Wesen des Korans
Vers 1: Das Lob gebührt Gott, der auf Seinen Diener ˹Muhammad˺ das Buch herabsandte und ihm nichts Abwegiges mitgab.
Vers 2: Korrekt ˹ist das Buch˺, damit du vor einer heftigen Gewalt von Ihm warnst und den Gläubigen, die das Rechtschaffene tun, verkündest, dass ihnen schöner Lohn gebührt,
Vers 3: in dem sie ewig verweilen werden.
Der Koran korrigiert falsche Gottesbilder
Vers 4: Und ˹damit˺ du diejenigen warnst, die sagen, Gott habe sich einen Sohn genommen.
Vers 5: Weder sie noch ihre Vorväter haben hierüber Wissen. Es ist eine schlimme Aussage, die aus ihren Mündern kommt. Was sie sagen, ist nichts als eine Lüge.
Prophet Muhammad ﷺ sorgt sich um die Menschen
Vers 6: Es mag dich ˹o Muhammad˺ innerlich quälen, wenn du dich ihretwegen grämst, weil sie nicht an diese Worte glauben.
Alles auf Erden ist eine Prüfung
Vers 7: Wir haben gewiss das, was auf Erden ist, zum Schmuck für sie (die Erde) erschaffen, um sie (die Menschen und Dschinn) zu prüfen ˹und zu sehen˺, wer von ihnen am besten in den Taten ist,
Vers 8: und Wir werden gewiss das, was auf ihr ist, ˹am jüngsten Tag˺ zu kahlem Boden machen.
Geschichte der Siebenschläfer
Vers 9: Oder hättest du gedacht, dass die Leute der Höhle und von Ar-Raqim1 zu Unseren Wundern gehörten?
- 1 Zu „ar-Raqim“ gibt es verschiedene Deutungen: Es kann der Name eines Ortes, eines Berges oder Tals sein oder sich auf eine Schrift bzw. Inschrift beziehen. Der Begriff steht im Zusammenhang mit den Leuten der Höhle, den sogenannten Siebenschläfern. Dabei handelt es sich um frühchristliche Gläubige, die sich vom damaligen römisch-griechischen Polytheismus abwandten und sich in eine Höhle zurückzogen. ↩
Vers 10: ˹Denk daran:˺ Als die jungen Männer bei der Höhle Schutz suchten und sagten: „Unser Herr, gewähre uns eine Barmherzigkeit von Dir und richte für uns unsere Angelegenheit!“
Vers 11: Und so ließen Wir sie zahlreiche Jahre schlafen.
Vers 12: Dann erweckten Wir sie, um zu wissen, welche der beiden Gruppen besser bestimmt, wie lange sie verweilten.
Vers 13: Wir erzählen dir ihre Geschichten wahrheitsgemäß. Sie waren gewiss junge Männer, die an ihren Herrn glaubten und deren Rechtleitung Wir steigerten.
Vers 14: Und Wir stärkten ihre Herzen, als sie aufstanden und sagten: „Unser Herr ist der Herr der Himmel und der Erde, wir werden niemals neben Ihm eine Gottheit anrufen! Sonst würden wir ja Ungeheuerliches sagen.
Vers 15: Unser Volk nahm neben Ihm eine Gottheit. Wenn sie doch nur für sie (die falschen Götter) einen eindeutigen Beweis bringen würden! Und wer ist ungerechter als derjenige, der über Gott Lügen erdichtet?“
Vers 17: Und du siehst die Sonne, wenn sie aufgeht, von ihrer Höhle rechts abschweifen, und wenn sie untergeht, schneidet sie sie von links. Und sie sind in einer Halle von ihr (der Höhle). Jenes gehört zu den Zeichen Gottes. Wen Gott rechtleitet, der ist der Rechtgeleitete. Und wen Gott fehlleitet, für den findest du niemals einen Führer.
Vers 18: Und du meinst, sie seien wach, wenn sie liegen. Und Wir wenden sie nach links und nach rechts, und ihr Hund hatte seine Vorderläufe beim Eingang ausgestreckt. Hättest du sie erblickt, wärst du vor ihnen fortgerannt und bei ihrem Anblick mit Schrecken erfüllt worden.
Vers 19: Und so weckten Wir sie auf, damit sie sich gegenseitig fragen. Ein Sprecher unter ihnen fragte: „Wie lange seid ihr verweilt?“ Sie antworteten: „Wir haben einen Tag oder einen Teil eines Tages gerastet.“ Sie (die anderen) sagten: „Euer Herr weiß am besten, wie ihr verweilt seid. Schickt also einen von euch mit eurem Silber zur Stadt los! Er soll schauen, was das beste Essen ist, und euch davon einen Vorrat bringen. Und er soll auf der Hut sein und niemanden auf euch aufmerksam machen!
Vers 20: Wenn sie euch nämlich entdecken, steinigen sie euch oder bringen euch zu ihrer Religion zurück, und dann werdet ihr niemals erfolgreich sein!“
Vers 21: Und so ließen Wir sie entdeckt werden, damit sie (die Menschen) wissen, dass Gottes Versprechen wahr ist und an der ˹letzten˺ Stunde kein Zweifel besteht, als sie (die Leute) untereinander über die Sache von ihnen (den Siebenschläfern) stritten. Und so sagten sie: „Erbaut über ihnen ein Gebäude!“ Ihr Herr weiß am besten über sie Bescheid. Diejenigen, die die Oberhand gewannen, sagten: „Wir werden über ihnen einen Gebetsplatz einrichten.“
Vers 22: Sie (spätere Generationen) werden sagen: „Drei ˹Siebenschläfer waren es˺! Der Hund ist der vierte.“ Und sie sagen: „Fünf und der sechste ist ihr Hund“ ˹und˺ stellen ˹damit˺ lediglich Vermutungen über Unbekanntes an. Und sie sagen: „Sieben, und der achte ist ihr Hund.“ Sag: „Mein Herr weiß am besten um ihre Zahl, nur wenige kennen sie.“ So streite nicht über sie, es sei denn oberflächlich! Und frage niemanden von ihnen (den Juden und Christen) über sie (die Siebenschläfer)!
Vers 23: Und sage niemals über etwas: „Ich werde dies gewiss morgen tun“,
Vers 24: es sei denn, ˹du sagst:˺ „Wenn Gott es will“! Und gedenke deines Herrn, wenn du ˹etwas˺ vergessen hast, und sag: „Mein Herr mag mich wohl zu etwas leiten, was vernünftiger ist.“
Vers 26: Sag: „Gott weiß am besten, wie ˹lange˺ sie verweilten. Ihm untersteht das Verborgene der Himmel und der Erde. Wie genau Er doch sieht und hört!“ Sie haben neben Ihm keinen Nächsten und niemand beteiligt sich an Seiner Bestimmung.
Muhammads ﷺ Umgang mit Gläubigen
Vers 27: Und trage vor, was dir vom Buch deines Herrn offenbart wurde! Keiner kann Sein Wort ändern. Und du wirst bei niemandem außer Ihm Zuflucht finden.
Vers 28: Und gedulde dich mit denen, die ihren Herrn morgens und abends anrufen und Sein Wohlgefallen anstreben! Und wende deine Augen nicht von ihnen ab, weil du den Schmuck des diesseitigen Lebens willst! Und gehorche nicht dem, dessen Herz Wir achtlos gegenüber Unserem Gedenken gemacht haben, der seinen Gelüsten folgt und in seiner Angelegenheit maßlos ist!
Vers 29: Und sag: „Die Wahrheit ist von eurem Herrn! Wer will, soll glauben, und wer will, soll leugnen!“ Wir haben den Übeltätern gewiss ein Feuer vorbereitet, dessen Feuerwände sie umgeben. Und wenn sie (die Hölleninsassen) um Erlösung bitten, werden sie mit Wasser gleich siedendem Öl4 erlöst, das die Gesichter versengt. Was für ein übles Getränk und was für ein schlimmer Begleiter!
- 4 Das ‚siedende Öl‘ kann im Arabischen auch als ‚geschmolzenes Erz‘ gedeutet werden. ↩
Vers 30: Zu denjenigen, die bereits glauben und Rechtschaffenes tun: Wir werden gewiss nicht den Lohn dessen, der gut handelt, veruntreuen.
Vers 31: Jenen stehen Gärten ewiger Freuden zu. Unter ihnen fließen die Flüsse dahin. Sie werden darin mit Armreifen aus Gold geschmückt und tragen grüne Gewänder aus leichter und schwerer Seide, angelehnt sind sie darin auf Liegen. Was für eine schöne Belohnung und was für ein guter Begleiter!
Gleichnis des Gartenbesitzers
Vers 32: Und erzähle ihnen das Gleichnis zweier Männer:5 Dem einen gaben Wir zwei Gärten mit Trauben, umgaben beide mit Palmen und ließen zwischen beiden Korn wachsen.
- 5 Dieses Gleichnis ist eine Antwort auf die Forderung der Götzendiener, Muhammad ﷺ solle die armen Muslime ausschließen. Es berichtet von zwei Israeliten, die von ihrem Vater ein Vermögen erbten: Der eine war ungläubig und kaufte sich zwei Gärten, der andere war gläubig und verwendete sein Erbe, um die Armen zu unterstützen. ↩
Vers 33: Beide Gärten gaben ihre Nahrung ab, ohne nachzulassen. Und Wir ließen zwischen beiden einen Fluss entspringen.
Vers 34: Und er (der Garten) hatte Früchte, also sagte er (der Mann) zu seinem Gefährten, als er mit ihm sprach: „Ich habe mehr Vermögen als du und mehr Leute!“
Vers 35: Und er betrat selbstgefällig seinen Garten. Er sagte: „Ich glaube nicht, dass dieser ˹Garten˺ hier je vergehen wird.
Vers 36: Und ich glaube nicht, dass die ˹letzte˺ Stunde hereinbrechen wird. Und wenn ich zu meinem Herrn zurückgebracht werde, werde ich gewiss einen besseren Rückzugsort als diesen ˹Garten˺ vorfinden.“
Vers 37: Da sagte zu ihm sein Gefährte, als er mit ihm sprach: „Hast du etwa den verleugnet, der dich aus Staub und dann aus einem Tropfen erschaffen und schließlich zu einem Mann geformt hat?
Vers 38: Ich hingegen ˹bezeuge˺, dass Er, Gott, mein Herr ist. Und ich stelle meinem Herrn niemanden zur Seite!
Vers 39: Hättest du doch, als du deinen Garten betratst, gesagt: ‚˹Dies ist,˺ was Gott gestattet! Es besteht keine Macht außer durch Gott!‘ Wenn du auch siehst, dass ich weniger Vermögen und Kinder als du habe,
Vers 40: so wird mein Herr mir wohl etwas Besseres als deinen Garten geben und über ihn (den Garten) eine Vernichtung vom Himmel herabsenden, sodass er zu schlüpfrigem Erdboden wird.
Vers 41: Oder ˹Er wird bestimmen,˺ dass sein Wasser ˹in der Tiefe˺ versickert, sodass du es nie heraufholen kannst.“
Vers 42: Und da wurden seine Früchte ˹auch schon˺ erfasst, sodass er ˹voller Reue˺ die Hände über dem Kopf zusammenschlug wegen dem, was er dafür ausgegeben hatte, wo nun alles völlig eingestürzt war. Und so sagte er: „Wehe mir! Hätte ich doch bloß niemanden Gott zur Seite gestellt!“
Vers 43: Und er hatte keine Gruppe, die ihm gegen Gott hätte beistehen können, und er hätte keinen Beistand erhalten.
Vers 44: Hierin wird die Nähe Gottes, des Wahrhaftigen, offenbar: Seine Belohnung ist besser und Er führt zum besseren Ende.
Gleichnis für das irdische Leben
Vers 45: Und erzähle ihnen das Gleichnis des diesseitigen Lebens: Es ist wie Wasser, das Wir vom Himmel herabsenden, durch das sich die Pflanzen der Erde dicht zusammendrängen. Doch schon bald wird es verblichenes Stroh, das die Winde verwehen. Und Gott ist ja zu allem mächtig.
Vers 46: Das Vermögen und die Kinder sind der Schmuck des diesseitigen Lebens. Und die rechtschaffenen bleibenden ˹Taten˺ sind besser bei deinem Herrn und geben mehr ˹Anlass für˺ Hoffnung.
Tag der Auferstehung
Vers 47: Und ˹denke an˺ den Tag, an dem Wir die Berge in Bewegung setzen und du die Erde kahl siehst und Wir sie versammeln, ohne irgendjemanden von ihnen auszulassen.
Vers 48: Und sie werden deinem Herrn in Reihen vorgestellt worden sein: Ihr seid nun also so zu Uns gekommen, wie Wir euch das erste Mal erschufen. Doch ihr habt behauptet, Wir hätten für euch kein Treffen bestimmt.
Vers 49: Und das Buch ˹der Taten˺ wird vorgelegt: Nun siehst du die Verbrecher um das bangen, was darin steht, und sie sagen: „Wehe uns! Was ist mit diesem Buch? Es lässt keine kleine noch große Tat unaufgezählt!“ Und sie finden vor sich, was sie getan haben. Und dein Herr behandelt niemanden ungerecht.
Engel werfen sich für Adam nieder
Vers 50: Und als Wir zu den Engeln sagten: „Werft euch für Adam nieder!“, da warfen sie sich nieder. Nicht jedoch der Teufel, er gehörte zu den Dschinn. Und so entwand er sich dem Befehl seines Herrn. Wollt ihr etwa ihn und seine Nachkommen zu Nächsten erwählen, und nicht Mich, wo sie doch euer Feind sind? Schlimm ist der Tausch der Übeltäter!
Vers 51: Ich habe sie nicht bei der Erschaffung der Himmel und der Erde beiwohnen lassen und Ich würde nie die Verführer zu Gehilfen machen!
Strafe der Leugner im Jenseits
Vers 52: Und ˹denke an˺ den Tag, an dem Er sagt: „Ruft ˹doch˺ Meine Teilhaber, die ihr erfunden habt!“, worauf sie sie rufen, sie ihnen jedoch nicht antworten werden. Und Wir erschufen zwischen ihnen einen Ort der Vernichtung.6
- 6 Gemeint ist ein Tal, das die Bewohner der Hölle von den Bewohnern des Paradieses trennt. ↩
Vers 53: Und die Verbrecher werden das Feuer erblicken und sogleich die Gewissheit erlangen, dass sie hineinstürzen. Und sie werden nichts finden, was sie davon abhält.
Der Mensch leugnet die Botschaft
Vers 54: Und Wir haben in diesem Koran für die Menschen allerlei Gleichnisse vielfältig dargestellt, doch der Mensch neigt am meisten zur ˹unnützen˺ Diskussion.
Vers 55: Und es hinderte die Menschen nichts weiter daran, zu glauben und ihren Herrn um Vergebung zu bitten, als die Rechtleitung zu ihnen gelangte, außer dass sie das Schicksal der früheren ˹Generationen˺ ereilte oder sie die Strafe vielfältig trifft.
Vers 56: Und Wir entsenden die Gesandten nur als Verkünder ˹froher Botschaft˺ und Warner. Doch diejenigen, die leugnen, streiten mit Falschem, um damit die Wahrheit zu verdrängen. Und sie nehmen Meine Zeichen und das, wovor sie gewarnt wurden, zum Anlass für Spott.
Vers 57: Und wer ist übler als derjenige, der mit den Zeichen seines Herrn ermahnt wird, sich dann von ihnen abwendet und vergisst, was seine Hände bereits ˹für das Jenseits˺ vorausgeschickt haben? Wir haben über ihre Herzen einen Schleier gelegt, sodass sie ihn (den Koran) nicht verstehen, und ihre Ohren mit Ballast versehen. Und wenn du sie zur Rechtleitung aufforderst, werden sie doch niemals den rechten Weg finden.
Vers 58: Und dein Herr ist der Vergebende und voller Barmherzigkeit. Belangte Er sie für das, was sie begangen haben, würde Er sie sogleich bestrafen. Vielmehr steht ihnen eine Frist ˹bis zum Tod˺ zu, vor der es für sie kein Entrinnen gibt.
Vers 59: Jene sind die Orte, die Wir vernichteten, als sie übertreterisch wurden. Und Wir haben für ihre Vernichtung einen Termin bestimmt.
Moses und der weise Chadir
Vers 60: Und ˹denke daran,˺ als Moses zu seinem Jüngling ˹Josua˺ sagte: „Ich werde erst ruhen, wenn ich den Zusammenfluss der beiden Meere erreicht habe oder Ewigkeiten gereist bin.“7
- 7 Die Geschichte beginnt damit, dass Moses gefragt wird, wer der Wissendste sei, und er sich selbst nennt. Daraufhin erscheint ihm Engel Gabriel und teilt ihm mit, dass es einen noch wissenderen Menschen namens Chadir gebe. Moses beschließt, ihn aufzusuchen. Gabriel sagt ihm, er werde ihn am Zusammenfluss der beiden Meere treffen und den Ort daran erkennen, dass ihnen dort ein Fisch abhandenkommt. ↩
Vers 61: Doch als sie den Zusammenfluss beider Meere erreicht hatten, vergaßen sie ihren Fisch, sodass er im Meer seines Weges schwamm.
Vers 62: Als beide weitergegangen waren, sagte er zu seinem Jüngling: „Bring uns unser Mittagessen! Wir haben auf unserer Reise Strapazen erlitten.“
Vers 63: Da sagte er (Josua): „Weißt du noch, als wir beim Felsen rasteten? Ich habe den Fisch ˹dort˺ vergessen! Und nur der Satan hat mich vergessen lassen, an ihn zu denken. Er ging nämlich wundersam im Meer seines Weges.“
Vers 64: Er (Moses) erwiderte: „Das ist es doch, was wir wollten!“ Und so kehrten sie ihren Spuren folgend um.
Vers 65: Da fanden sie einen Unserer Diener ˹Chadir,˺ dem Wir Barmherzigkeit von Uns gaben und selbst Wissen lehrten.
Vers 66: Moses fragte ihn: „Kann ich dir folgen, damit du mich etwas von der Vernunft lehren kannst, die du gelehrt wurdest?“
Vers 67: Er antwortete: „Du kannst es mit mir nicht aushalten.
Vers 68: Und wie könntest du auch etwas aushalten, wovon du nichts verstehst?“
Vers 69: Er (Moses) erwiderte: „Du wirst sehen, dass ich – so Gott will – geduldig bin und mich dir in nichts widersetze.“
Vers 70: Er entgegnete: „Wenn du mir also folgst, so frage mich nach nichts, bis ich dir von mir aus etwas davon erzähle!“
Vers 71: Also zogen sie los, bis sie in das Schiff stiegen, in das er (Chadir) ein Loch schlug. Er (Moses) sagte: „Hast du etwa ein Loch hineingeschlagen, um seine Besitzer zu ertränken? Du hast ja etwas Unerhörtes angestellt!“
Vers 72: Er erwiderte: „Habe ich dir nicht gesagt, dass du es mit mir nicht aushalten kannst?“
Vers 73: Er (Moses) antwortete: „Belange mich nicht dafür, dass ich es vergessen habe! Und überlaste mich nicht in meiner Sache!“
Vers 74: Also zogen sie weiter, bis sie einen Jüngling trafen, den er (Chadir) sogleich tötete. Er (Moses) fragte: „Hast du etwa eine reine Seele getötet, die sich an keiner Seele vergangen hat? Du hast ja etwas Ungeheuerliches begangen!“
Chadir tadelt Moses für seine Ungeduld
Vers 75: Er (Chadir) sagte: „Habe ich dir denn nicht gesagt, dass du mit mir niemals Geduld haben wirst?“
Vers 76: Moses erwiderte: „Wenn ich dich nach diesem Mal etwas fragen sollte, begleite mich nicht mehr! Du wärst dann mir gegenüber mehr als entschuldigt.“
Vers 77: Dann wanderten sie weiter, bis sie bei den Einwohnern eines Ortes ankamen. Als sie jedoch seine Bewohner um Essen baten, weigerten sie sich, die beiden zu bewirten. Darauf fanden beide eine Mauer, die schon einstürzen wollte, woraufhin Chadir sie richtete. Moses sagte: „Wenn du willst, könntest du dafür einen Lohn verlangen.“
Chadir weiht Moses ein
Vers 78: Er (Chadir) erwiderte: „Dies ist also der Moment der Trennung zwischen uns. Ich werde dir erzählen, was du nicht ertragen konntest:
Vers 79: Was das Schiff angeht: Es gehörte armen Leuten, die auf See arbeiteten. Ich wollte es beschädigen, schließlich war hinter ihnen ein König her, der jedes ˹taugliche˺ Schiff gewaltsam an sich riss.
Vers 81: Daher wollten wir, dass ihnen ihr Herr diesen durch einen reineren und barmherzigeren Sohn ersetzt.
Vers 82: Nun zur Mauer: Sie gehörte zwei Waisenjungen in der Stadt, und unter der Mauer lag ein Schatz. Ihr Vater war rechtschaffen, also wollte dein Herr in Seiner Barmherzigkeit, dass beide bereits herangewachsen sein werden, wenn sie ihren Schatz ausgraben. Und ich habe ˹all˺ dies nicht nach eigenem Ermessen getan. Dies ist also die Erklärung dessen, was du nicht erdulden konntest.“
Der mit den zwei Hörnern
Vers 84: Wir gewährten ihm gewiss Macht auf Erden und ermöglichten ihm für alles einen Weg.
Vers 85: Also ließ er einen Weg beschreiten,
Vers 86: bis er den Ort erreichte, wo die Sonne untergeht: Er bemerkte, dass sie in einem schlammigen Wasser unterzugehen schien10. Und er fand dort ein Volk vor. Wir sagten: „O Dhul-Qarnayn! Entweder bestrafst du ˹sie˺ oder bist gütig mit ihnen!“
- 10 Es handelt sich hierbei um eine phänomenologische Beschreibung, die die Wahrnehmung Dhul-Qarnayns wiedergibt, nicht um eine kosmologische Feststellung. ↩
Vers 87: Er sagte: „Wer übel handelte, den werden wir bestrafen, und später wird er zu seinem Herrn zurückgebracht, der ihn ˹im Jenseits˺ mit einer unsäglichen Qual strafen wird.
Vers 88: Wer jedoch stets glaubt und Rechtschaffenes tut, der erhält als Belohnung das Beste. Und wir werden ihm bei unseren Anweisungen Erleichterung gewähren.“
Vers 89: Dann ließ er ihnen einen ˹weiteren˺ Weg beschreiten,
Vers 90: bis er bei dem Ort ankam, an dem die Sonne aufgeht. Er sah, dass sie über einem Volk aufging, dem Wir keinen Schutz vor ihr gewährten,11
- 11 Der Vers beschreibt ein Volk ohne Schutz vor der Sonne, was darauf hindeutet, dass sie keine festen Behausungen oder kaum schützende Kleidung hatten oder in einer Region lebten, in der die Sonne zeitweise nicht untergeht. ↩
Vers 91: ebenso,12 und Wir umfassten alles, was er hatte, mit Unserem Wissen.
- 12 „Ebenso“ kann hier unterschiedlich verstanden werden: als Hinweis darauf, dass es ebenso geschah, dass er sie ebenso vorfand, dass sie ebenso keinen Schutz vor der Sonne hatten oder dass ihm – wie beim ersten Volk – die Wahl zwischen Strafe und Nachsicht gegeben war. ↩
Vers 92: Sodann ließ er einen ˹weiteren˺ Weg beschreiten,
Vers 93: bis er bei dem Ort zwischen den beiden Bergkämmen ankam. Er fand hinter ihnen ein Volk, das beinahe kein Wort begriff.
Vers 94: Die Einwohner sagten: „O Dhul-Qarnayn! ˹Die Völker˺ Gog und Magog richten Unheil auf Erden an. Sollen wir dir eine Abgabe zusagen, damit du zwischen uns und ihnen eine Schutzmauer errichtest?“
Vers 95: Er erwiderte: „Was mir mein Herr ermöglichte, ist besser. Helft mir daher mit Manneskraft, dann werde ich zwischen euch und ihnen einen Schutzbau errichten!
Vers 96: Gebt mir Eisenstücke!“ Nachdem er die beiden Berghänge eben gemacht hatte, sagte er: „Blast ˹in den Blasebalg˺!“ Als es zu Feuer wurde, sagte er: „Bringt mir genug, dass ich darüber flüssiges Metall gieße!“
Vers 97: Und so konnten sie (Gog und Magog) ihn (den Schutzbau) weder überwinden noch konnten sie ihn durchbohren.
Vers 98: Er sagte: „Dies ist eine Barmherzigkeit von meinem Herrn. Wenn jedoch die Zeit meines Herrn eintreffen wird, wird Er ihn zu Schutt machen. Und das Versprechen meines Herrn ist stets wahr.“
Tag der Auferstehung
Vers 99: Und Wir werden sie an jenem Tag gewiss wie Wellen aneinandergeraten lassen. Und es wird wahrhaftig in die Posaune geblasen, worauf Wir sie allesamt vereinen werden.
Vers 100: Und die Hölle werden Wir an jenem Tag den Leugnern wahrhaftig vorführen,
Vers 101: und zwar denen, deren Augen zu bedeckt waren, um sich an Meine Ermahnung zu erinnern, und die nie zuhören konnten.
Vers 102: Dachten denn diejenigen, die leugnen, dass sie Meine Diener statt Mir zu Nächsten bestimmen? Wir haben gewiss den Leugnern die Hölle als Aufenthaltsort bestimmt.
Vers 103: Sag: „Sollen wir euch denn nicht von denen erzählen, deren Taten am schlimmsten zunichtewerden?“
Vers 104: Diejenigen ˹sind gemeint˺, deren Anstrengungen im irdischen Leben fehlgeleitet waren und die auch noch dachten, dass sie Gutes tun.
Vers 105: Jene sind diejenigen, die die Zeichen ihres Herrn und das Treffen mit Ihm verleugneten, sodass ihre Taten zunichtewurden. Daher werden Wir ihnen am Tag der Auferstehung keinen Wert beimessen.
Vers 106: Jenes ist ihre Strafe: die Hölle – weil sie leugneten und Meine Zeichen und Meine Gesandten zum Anlass für Spott nahmen!
Vers 107: Denjenigen, die stets glaubten und Rechtschaffenes taten, stehen die höchsten Paradiesgärten als Heim bereit,
Vers 108: in denen sie ewig sind. Sie wollen sich davon nicht abwenden.
Gottes Allwissen
Vers 109: Sag: „Wäre das Meer Tinte für die Worte meines Herrn, dann würde das Meer eher zur Neige gehen, bevor die Worte meines Herrn zu Ende gehen, auch wenn Wir ebenso viel nachfüllen würden.“
Vers 110: Sag ˹o Muhammad˺: „Ich bin nur ein Mensch wie ihr, dem offenbart wird, dass euer Gott ein einziger Gott ist. Wer sich daher das Treffen mit seinem Herrn herbeiwünscht, soll Rechtschaffenes tun und an der Anbetung seines Herrn niemanden teilhaben lassen.“