unter den Übeltätern. Und dein Herr genügt bereits als Führer und Beistand.

Vers 32: Und diejenigen, die leugnen, sagen: „Wäre ihm doch der Koran auf einmal offenbart worden!“ So ist es jedoch ˹allmählich offenbart˺, damit Wir dadurch dein Herz festigen. Und Wir haben ihn in Teilen verteilt.4

  1. 4 Der Koran wurde dem Propheten ﷺ nicht auf einmal offenbart, sondern über 23 Jahre hinweg.

Vers 33: Und für jeden Vorwand, den sie dir liefern, geben Wir dir die Wahrheit und eine bessere Erklärung.

Vers 34: Diejenigen, die auf ihren Gesichtern ˹geschleift˺ zur Hölle hin versammelt werden, sind in einer ˹noch˺ schlimmeren Lage und weiter vom Weg abgekommen.

Strafe derer, die die Propheten leugneten

Vers 35: Und Wir gaben bereits Moses das Buch (die Urthora) und stellten ihm seinen Bruder Aaron als Unterstützer zur Seite.

Vers 36: Und so sagten Wir: „Geht beide zum Volk ˹Pharaos˺, das Meine Zeichen geleugnet hat!“, worauf Wir sie vernichtend schlugen.

Vers 37: Und auch das Volk Noahs: Als es die Gesandten der Lüge bezichtigte, ließen Wir es ertrinken und machten es für die Menschen zum ˹warnenden˺ Zeichen. Und den Übeltätern haben Wir bereits eine schmerzhafte Strafe vorbereitet,

Vers 38: und auch ˹den Völkern˺ Ad und Thamud, den Leuten des Brunnens5 und vielen Generationen dazwischen.

  1. 5 Über das hier gemeinte Volk werden unterschiedliche Überlieferungen berichtet: Nach einer Deutung warfen sie ihren Propheten in einen Brunnen, nach einer anderen ließ Gott sie ertrinken, als sie sich um einen Brunnen versammelt hatten, der plötzlich überlief.

Vers 39: Und für jeden haben Wir Gleichnisse geprägt. Und alle haben Wir vollkommen zunichtegemacht.

Vers 40: Und sie haben ja den Ort aufgesucht, den der üble Regen traf.6 Haben sie ihn denn nicht gesehen? Vielmehr hofften sie nicht auf die Auferstehung.

  1. 6 Gemeint ist das Tote Meer, wo das Volk Lots lebte, das ein Steinregen vernichtete. Die Mekkaner kamen bei ihren Handelsreisen (siehe 106:2) gen Norden auch am Toten Meer vorbei.

Leugner verspotten Muhammad ﷺ

Vers 41: Und wenn sie dich ˹o Muhammad˺ sehen, nehmen sie dich nur zum Anlass für Spott: „Ist das etwa der, den Gott als Gesandten schickte?

Vers 42: Er hätte uns ja beinahe von unserer Gottheit abgebracht, wenn wir nicht standhaft an ihr festgehalten hätten.“ Sie werden noch wissen, wenn sie die Strafe sehen, wer am meisten vom Weg abgekommen ist.

Vers 43: Was meinst du über den, der seine Neigungen7 zu seinem Gott gemacht hat? Wirst du etwa sein Verwalter sein?

  1. 7 Gemeint ist jemand, der so triebhaft lebt, dass seine Gelüste für ihn wie ein Gott sind.

Vers 44: Oder meinst du, dass die meisten von ihnen hören oder begreifen? Sie sind lediglich wie Vieh,8 vielmehr sind sie weiter vom Weg abgeirrt.

  1. 8 Siehe Fußnote zu 7:179

Fünf Beweise für die Existenz Gottes

Vers 45: Hast du nicht zu deinem Herrn geschaut, wie Er den Schatten ausdehnt? Und wollte Er es, hätte Er ihn ruhen lassen. Sodann machten Wir die Sonne zu einem Hinweis auf ihn.9

  1. 9 Dies kann bedeuten, dass der Schatten ohne Sonne nicht existieren kann, oder dass die Menschen nach der Sonne schauen, um zu wissen, wo sie Schatten finden.

Vers 46: Sodann nahmen Wir ihn allmählich zu Uns.10

  1. 10 Dies bedeutet, dass der Schatten allmählich schwindet, nachdem er sich ausgedehnt hat. Der langsame Wechsel von Licht und Schatten ist wichtig für Lebewesen, er entsteht durch die Drehung der Erde und ihre Neigung. All dies ist ein Beweis für die Existenz des Schöpfers, weil das System zu komplex und detailliert ist, um ohne Absicht zu entstehen.

Vers 47: Und Er ist es, der für euch die Nacht zum Gewand und den Schlaf zur Ruhe machte. Und Er bestimmte den Tag zur Ausbreitung.

Vers 48: Und Er ist es, der die Winde als Verkünder kurz vor Seiner Barmherzigkeit entsandte. Und Wir sandten vom Himmel reinigendes Wasser herab,

Vers 49: um damit einen toten Ort zu beleben und damit manch Vieh und Mensch zu tränken, die Wir erschufen.

Vers 50: Und Wir haben es in ihm (dem Koran) vielfältig dargestellt, damit sie sich erinnern,11 doch wollen die meisten Menschen nichts als das Leugnen.

  1. 11 Alternativ: „ermahnen lassen“.

Vers 51: Und hätten Wir es gewollt, so hätten Wir in jedem Ort einen Warner entsandt.

Vers 52: Also gehorche den Glaubensgegnern nicht und bekämpfe sie mit ihm (dem Koran) unter großer Mühe!

Vers 53: Und Er ist es, der die beiden Gewässer strömen lässt: Dieses ist süß und durstlöschend und jenes ist salzig und ungenießbar. Und zwischen beiden erschuf Er eine Scheidewand und eine hindernde Trennwand.

Vers 54: Und Er ist es, der aus dem Wasser den Menschen erschuf und für ihn Nachkommen und angeheiratete Verwandte bestimmte. Und dein Herr ist ja allmächtig.

Ignoranz der Götzenanbeter

Vers 55: Und sie beten neben Gott etwas an, was ihnen weder nützt noch schadet. Und der Leugner ist ein Unterstützer gegen seinen Herrn.

Vers 56: Und Wir haben dich ˹o Muhammad˺ nur als Verkünder und Warner entsandt.

Vers 57: Sag ˹ihnen˺: „Ich erbitte bei euch dafür keinen Lohn, sondern nur, dass der, der will, zu seinem Herrn einen Weg einschlägt.“

Vers 58: Und vertraue auf den Lebendigen, der nicht stirbt, und lobpreise mit Seinem Lob! Und es genügt, dass Er über die Sünden Seiner Diener wohl Bescheid weiß.

Vers 59: Der die Himmel und die Erde und alles, was zwischen beiden ist, in sechs Tagen erschuf, sodann erhob Er sich über den Thron. ˹Er ist˺ der Allerbarmer. Frag nach Ihm einen Kundigen!12

  1. 12 Alternative Deutung: „Frag Ihn, den Kundigen!“

Vers 60: Und wenn ihnen gesagt wird: „Werft euch für den Allerbarmer nieder!“, fragen sie: „Was ist denn der Allerbarmer? Sollen wir uns etwa vor dem niederwerfen, was du uns gebietest?“ Und so mehrt dies nur ihre Abneigung.

Vers 61: Gesegnet ist derjenige, der im Himmel Sternbilder erschuf und in ihm eine Leuchte und einen beleuchteten Mond erschuf.

Vers 62: Und Er ist es, der die Nacht und den Tag so erschuf, dass sie aufeinanderfolgen, für den, der sich ermahnen lassen mag oder Dankbarkeit zeigen will.

Eigenschaften der Diener Gottes

Vers 63: Und die Diener des Allerbarmers sind jene, die sich sanftmütig auf Erden bewegen, und wenn sie Rüpel ansprechen, sagen sie: „Friede!“,13

  1. 13 Der Vers gebietet, dass der Gläubige gegenüber unwissenden und rüpelhaften Menschen nachsichtig sein soll, indem er ihnen friedliche, aber bestimmte Worte sagt, um ihren Schaden abzuwenden.

Vers 64: die die Nacht für ihren Herrn ˹betend˺ in der Niederwerfung und im Stehen verbringen.

Vers 65: ˹Die Diener des Allerbarmers sind˺ diejenigen, die sagen: „Unser Herr, wende von uns die Höllenstrafe ab!“ Ihre Strafe ist gewiss eine unablässige Strafe.

Vers 66: Sie ist ein wahrhaftig schlimmer Aufenthaltsort und Stand.

Vers 67: Und diejenigen, die, wenn sie spenden, weder verschwenderisch sind noch geizen, vielmehr hält es sich dazwischen.

Vers 68: Und diejenigen, die neben Gott keinen anderen Gott anrufen, keine Seele töten, die Gott für unantastbar erklärt – es sei denn rechtmäßig14 – und keine Unzucht begehen. Und wer dies ˹doch˺ tut, dem werden Strafen widerfahren.

  1. 14 Mit „rechtmäßig“ ist etwa die Tötung bei Notwehr oder die Todesstrafe im islamischen Recht gemeint.

Vers 69: Ihm wird die Strafe am Tag der Auferstehung vervielfacht und er wird schmachvoll und ewig darin verharren,

Vers 70: außer wer reuevoll umkehrt, glaubt und rechtschaffene Taten verrichtet – jenen wird Gott ihre schlechten Taten durch gute ersetzen. Und Gott ist ja vergebend und barmherzig.

Vers 71: Und wer reuevoll umkehrt und rechtschaffene Taten verrichtet, der wendet sich innig Gott zu.

Vers 72: Und ˹sie sind˺ diejenigen, die kein falsches Zeugnis ablegen, und wenn sie an Geschwätz vorbeigehen, gehen sie würdevoll vorüber.

Vers 73: Und ˹sie sind˺ diejenigen, die, wenn sie an die Zeichen (Verse) ihres Herrn erinnert werden, nicht taub und stumm ihretwegen zu Boden stürzen

Vers 74: und die sagen: „Unser Herr, lass uns an unseren Ehefrauen und Kindern unsere Augen erfreuen und mache uns zu Vorbildern für die Gottesfürchtigen!“

Vers 75: Jenen wird mit den erhabenen Wohnstätten ˹des Paradieses˺ vergolten, was sie standhaft ertrugen, und sie werden darin mit Gruß und Heil empfangen.

Vers 76: Ewig sind sie in ihm, was für ein schöner Ruheort und Stand!

Vers 77: Sag: „Gott würde euch nicht beachten, wäre da nicht euer Bitten! Denn ihr habt bereits ˹Gott˺ verleugnet, und das wird ˹auf ewig˺ Folgen haben.“

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