Yusuf

Yusuf

Josef

Klarheit des Koran und seine Geschichten

Vers 1: Alif, Lam, Ra!1 Jene sind die Verse des deutlichen Buches.

  1. 1 Arabische Buchstaben, siehe den Kommentar zu 2:1.

Vers 2: Wir haben ihn wahrhaftig als arabischen Koran herabgesandt, damit ihr wohl versteht!

Vers 3: Wir erzählen dir die beste der Geschichten, indem Wir dir diesen Koran offenbart haben, auch wenn du ˹o Muhammad˺ zuvor zu den Unwissenden gehört hast.

Josefs Traum als Kind

Vers 4: ˹Denke daran:˺ Als Josef zu seinem Vater ˹Jakob˺ sagte: „O mein Vater! Ich habe ganz sicher elf Planeten, die Sonne und den Mond ˹im Traum˺ gesehen. Ich habe gesehen, wie sie sich meinetwegen niederwarfen!“

Vers 5: Er (Jakob) sagte: „O mein Sohn! Erzähle deinen Traum ja nicht deinen Brüdern, sie könnten sonst ˹aus Neid˺ eine ˹boshafte˺ List gegen dich aushecken! Der Satan ist schließlich dem Menschen ein offensichtlicher Feind.

Vers 6: Und so wählt dich dein Herr aus, lehrt dich manches über die Traumdeutung und vervollkommnet Seine Gnade gegenüber dir und der Sippe Jakobs. So, wie Er sie schon zuvor gegenüber deinen Vorvätern Abraham und Isaak vervollkommnete. Er ist gewiss allwissend und allweise.“

Josefs Brüder verschwören sich gegen ihn

Vers 7: In der Geschichte Josefs und seiner Brüder waren gewiss Zeichen für die Fragenden.

Vers 8: ˹Denke daran:˺ Als sie sagten: „Josef und sein Bruder ˹Benjamin˺ sind unserem Vater lieber als wir, obwohl wir eng verbunden sind. Unser Vater ist klar in eindeutigem Irrtum.

Vers 9: Tötet daher Josef oder setzt ihn an einem Ort aus, damit euer Vater nur Augen für euch hat. Dann könnt ihr immer noch rechtschaffene Leute werden!“

Vers 10: Einer ihrer Sprecher2 sagte: „Tötet Josef nicht, sondern werft ihn auf den Grund eines Brunnens, soll ihn doch eine Karawane finden, wenn ihr etwas ˹gegen ihn˺ tun wollt!“

  1. 2 Dieser war Juda oder Ruben.

Josefs Brüder werfen ihn in den Brunnen

Vers 11: Sie sagten ˹daraufhin˺: „O unser Vater! Was hast du denn, dass du uns Josef nicht anvertraust, obwohl wir aufrichtig zu ihm halten?

Vers 12: Schick ihn doch morgen mit uns mit, damit er gedeiht und spielt! Wir werden ganz sicher auf ihn aufpassen!“

Vers 13: Er antwortete: „Ich mache mir Sorgen, wenn ihr ihn mitnehmt. Und ich fürchte, der Wolf könnte ihn fressen, wenn ihr gerade nicht auf ihn aufpasst.“

Vers 14: Sie erwiderten: „Wenn ihn der Wolf fressen würde, wo wir ja eng verbunden sind, dann wäre das gewiss ein großer Verlust für uns!“

Vers 15: Doch als sie mit ihm fortgingen und sich schon geeinigt hatten, ihn in den Brunnengrund zu werfen, offenbarten Wir ihm (Josef): „Du wirst ihnen ganz gewiss einst diese Sache erzählen, wenn sie es nicht merken.“

Vers 16: Anschließend gingen sie abends weinend zu ihrem Vater.

Vers 17: Sie sagten: „O unser Vater! Wir sind um die Wette laufen gegangen und haben Josef bei unserem Gepäck gelassen. Plötzlich hat ihn der Wolf gefressen. Und du wirst uns eh nicht glauben, auch wenn wir die Wahrheit sagten.“3

  1. 3 Der Konjunktiv sagten war ein Versprecher der Brüder Josefs, der ihre Lüge entlarvte. Derartige Andeutungen sind in der Sure häufig.

Vers 18: Und sie besudelten sein Hemd mit falschem Blut. Er (Jakob) sagte: „Euch haben wohl eher eure Triebe verleitet! Dann halte ich mich schön an die Standhaftigkeit. Und Gott ist um Hilfe gegen das zu bitten, was ihr beschreibt!“

Eine Karawane holt Josef aus dem Brunnen

Vers 19: Da kam eine Karawane an, die ihren Wasserträger schickte, der sogleich seinen Zieheimer hinabließ. Er sagte: „Oh wie schön! Das ist ein Junge!“ Und sie tarnten ihn als Ware, doch Gott weiß genau, was sie tun.

Vers 20: Und sie verkauften ihn zu einem geringen Preis, für abgezählte Dirhams, und maßen ihm keinen Wert bei.

Josef wird in Ägypten aufgekauft

Vers 21: Und derjenige, der ihn in Ägypten aufkaufte, sagte zu seiner Frau: „Lass ihn in Ehren bei uns wohnen, er könnte uns nützen oder wir machen ihn zu unserem Sohn.“ Und so schufen Wir für Josef Möglichkeiten auf Erden, auf dass Wir ihn die Traumdeutung lehren. Und Gott hat die absolute Macht über Seine4 Sache, doch haben die meisten Menschen kein Wissen.

  1. 4 Oder: „seine Sache“, das heißt Josefs Schicksal.

Vers 22: Und als er herangewachsen war, gaben Wir ihm Macht und Wissen. Und so vergelten Wir es den Gütigen.

Josef und die Frau seines Herrn

Vers 23: Doch dann wollte ihn diejenige, in deren Haus er war, gegen seinen Willen ˹verführen˺. Sie verschloss die Tore und sagte: „Komm schon!“ Er entgegnete: „Gott bewahre! Es ist mein Herr,5 er ließ mich in Ehren leben. Die Übertreter werden gewiss keinen Erfolg haben.“

  1. 5 Das Wort Herr kann sich auf Gott oder seinen ägyptischen Besitzer Al-Aziz beziehen.

Vers 24: Und sie wollte ihn, und auch er hätte sie gewollt, hätte er nicht Gottes Beweis gesehen. So ˹festigten Wir ihn˺, um von ihm das Übel und die Schandtat abzuwenden. Er gehört schließlich zu Unseren auserwählten Dienern.

Vers 25: Beide eilten sofort zur Tür, sie zerriss sein Gewand von hinten und sie trafen ihren Herrn bei der Tür an. Sie fragte: „Wie wird bestraft, wer deiner Familie Übles will? Er wird doch eingekerkert oder eine schmerzvolle Strafe erfahren?“

Vers 26: Er (Josef) erwiderte: „Sie wollte mich gegen meinen Willen verführen!“ Da sagte ein Zeuge aus ihrer Familie: „Wenn sein Gewand von vorne zerrissen sein sollte, hat sie die Wahrheit gesagt und er ist ein Lügner.

Vers 27: Doch wenn sein Gewand von hinten zerrissen sein sollte, dann hat sie gelogen und er ist ehrlich.“

Vers 28: Als er bemerkte, dass sein Gewand von hinten zerrissen war, sagte er ˹zu seiner Frau˺: „Das ist eine eurer Intrigen! Eure Listen sind gewiss gewaltig!“

Vers 29: ˹Er sagte weiter:˺ „Josef, sieh darüber hinweg! Und bitte du (Frau) für deine Sünde um Vergebung! Du hast gewiss unrecht gehandelt.“

Die Frau des Herrn plant eine weitere List

Vers 30: Und so sagten manche Frauen aus der Stadt: „Die Frau des edlen Mannes verführt ihren Sklaven gegen seinen Willen! Er hat wohl ihr Herz erobert. Wir sehen, dass sie einem eindeutigen Irrtum verfallen ist.“

Vers 31: Als sie dann von ihrer ˹boshaften˺ List hörte, lud sie sie (einige der Frauen) ein, bereitete ihnen Liegen vor und gab jeder ein Messer. Sie sagte ˹zu Josef˺: „Geh zu ihnen hinaus!“ Als sie ihn sahen, gefiel er ihnen so sehr, dass sie sich in ihre Finger schnitten. Sie sagten: „Makellos ist Gott! Das ist kein Mensch, das kann nur ein edler Engel sein!“

Vers 32: Sie sagte: „Das ist es, wofür ihr mich getadelt habt. Und ich habe ihn gegen seinen Willen verführt, doch er hat sich verweigert. Und wenn er nicht das tut, was ich ihm befehle, wird er ganz sicher eingesperrt und zu den Erniedrigten gehören.“

Vers 33: Er (Josef) sagte: „Mein Herr, das Gefängnis ist mir lieber als das, worum sie mich bitten! Und wenn Du ihre ˹boshafte˺ List nicht von mir abwendest, werde ich ihnen erliegen und zu den Ignoranten gehören!“

Vers 34: Da erhörte sein Herr seine Bitte und wandte ihre ˹boshafte˺ List von ihm ab. Er ist gewiss der Allhörende und Allwissende.

Vers 35: Sodann hielten sie es für gut, nachdem sie die Wunder ˹Gottes˺ gesehen hatten, ihn für eine Weile einzusperren.

Josef wird verhaftet und eingesperrt

Vers 36: Und mit ihm kamen zwei junge Männer ins Gefängnis. Der eine sagte: „Ich sehe ˹im Traum˺, dass ich Wein presse.“ Und der andere sagte: „Ich sehe, dass ich auf meinem Kopf Brot trage, von dem die Vögel fressen. Erkläre uns doch die Bedeutung dieser Träume, denn wir glauben, dass du zu den Gütigen gehörst!“

Vers 37: Er (Josef) antwortete: „Das Essen, mit dem ihr ˹im Traum˺ versorgt wurdet, werde ich euch deuten, bevor sich dessen Deutung an euch erfüllt.6 Dies ist etwas, was mich mein Herr lehrte. Ich habe mich von der Religion eines Volks abgewandt, das nicht an Gott glaubt und tatsächlich das Jenseits verleugnet.

  1. 6 Oder „Ich werde euch das Essen, mit dem ihr (im Traum) versorgt wurdet, noch deuten, bevor es zu euch gelangt.“

Vers 38: Und ich habe die Religion meiner Vorväter Abraham, Isaak und Jakob befolgt. Es ist nicht in unserem Sinn, Gott irgendetwas zur Seite zu stellen. Dies ist eine Gnade Gottes gegenüber uns und den Menschen, doch die meisten Menschen danken nicht.

Vers 39: O meine beiden Zellengenossen! Sind etwa rivalisierende Herren besser oder der einzige und alles bezwingende Gott?

Vers 40: Ihr verehrt neben Ihm nur Namen, die ihr und eure Vorväter selbst erfunden habt, obwohl Gott dies nicht erlaubt hat! Die Herrschaft hat nur Gott inne. Er gebietet, dass ihr niemanden außer Ihn anbeten dürft. Jenes ist die korrekte7 Religion, doch wissen die meisten Menschen nichts.

  1. 7 Oder „die aufrichtige“ bzw. „die richtige Religion“.

Josefs Traumdeutung

Vers 41: O meine Zellengenossen! Einer von euch beiden wird seinem Herrn Wein einschenken.8 Und der andere wird gekreuzigt, worauf die Vögel von seinem Kopf fressen. Es ist bereits beschlossen, wonach ihr beide gefragt habt.“

  1. 8 Alkohol war in manchen früheren Religionen nicht verboten. Außerdem handelt es sich um Ägypter, die ihrem König dienten.

Vers 42: Und er (Josef) sagte zu dem, über den er wusste, dass er freigelassen werden würde: „Erwähne mich bei deinem Herrn!“ Doch ließ ihn9 der Satan ˹nach seiner Freilassung˺ vergessen, seinen Herrn zu erwähnen, sodass er (Josef) mehrere Jahre im Gefängnis blieb.

  1. 9 Mit „ihn“ kann entweder der Mitgefangene gemeint sein, der vergaß, seinen Herrn an Josef zu erinnern, oder Josef selbst, der vergaß, Gott zu erwähnen, als er seinen Mithäftling um Hilfe bat.

Traum des Königs

Vers 43: Einst sagte der König: „Ich sehe ˹im Traum˺ sieben dicke Kühe. Und sieben magere ˹Kühe˺ fressen diese auf. Und sieben grüne Ähren und andere, die vertrocknet sind. O Gefolge! Erklärt mir meinen Traum, wenn ihr Träume deuten könnt.“

Vers 44: Sie antworteten: „Es sind nur wirre Träume, und wir verstehen nichts von der Deutung von Traumgespinsten.“

Josef deutet den Traum des Königs

Vers 45: Da sagte derjenige der beiden, der ˹aus dem Gefängnis˺ entkam und sich nun nach langer Zeit erinnerte: „Ich erzähle euch seine Deutung, schickt mich los!“

Vers 46: ˹Er sagte:˺ „Josef, du Ehrenhafter, deute uns ˹einen Traum über˺ sieben dicke Kühe und sieben magere ˹Kühe˺, die sie auffressen. Und sieben grüne Ähren und andere vertrocknete! Vielleicht kehre ich zu den Leuten zurück, sodass sie davon10 erfahren ˹und dich freilassen˺!“

  1. 10 Von der Deutung des Traums oder von Josefs Unschuld.

Vers 47: Er (Josef) antwortete: „Ihr sät sieben aufeinanderfolgende Jahre. Was ihr geerntet habt, sollt ihr in den Ähren lassen, bis auf das Wenige, das ihr zum Essen braucht!

Vers 48: Anschließend kommen sieben harte ˹Jahre˺, die alles aufzehren, was ihr dafür an Vorräten angelegt habt, bis auf Weniges, das ihr ˹zur Aussaat˺ aufbewahrt.

Vers 49: Darauf wird ein Jahr folgen, in dem die Menschen ˹mit Regen˺ erlöst werden, und in ihm werden sie ˹Öl und Saft˺ pressen.“

Josef kommt frei

Vers 50: Da sagte der König: „Bringt ihn mir her!“ Und als der Bote zu ihm kam, sagte er (Josef): „Gehe zu deinem Herrn zurück und frage ihn, was es mit den Frauen auf sich hat, die sich in die Finger schnitten. Mein Herr kennt ihre ˹boshafte˺ List genau.“

Vers 51: Er (der König) fragte: „Was hatte es damit auf sich, als ihr Josef gegen seinen Willen verführt habt?“ Sie antworteten: „Makellos ist Gott! Wir wissen nichts Schlechtes über ihn.“ Da sagte die Frau des edlen Mannes: „Jetzt ist die Wahrheit ans Licht gekommen! Ich habe ihn gegen seinen Willen verführt. Und er hat tatsächlich die Wahrheit gesagt!

Vers 52: Dies ˹sage ich˺, damit er (ihr Mann) weiß, dass ich ihn nicht in seiner Abwesenheit betrogen habe, und dass Gott der ˹boshaften˺ List der Betrüger keinen Erfolg gewährt.”

Vers 53: Und ich bezeichne mich nicht als unschuldig. Das Ego fordert eben stets zum Schlechten auf, außer mein Herr erbarmt sich eines Menschen. Mein Herr ist schließlich vergebend und barmherzig.“

Josef wird zum Verwalter in Ägypten

Vers 54: Und der König sagte: „Bringt ihn zu mir, damit ich ihn für mich habe!“ Nachdem er (Josef) mit ihm gesprochen hatte, sagte er (der König): „Du bist heute bei uns geehrt und genießt unser Vertrauen.“

Vers 55: Er entgegnete: „Setze mich für die Kornspeicher der Felder ein, ich bin gewiss ein gelernter Hüter.“

Vers 56: Und so ermöglichten Wir Josef, sich auf der Erde niederlassen zu können, wo er wollte. Wir gewähren Unsere Barmherzigkeit, wem Wir wollen. Und Wir werden gewiss den Lohn der Gütigen nicht vergeuden.

Vers 57: Und der jenseitige Lohn ist ganz gewiss besser für diejenigen, die stets glauben und sich hüten.

Josefs Brüder kommen nach Ägypten

Vers 58: Eines Tages kamen Josefs Brüder an.11 Als sie ˹bei Josef˺ eintraten, erkannte er sie sofort, doch sie ihn nicht.

  1. 11 Dies geschah während der Hungersnot nach den sieben guten Jahren. Sie kamen nach Ägypten, um Korn zu kaufen.

Vers 59: Nachdem er sie mit ihrer Kornladung ausgestattet hatte, sagte er: „Bringt mir ˹das nächste Mal˺ euren Bruder von eurem Vater mit!12 Seht ihr denn nicht, dass ich das Maß großzügig bemesse und der bessere Gastgeber bin?

  1. 12 Josef gab damals für jeden Mann eine Kamelladung Korn mit. Sie sagten, sie hätten noch einen jüngeren Bruder, für den er auch eine Ladung mitschickte. Daher verlangte er, dass er das nächste Mal mitkommen solle.

Vers 60: Doch wenn ihr ihn mir nicht bringen solltet, erhaltet ihr auch kein ˹zusätzliches˺ Maß von mir, und wagt euch dann ja nicht, euch mir zu nähern!“

Vers 61: Sie antworteten: „Wir werden unseren Vater überreden, ihn mitzuschicken. Das werden wir schon schaffen.“

Vers 62: Und er (Josef) sagte zu seinen Dienern: „Steckt ihre Ware13 in ihre Satteltaschen, damit sie sie erkennen, wenn sie zu ihren Familien zurückgekehrt sind! Vielleicht kommen sie ja wieder!“

  1. 13 Dies war die Ware, mit der sie das Korn gekauft hatten. Josef ließ sie ihnen heimlich zurückgeben, um sicherzugehen, dass sie wiederkommen.

Josefs Brüder kehren zu ihrem Vater Jakob zurück

Vers 63: Und als sie wieder bei ihrer Familie angelangt waren, sagten sie: „O unser Vater! Uns wurde das Kornmaß ˹für das kommende Mal˺ verweigert. Schicke also unseren Bruder mit uns mit, damit wir Korn abfüllen können! Und wir werden schon gut auf ihn aufpassen!“

Vers 64: Er (Jakob) erwiderte: „Soll ich ihn euch etwa anvertrauen, wie ich euch einst Josef anvertraut habe? Und Gott ist der bessere Beschützer. Und Er ist der Barmherzigste der Barmherzigen.“

Vers 65: Und als sie ihr Gepäck öffneten, erkannten sie, dass ihnen ihre Ware zurückgegeben worden war. Sie sagten: „O unser Vater! Was wollen wir mehr! Das ist ja unsere Ware, sie wurde uns zurückgegeben! Und obendrein versorgen wir unsere Familie mit Essen, passen auf unseren Bruder auf und bekommen ein zusätzliches Maß Getreide! Das wäre doch ein leicht gewonnenes Maß!“

Vers 66: Er (Jakob) sagte: „Ich werde ihn niemals mit euch mitschicken, es sei denn, ihr versprecht mir hoch und heilig bei Gott, dass ihr ihn auch gewiss zurückbringt, außer ihr solltet überwältigt werden.“ Als sie ihm ihr Versprechen gegeben hatten, sagte er: „Gott ist über das, was wir sagen, Zeuge!“

Jakob rät seinen Söhnen zur Vorsicht

Vers 67: Er sagte: „O meine Söhne! Tretet nicht durch ein einziges Tor ˹in die Stadt˺ ein, sondern durch verschiedene Tore! Ich kann euch schließlich vor Gott nicht das Geringste nützen. Der Beschluss liegt allein bei Gott. Auf Ihn verlasse ich mich, und auf Ihn verlassen sich die ˹auf Gott˺ Vertrauenden.“14

  1. 14 Sein Wunsch war es, sie vor Neid und Schaden zu schützen.

Vers 68: Und als sie dort eintraten, wo ihr Vater es ihnen aufgetragen hatte, hätte dies ihnen vor Gott nicht das Geringste genützt. Es war eher ein Anliegen, das Jakob auf dem Herzen lag und das er ihnen auferlegte. Und er hat wahrhaftig Wissen, weil Wir ihn lehrten. Doch die meisten Menschen haben kein Wissen.

Josef trifft erstmals seinen Bruder Benjamin

Vers 69: Als sie dann bei Josef eintraten, näherte er (Josef) sich seinem ˹jüngeren˺ Bruder (Benjamin) und sagte: „Ich bin dein Bruder. Ärgere dich nicht über das, was sie getan haben!“

Benjamin wird als Dieb verdächtigt

Vers 70: Nachdem er (Josef) sie mit ihrer Kornladung ausgestattet hatte, steckte er das Hohlmaß in die Satteltasche seines Bruders. Kurz darauf rief ein Rufer ˹von den Ägyptern˺ aus: „O Karawane! Ihr seid ja Diebe!“

Vers 71: Sie (Josefs Brüder) gingen auf sie zu und fragten: „Was vermisst ihr denn?“

Vers 72: Sie antworteten: „Wir vermissen das Hohlmaß des Königs. Und wer es bringt, dem steht eine Kamelladung zu. Und ich garantiere dies.“

Vers 73: Sie (Josefs Brüder) erwiderten: „Bei Gott, ihr habt doch bereits erfahren, dass wir nicht gekommen sind, um Unheil auf Erden anzurichten. Und wir waren keine Diebe.“

Vers 74: Sie (die Ägypter) entgegneten: „Und was ist die Strafe dafür, wenn ihr Lügner sein solltet?“

Vers 75: Sie (Josefs Brüder) antworteten: „Bestraft wird der, in dessen Satteltasche es gefunden wird, er selbst soll bestraft werden.” Und so bestrafen wir die Übertreter.

Vers 76: Dann fing er mit ihren Taschen an, bevor er zur Tasche seines Bruders ˹Benjamin˺ kam. Dann zog er es (das Hohlmaß) aus der Tasche seines Bruders. So planten Wir es einst auch für Josef. Es wäre ihm nicht erlaubt gewesen, seinen Bruder nach dem Gesetz des Königs zu sich zu nehmen,15 außer Gott hätte es so gewollt. Wir erhöhen, wen Wir wollen, um Stufen. Und über Wissenden steht ein Wissenderer.

  1. 15 Das Gesetz des Königs beruhte auf den Interessen der damaligen Herrscher. Damals wurde der Dieb ausgepeitscht und versklavt und musste sich mit einem Vielfachen des Werts des Diebesguts freikaufen. Josef hingegen urteilte hier nach dem Gesetz, das der Schöpfer den Propheten Abraham und Jakob offenbart hatte.

Vers 77: Sie (Josefs Brüder) sagten: „Wenn er gestohlen hat, so hat ja schon ein Bruder vor ihm gestohlen.“ Doch Josef behielt dies für sich und sagte es nicht offen, er sagte für sich: „Eure Lage ist viel schlimmer. Und Gott weiß besser über das Bescheid, was ihr da behauptet.“

Vers 78: Sie (Josefs Brüder) lenkten ein: „O Edelmann! Er hat einen Vater, einen alten Greis. Nimm einen von uns statt ihn (Benjamin)! Wir sehen doch, dass du ein gütiger Mensch bist!“

Vers 79: Er erwiderte: „Gott bewahre, dass wir einen anderen als den nehmen, bei dem wir unsere Habe gefunden haben, denn dann wären wir ungerecht!“

Vers 80: Doch als sie die Hoffnung auf ihn verloren hatten, stahlen sie sich tuschelnd davon. Der Älteste unter ihnen sagte: „Wisst ihr noch, dass euer Vater von euch ein Versprechen bei Gott verlangt hat und was ihr davor Josef angetan habt? Ich werde erst aus diesem Land abreisen, wenn es mir mein Vater erlaubt oder Gott über mich urteilt. Und Er ist der beste Richter.

Vers 81: Kehrt also zu eurem Vater heim und sagt: ‚O unser Vater! Dein Sohn hat gestohlen. Und wir sind nur Zeuge dessen, was wir selbst erfahren haben,16 doch das Verborgene konnten wir nicht erfahren.

  1. 16 Dies bedeutet, dass Josefs Brüder den vermeintlichen Diebstahl Benjamins mit eigenen Augen sahen und dass sie nicht wissen konnten, dass dies geschehen würde, als sie ihrem Vater Jakob versprachen, Benjamin wieder zurückzubringen.

Vers 82: Und frag den Ort, an dem wir waren, und die Karawane, in der wir angereist sind! Und wir sagen ganz sicher die Wahrheit.‘“

Josefs Brüder berichten ihrem Vater vom Vorfall

Vers 83: Er (Jakob)17 sagte: „Vielmehr habt ihr etwas ausgeheckt! So übe ich mich schön in Geduld. Gott wird sie wohl alle noch zu mir bringen. Er ist schließlich der Allwissende und Allweise.“

  1. 17 Hier findet ein Perspektivwechsel statt: Der Rat des ältesten Bruders Levi geht in die Worte über, die die übrigen Brüder ihrem Vater überbrachten, die gesamte Reise dazwischen wird ausgeblendet.

Vers 84: Dann wandte er sich von ihnen ab und sagte: „O weh um Josef!“ Und seine Augen erblindeten vor Trauer und er wurde verbittert.

Vers 85: Sie (Josefs Brüder) sagten: „Bei Gott, willst du etwa ständig an Josef denken, bis du todkrank wirst oder zu den Toten gehörst?“

Vers 86: Er entgegnete: „Ich klage über meinen Kummer und meine Trauer nur vor Gott. Und ich weiß von Gott, was ihr nicht wisst!

Vers 87: O meine Söhne! Geht und fragt überall nach Josef und seinem Bruder! Und gebt ja nicht die Hoffnung auf Gottes Erlösung auf! Denn die Hoffnung auf Gottes Erlösung geben nur die leugnerischen Leute auf.“

Josefs Brüder kehren erneut zu Josef zurück

Vers 88: Und als sie bei ihm (Josef) eintraten, sagten sie: „O du Edelmann! Wir und unsere Familien werden von Not geplagt! Und wir sind mit spärlicher Ware angekommen. Fülle uns doch das Maß gut auf und gewähre uns ein Almosen! Denn Gott belohnt die Wohltätigen!“

Vers 89: Er (Josef) erwiderte: „Wisst ihr eigentlich, was ihr Josef und seinem Bruder angetan habt, als ihr so ignorant wart?“

Vers 90: Sie entgegneten: „Du bist es, du bist doch Josef!“ Er erwiderte: „Ich bin Josef und das ist mein Bruder. Gott hat uns Seine Gnade gewährt. Wer stets ˹Gott˺ fürchtet und standhaft ist, für den gilt, dass Gott gewiss den Lohn der Gütigen nicht vergeudet.“

Vers 91: Sie sagten: „Bei Gott, Gott hat dich über uns gestellt. Und wir haben gewiss falsch gehandelt.“

Vers 92: Er sagte: „Kein Tadel soll euch heute treffen. Möge Gott euch vergeben, Er ist schließlich der Barmherzigste der Barmherzigen.

Vers 93: Geht mit diesem Hemd von mir und werft es über das Gesicht meines Vaters, dann wird er wieder sehen können! Und kommt mit allen aus eurer Familie zu mir!“

Brüder berichten Jakob von Josef

Vers 94: Und als gerade die Karawane ˹aus Ägypten˺ aufbrach, sagte ihr Vater ˹in der Wüste˺: „Ich nehme ganz sicher Josefs Geruch wahr! Wenn ihr mich nicht für senil halten würdet, ˹hättet ihr mir geglaubt˺!“

Vers 95: Sie entgegneten: „Bei Gott, du lebst immer noch in deinem alten Wahn!“

Vers 96: Doch als der Bote kam, warf er es (Josefs Hemd) über sein Gesicht, worauf er (Jakob) wieder sehen konnte. Er (Jakob) sagte: „Habe ich euch denn nicht gesagt, dass ich von Gott weiß, was ihr nicht wisst?“

Vers 97: Sie erwiderten: „O unser Vater! Bitte für uns um die Vergebung unserer Sünden! Wir haben gewiss falsch gehandelt!“

Vers 98: Er antwortete: „Ich werde gewiss meinen Herrn für euch um Vergebung bitten, denn Er ist der Vergebende und Barmherzige!“

Jakobs Familie kommt in Ägypten zusammen

Vers 99: Und als sie bei Josef eintraten, nahm er seine Eltern zu sich und sagte: „Betretet Ägypten in Sicherheit, so Gott will!“

Vers 100: Nun bat er seine Eltern auf den Thron und sie (Josefs Brüder) fielen vor ihm zu Boden und warfen sich nieder. Da sagte er: „O mein Vater! Das ist die Erfüllung meines Traums von damals! Mein Herr hat ihn tatsächlich wahr gemacht! Und Er war gütig mit mir, als Er mich aus dem Gefängnis brachte und euch aus der Wüste holte, nachdem sich der Satan zwischen mich und meine Brüder schlich. Mein Herr ist schließlich unergründlich in dem, was Er will. Er ist gewiss der Allwissende und Allmächtige.

Josefs Bitte an Gott

Vers 101: Mein Herr, Du hast mir Macht gegeben und mich etwas von der Traumdeutung gelehrt! O Urheber der Himmel und der Erde! Du bist im Diesseits und im Jenseits mein Nächster! Lass mich als Muslim sterben und mich in die Reihen der Rechtschaffenen einkehren!“

Die meisten Menschen wollen nicht glauben

Vers 102: Jenes gehört zu den Nachrichten über das ˹euch˺ Unbekannte, die Wir dir ˹o Muhammad˺ offenbaren. Und du warst nicht bei ihnen, als sie sich ˹gegen Josef˺ zu einer ˹boshaften˺ List verschworen.

Vers 103: Und die meisten Menschen sind nun einmal, obwohl du dich ˹um sie˺ bemühst, nicht gläubig.

Vers 104: Und du bittest sie deswegen18 um keinen Lohn. Er (der Koran) ist lediglich eine Ermahnung für die Geschöpfe.

  1. 18 Dies bedeutet: Du bist kein Mensch, der die Religiosität der Menschen ausnutzt, um dich zu bereichern, du verlangst kein Geld dafür, dass die Leute von dir die Religion lernen.

Vers 105: Und an wie vielen Wunderzeichen in den Himmeln und auf Erden gehen sie vorbei, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen!

Vers 106: Doch die meisten glauben nur an Gott, indem sie ˹Ihm˺ etwas zur Seite stellen.

Vers 107: Glauben sie etwa, sie wären sicher davor, dass sie unbemerkt schlagartig eine Strafe Gottes überkommt oder sie plötzlich die ˹letzte˺ Stunde ereilt?

Aufgabe der Propheten: zum Glauben einladen

Vers 108: Sag: „Das ist mein Weg. Ich lade zu Gott mit einsichtiger Überzeugung19 ein – ich und all jene, die mir folgen. Und erhaben ist Gott ˹über jeden Makel˺! Und ich gehöre nicht zu den Götzendienern.“

  1. 19 Gemeint ist hier die Überzeugung durch Wissen und kein blinder Glaube. Wer zum Glauben aufruft, sollte sich dessen gewiss sein und seinen Glauben kennen.

Vers 109: Und Wir entsandten vor dir nur Männer ˹als Propheten˺, denen Wir offenbaren. Sie gehörten stets zu den Einwohnern ihrer Orte.20 Sind sie denn nicht auf Erden herumgereist, sodass sie sahen, wie es denen vor ihnen erging? Und die jenseitige Wohnstätte ist besser für diejenigen, die ˹Gott˺ fürchten. Wollt ihr denn nicht begreifen?

  1. 20 Gott entsandte Menschen und keine Engel als Propheten. Mit den Einwohnern der Orte sind die Sesshaften gemeint. Unter den Propheten waren keine Beduinen.

Vers 110: ˹So ging dies weiter,˺ bis die Gesandten die Hoffnung verloren und glaubten, bereits verleugnet worden zu sein. Dann erreichte sie Unser Beistand, und Wir erretteten, wen Wir wollten. Und Unsere Gewalt kann nicht von den Übertretern abgewandt werden.

Lehren aus den Prophetengeschichten

Vers 111: Ihre Geschichten enthalten gewiss eine Lehre für Leute von Verstand. Er (der Koran) ist kein Gerede, das erlogen wird. Vielmehr ist er die Bestätigung dessen, was vor ihm ˹an Offenbarung˺ war, eine ˹deutliche˺ Ausführung aller ˹bedeutsamen˺ Dinge und eine Führung und Barmherzigkeit für Leute, die glauben.

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