Al-Maida

Al-Maida

Der Tisch

Einhalten von Verträgen und Pilgerriten

Vers 1: O Gläubige! Haltet die Verträge ein! Euch wurden die Weidetiere erlaubt bis auf das, was euch ˹im Koran˺ vorgetragen wird, nicht jedoch die Jagd, wenn ihr im Weihezustand1 seid. Gott urteilt wahrhaftig, was Er will.

  1. 1 Der Weihezustand gilt für Leute, die nach Mekka pilgern. Sie müssen bestimmte Auflagen erfüllen.

Vers 2: O Gläubige! Missachtet nicht Gottes Riten,2 den heiligen Monat, das Tieropfer, die Opfermarkierungen und die das heilige Haus ˹der Kaaba˺ Bereisenden, die die Güte und Zufriedenheit ihres Herrn anstreben! Und wenn ihr den Weihezustand verlassen habt, dürft ihr ˹wieder˺ jagen.3 Und der Hass gegen ˹bestimmte˺ Leute, die euch von der heiligen Moschee abgehalten haben, soll euch nicht dazu verführen, ˹die Gebote˺ zu verletzen! Und helft euch gegenseitig, um Frömmigkeit und Gottesfurcht zu erlangen! Und helft euch nicht gegenseitig, um Übel und Rechtsverletzungen zu erwirken! Und achtet Gott! Gott ist wahrhaftig streng im Strafen!

  1. 2 Gemeint sind nicht nur die Pilgerriten, die nun folgen. Der heilige Monat ist der Pilgermonat; das Tieropfer meint jenes zum Opferfest bzw. zum Hadsch; die Opfermarkierung meint Gegenstände, die der Pilger am Opfertier anbringt, um es als Tieropfer zu kennzeichnen.
  2. 3 Pilger dürfen im Weihezustand nicht jagen (siehe 5:96).

Zum Essen verbotene Tiere

Vers 3: Euch wurden das Verendete, Blut, Schweinefleisch und das ˹Tier˺ verboten, das für andere als für Gott geweiht wurde, das erwürgte, erschlagene, gestürzte und totgestoßene Tier, das die Raubtiere anfressen – es sei denn, ihr schlachtet es –,4 was auf den Götzenaltären geschlachtet wurde und dass ihr mit Orakelpfeilen das Schicksal bestimmt.5 All jenes ist unverschämte Sünde.Der Islam ist vollkommen Heute haben diejenigen, die leugnen, die Hoffnung verloren, eure Religion ˹zu unterbinden˺. Fürchtet sie also nicht, sondern fürchtet Mich! Heute habe Ich eure Religion für euch vervollständigt, Meine Gnade an euch vollendet und für euch den Islam zur Religion auserwählt.Ausnahmen der Speisegebote Wer allerdings vor Hunger in Not gerät, ohne eine Sünde begehen zu wollen,6 so ist Gott vergebend und barmherzig.

  1. 4 Wenn ein Raubtier essbares Wild gerissen, aber noch nicht getötet hat, kann man es noch schlachten, solange es nicht schon im Todeskampf bzw. lebensgefährlich verletzt ist.
  2. 5 Dies ist ein generelles Verbot aller Arten von Wahrsagerei. Das normale Auslosen bei mehreren Bewerbern ist hingegen erlaubt, solange kein Gewinn ausgelost wird (Glücksspielverbot).
  3. 6 Wer vor dem Hungertod steht, darf selbst sonst verbotene Tiere essen, um zu überleben.

Regeln zur Jagd

Vers 4: Sie fragen dich ˹o Muhammad˺, was ihnen erlaubt ist. Sag ˹ihnen˺: „Euch sind die guten Dinge erlaubt und das ˹Wild˺, auf das ihr abgerichtete Jagdtiere ansetzt, indem ihr ihnen beibringt, was Gott euch lehrte. So esst von dem, was sie für euch erlegen, und erwähnt Gottes Namen dabei!7 Und achtet Gott! Gott ist gewiss schnell im Abrechnen.“

  1. 7 Wer ein Jagdtier auf Wild ansetzt, muss „mit dem Namen Gottes“ sagen, wie beim Schlachten.

Von Juden und Christen geschächtete Tiere

Vers 5: Heute wurden euch die guten Dinge erlaubt und auch das Essen (Geschächtetes Fleisch) derer, denen das Offenbarungsbuch gegeben wurde,8 und euer Essen ist ihnen erlaubt.Ehe mit Jüdinnen und Christinnen Und auch die ehrbaren gläubigen Frauen und die ehrbaren Frauen derer, denen das Offenbarungsbuch vor euch gegeben wurde,9 ˹dürft ihr heiraten,˺ wenn ihr ihnen ihre Brautgabe gebt, um ehrbar zu bleiben, und nicht etwa, um Unzucht zu begehen oder eine ˹feste˺ Geliebte zu nehmen.Der Glaube als Grundlage der Taten Und wer den Glauben leugnet, dessen ˹gute˺ Taten werden zunichte, und er gehört im Jenseits zu den Verlierern.

  1. 8 Muslime dürfen das Fleisch essen, das Juden oder Christen geschächtet haben. Wenn die Schlachtmethode nicht islamkonform ist oder die Person das Tier anderen als Gott weiht, ist das Fleisch hingegen verboten.
  2. 9 Muslimische Männer dürfen prinzipiell gläubige Jüdinnen und Christinnen heiraten, jedoch keine Polytheistinnen oder Atheistinnen.

Rituelle Reinigung zum Gebet

Vers 6: O Gläubige! Wenn ihr vorhabt zu beten, dann wascht eure Gesichter und Arme bis zu den Ellenbogen – und streicht über eure Köpfe – und ˹wascht˺ eure Füße bis zu den Knöcheln! Und wenn ihr im Zustand großer ritueller Unreinheit seid, dann reinigt euch gründlich!10 Und wenn ihr krank oder unterwegs seid, jemand von euch von der Toilette kommt oder ihr mit den Frauen ˹intim˺ verkehrt habt11 und kein Wasser findet, dann sucht nach gutem Boden und streicht damit über eure Gesichter und eure Hände!Die Religion ist keine Belastung Gott will euch keine Bedrängnis aufbürden,12 sondern euch reinigen und euch Seine Gnade vollständig zukommen lassen, damit ihr wohl dankt.

  1. 10 Es gibt einen kleinen und großen Zustand ritueller Unreinheit. Der große erfordert das rituelle Bad (siehe etwa 2:222 zum rituellen Bad nach der Periode).
  2. 11 Dies steht stellvertretend für alle Handlungen, die den kleinen bzw. großen Zustand ritueller Unreinheit verursachen (siehe Fußnote zu 4:43).
  3. 12 Dies ist eines der islamischen Grundprinzipien: Not kennt kein Gebot. Wer sich nicht mit Wasser reinigen kann, der darf auf Erde o. Ä. ausweichen.

Gottes Gnade für die Gläubigen

Vers 7: Und denkt an Gottes Gnade euch gegenüber und an den Bund, den Er mit euch geschlossen hat, als ihr sagtet: „Wir hören und gehorchen“! Und achtet Gott! Gott weiß gewiss um das in den Herzen genau Bescheid.

Absolute Gerechtigkeit

Vers 8: O Gläubige! Setzt euch stets für ˹die Gebote von˺ Gott ein und seid Zeugen für die Gerechtigkeit! Und der Hass gegen ˹bestimmte˺ Leute soll euch nicht dazu verführen, ungerecht zu sein! Seid gerecht, das führt eher zur Gottesfurcht! Und achtet Gott! Gott ist gewiss dessen kundig, was ihr tut.

Vers 9: Gott hat bereits denen versprochen, die stets glauben und Rechtschaffenes tun, dass sie Vergebung und reichliche Belohnung erwarten.

Vers 10: Und diejenigen, die leugnen und Unsere Zeichen verleugnen, sind die Insassen der sengenden Hölle.

Gläubige erinnern sich an Gottes Gnade

Vers 11: O Gläubige! Denkt an Gottes Gnade euch gegenüber, als Leute ihre Hände gegen euch erheben wollten, worauf Er ihre Hände von euch abhielt!13 Und achtet Gott! Und auf Gott vertrauen die Gläubigen.

  1. 13 Dies ist eine Anspielung auf mehrere Ereignisse, in denen Feinde des Islams die Muslime überfallen wollten.

Gottes Bund mit den Israeliten

Vers 12: Und Gott schloss gewiss einst den Bund mit den Kindern Israels und Wir bestimmten unter ihnen zwölf Stellvertreter. Und Gott sagte: „Ich bin wahrhaftig mit euch, solange ihr das Gebet einhaltet, die Zakat entrichtet und an Meine Gesandten glaubt, ihnen beisteht und Gott ein schönes Darlehen gebt, dann werde Ich euch ganz gewiss eure Sünden tilgen und euch in Paradiesgärten einlassen, unter denen die Flüsse dahinfließen. Wer allerdings von euch nach alledem leugnet, der ist gewiss vom geraden Weg abgeirrt.“

Vers 13: Und wegen ihres Vertragsbruchs haben Wir sie verflucht und ihre Herzen hart werden lassen; sie entstellen den Wortsinn und unterließen einen guten Teil dessen, woran sie erinnert wurden. Und du wirst immer wieder einen Betrug von ihnen aufdecken, bis auf wenige unter ihnen. Also vergib ihnen und sei nachsichtig! Gott liebt gewiss die Gütigen.

Gottes Bund mit den Christen

Vers 14: Und mit denen, die sagen: „Wir sind die Christen“, schlossen Wir den Bund ab, doch unterließen sie einen guten Teil dessen, woran sie erinnert wurden, und daher lassen Wir unter ihnen die Feindschaft und den Hass bis zum Tag der Auferstehung andauern. Und Gott wird ihnen bald berichten, was sie einst begingen.

Korrektur von Judentum und Christentum

Vers 15: O Anhänger der Buchreligionen! Zu euch ist bereits Unser Gesandter gekommen, der für euch vieles von dem ans Licht bringt, was ihr ˹von dem euch gesandten Buch˺ verheimlicht habt; und er verzeiht einiges. Zu euch ist schon von Gott ein Licht und ein klärendes Buch gekommen,

Vers 16: mit dem Gott auf die Wege des Friedens führt, wer nach Seinem Wohlgefallen strebt, und sie aus den Finsternissen mit Seiner Erlaubnis zum Licht holt und sie auf einen geraden Weg führt.

Jesus ist nicht Gottes Sohn

Vers 17: Es leugnen ganz gewiss diejenigen, die meinen, Gott wäre der Messias, Sohn der Maria. Sag: „Wer könnte denn Gott daran hindern, wenn Er den Messias, Sohn der Maria, seine Mutter und alle auf Erden vernichten will?“ Und Gott gehört die Herrschaft über die Himmel und die Erde und was zwischen beiden ist. Er erschafft, was Er will. Und Gott hat Macht über alle Dinge.

Weder Juden noch Christen sind auserwählt

Vers 18: Und die Juden und die Christen sagen: „Wir sind die Söhne und Lieblinge Gottes.“ Sag ˹ihnen˺: „Warum bestraft Er euch dann wegen eurer Sünden? Ihr seid vielmehr Menschen, die Er erschuf.“ Er vergibt, wem Er will, und bestraft, wen Er will. Und Gott gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde und dessen, was zwischen beiden ist. Und zu Ihm gelangt alles.

Vers 19: O Anhänger der Buchreligionen! Unser Gesandter hat euch gewiss nach einer Zeit ohne Gesandte aufgesucht. Er erklärt euch alles, damit ihr nicht behauptet: „Uns hat kein Verkünder und kein Warner erreicht.“ Doch ist bereits ein Verkünder und Warner zu euch gelangt. Und Gott ist zu allem fähig.

Israeliten ließen Moses im Stich

Vers 20: Und ˹denke daran,˺ als Moses zu seinem Volk sagte: „O mein Volk! Denkt an Gottes Gnade an euch, als Er unter euch Propheten ernannte, euch zu Königen machte und euch gab, was Er keinem einzigen Zeitgenossen gab!

Vers 21: O mein Volk! Betretet das Heilige Land, das Er ˹damals˺ für euch bestimmte, und wendet euch ja nicht ˹vom Glauben˺ ab, sonst werdet ihr als Verlierer dastehen!“

Vers 22: Sie (die Israeliten) sagten: „O Moses! Dort hausen gewalttätige Leute! Und wir werden es niemals betreten, bevor sie es verlassen. ˹Erst˺ wenn sie von dort fortgehen, werden wir gewiss einziehen.“

Vers 23: Zwei der Männer, die ˹Gott˺ fürchten und denen Gott eine Gnade erwies, sagten: „Stürmt durch das Tor zu ihnen hinein! Denn wenn ihr es betreten habt, werdet ihr gewiss siegen. Und auf Gott sollt ihr vertrauen, wenn ihr denn gläubig seid!“

Vers 24: Sie (die Israeliten) antworteten: „O Moses! Wir werden es niemals betreten, solange sie dort bleiben! Geh doch du mit deinem Herrn los und kämpft ihr beide! Wir bleiben ganz sicher hier.“

Moses distanziert sich von den Israeliten

Vers 25: Er (Moses) sagte: „Mein Herr, ich habe nur mich und meinen Bruder! Richte14 also zwischen uns und dem offen sündigenden Volk!“

  1. 14 Oder „Trenne zwischen uns […]!“

Vers 26: Er (Gott) sagte: „Es soll ihnen verboten sein, vierzig Jahre, sie sollen im Land herumirren! Sei also nicht traurig wegen des offen sündigenden Volkes!“

Streit zwischen Kain und Abel

Vers 27: Und erzähle ihnen vom Ereignis der beiden Söhne Adams (Kain und Abel): Als beide ein Opfer brachten, wurde es von einem (Abel) angenommen und vom anderen nicht, da sagte dieser (Kain): „Ich werde dich töten!“, worauf er (Abel) entgegnete: „Gott nimmt ˹Taten˺ nur von den Gottesfürchtigen an.

Vers 28: Wenn du (Kain) deine Hand gegen mich erhebst, um mich zu töten, werde ich auf keinen Fall meine Hand gegen dich erheben, um dich zu töten. Ich fürchte nämlich Gott, den Herrn der Geschöpfe!

Vers 29: Ich will eher, dass du die Sünde an mir und an dir auf dich nimmst,15 doch dann gehörst du zu den Hölleninsassen. Und jenes ist die Vergeltung der Übertreter.“

  1. 15 Gemeint ist die Sünde für den Brudermord. Abel wollte sich lieber töten lassen, als gegen seinen Bruder zu kämpfen.

Vers 30: Doch ihn (Kain) trieb sein Inneres zum Mord an seinem Bruder, und so tötete er ihn und wurde zum Verlierer.

Vers 31: Da sandte Gott einen Raben, der im Boden scharrte, um ihm (Kain) zu zeigen, wie er die Schande an seinem Bruder verbergen kann.16 Er (Kain) sagte: „O wehe mir! Bin ich nicht einmal fähig, wie dieser Rabe zu sein und die Schande an meinem Bruder zu verbergen?“ Und so wurde er reuevoll.

  1. 16 Der Rabe verscharrte einen toten Raben und zeigte Kain so, dass er seinen Bruder beerdigen soll.

Mord ist eine der schlimmsten Sünden

Vers 32: Deswegen schrieben Wir den Kindern Israels vor17, dass derjenige, der einen Menschen tötet, der weder Mord begangen noch Unheil auf Erden gestiftet hat,18 demjenigen gleicht, der die gesamte Menschheit tötet. Und wer ihn am Leben lässt, gleicht dem, der das Leben der gesamten Menschheit rettet. Und ihnen überbrachten bereits Unsere Gesandten die klaren Beweise, doch wurden viele von ihnen auf Erden maßlos.

  1. 17 Auch wenn dieses Gebot einst den Israeliten auferlegt wurde, richtet es sich hier auch an die Muslime, die der Koran schließlich adressiert. Dies betonen zudem zahlreiche Aussagen des Propheten ﷺ.
  2. 18 Mit dem Unheil sind hier schwere Straftaten gegen Leib und Leben wie Raubmord gemeint, die die öffentliche Sicherheit gefährden (siehe auch folgenden Vers).

Schwere Straftaten gegen die Gesellschaft

Vers 33: Die Strafe für diejenigen, die Gott und Seinem Gesandten den Krieg erklären und auf Erden Unheil verursachen, ist allein, dass sie getötet, gekreuzigt, oder ihre Hände und Beine wechselseitig abgetrennt oder sie des Landes verwiesen werden. Jenes soll eine Erniedrigung für sie im Diesseits sein. Doch erwartet sie im Jenseits eine schlimme Qual.

Vers 34: Dies gilt jedoch nicht für diejenigen, die reuevoll umkehren, bevor ihr ihrer habhaft werdet. Ihr sollt wissen, dass Gott vergebend und barmherzig ist.

Erfolg kommt durch Gottesfurcht

Vers 35: O Gläubige! Fürchtet Gott, strebt Seine Nähe an und bemüht euch auf Seinem Weg, auf dass ihr wohl erfolgreich seid!

Niemand kann Gottes Strafe abwenden

Vers 36: Wenn diejenigen, die leugnen, alles auf Erden besitzen würden und noch einmal so viel, um sich damit von der Qual am Tag der Auferstehung loszukaufen, würde es nicht von ihnen akzeptiert werden; und sie erwartet eine schmerzhafte Qual.

Vers 37: Sie wollen dem Feuer entkommen, doch werden sie es nicht verlassen, und ihnen droht eine bleibende Pein.

Strafe für Diebstahl

Vers 38: Und dem Dieb und der Diebin schneidet die Hände ab als Vergeltung für das, was sie begangen haben, und als mahnende Strafe von Gott.19 Und Gott ist allmächtig und allweise.

  1. 19 Drakonische Strafen bei Diebstahl unterliegen strengen Voraussetzungen. Dazu zählen unter anderem ein bestimmter Mindestwert des Gestohlenen, das Fehlen einer Notlage sowie weitere rechtliche Bedingungen, sodass die Strafe nicht pauschal angewendet wird.

Vers 39: Wer jedoch nach seinem Verbrechen reuevoll umkehrt und rechtschaffen handelt, so nimmt Gott seine Reue sicherlich an. Denn Gott ist vergebend und barmherzig.

Vers 40: Hast du etwa nicht gewusst, dass Gott die Herrschaft der Himmel und der Erde gehört? Er bestraft, wen Er will, und vergibt, wem Er will. Und Gott ist zu allem fähig.

Warnung vor der Entstellung der Offenbarung

Vers 41: O Gesandter! Dich sollen nicht diejenigen traurig stimmen, die voreilig zum Leugnen neigen, ˹also˺ von denen, die „Wir glauben“ mit den Lippen bekennen, deren Herzen jedoch nicht glauben. Und unter den Juden gibt es manche, die stets der Lüge zuhören und auch anderen Leuten lauschen, die nicht zu dir gekommen sind.20 Sie entstellen den Wortsinn, nachdem er bereits feststand. Sie sagen: „Wenn ihr es erhaltet, nehmt es an, doch wenn ihr es nicht erhaltet, nehmt euch in Acht!“21 Und wen Gott versuchen will, dem kannst du niemals gegen Gott beistehen. Ihnen gebührt im Diesseits Schande, und im Jenseits erwartet sie eine schlimme Qual.

  1. 20 Der Vers bezieht sich auf eine jüdische Gemeinde in Medina, die aus Trotz den Propheten ﷺ selbst nichts fragen wollte, stattdessen jedoch andere mit Fragen zu ihm schickte.
  2. 21 Als zwei Juden Ehebruch begangen hatten, sandten Angehörige ihrer Gemeinde Gesandte zum Propheten ﷺ, um ihn nach dem Urteil zu fragen. Sie hofften, er werde ein milderes Urteil sprechen als die in der Thora vorgesehene Steinigung (vgl. Deuteronomium 22,23–24). Fiele sein Urteil milder aus, wollten sie es annehmen; entspräche es jedoch der Steinigung oder wäre es strenger, beabsichtigten sie, es nicht von ihm zu akzeptieren.

Kritik an der Missachtung der Thora

Vers 42: Sie hören stets der Lüge zu und verschlingen Schändliches. Und wenn sie dich ˹o Muhammad˺ aufsuchen, dann richte zwischen ihnen oder ignoriere sie! Und wenn du sie ignorierst, werden sie dir niemals schaden! Und wenn du richtest, dann urteile gerecht zwischen ihnen! Denn Gott liebt die Gerechten.

Vers 43: Und warum wollen sie dich ˹o Muhammad˺ zum Richter bestimmen, obwohl sie die Thora haben, die Gottes Urteil enthält, und sich anschließend abwenden? Und jene sind nicht gläubig.

Urfassung der Thora

Vers 44: Wir haben wahrhaftig die Urthora herabgesandt, die Führung und Licht enthält. Nach ihr richteten die Propheten, die sich ˹Gott˺ hingaben, zwischen den Juden, und auch die gottgefälligen Schriftgelehrten und Rabbiner richteten mit dem, was für sie vom Buch Gottes bewahrt wurde,22 und sie waren hierüber Zeugen. Fürchtet daher nicht die Menschen, sondern fürchtet Mich! Und verkauft Meine Verse nicht billig! Und wer nicht nach dem urteilt, was Gott herabgesandt hat, jene sind die Glaubensleugner.

  1. 22 Die Thora ist nicht im Original erhalten, doch enthält der heutige Text noch Teile des Originals, dies ist hiermit gemeint.

Vers 45: Und Wir schrieben ihnen in ihr (der Urthora) vor: Seele um Seele, Auge um Auge, Nase um Nase, Ohr um Ohr und Zahn um Zahn. Und die Verletzungen sind zu vergelten.23 Wer allerdings davon absieht, für den gilt dies (der Rechtsverzicht) als eine Sühne. Und wer nicht nach dem richtet, was Gott herabsandte, jene sind die Übertreter.

  1. 23 Gemeint ist hier im Rechtskontext nicht Selbstjustiz, sondern die körperliche Vergeltung bei Körperverletzung unter richterlicher Aufsicht nach einem Gerichtsurteil, wobei der zugefügte Schaden dem verursachten genau entsprechen muss („Auge um Auge“). Neben dieser körperlichen Vergeltung ist auch eine finanzielle Entschädigung möglich. Verzichtet das Opfer jedoch und vergibt dem Täter, gilt dies als besser.

Jesus erhielt das Urevangelium

Vers 46: Dann ließen Wir in den Fußstapfen jener ˹Propheten˺ Jesus, den Sohn der Maria, folgen. Er bestätigte, was er vor sich von der Urthora hatte, außerdem gaben Wir ihm das Urevangelium, in dem Führung und Licht enthalten sind; es bestätigt das, was vor ihm in der Urthora stand, und es ist eine Führung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen.

Vers 47: Und so müssen die Anhänger des Evangeliums nach dem richten, was Gott darin herabsandte. Und wer nicht nach dem richtet, was Gott herabsandte, jene sind die unverschämten Sünder.

Der Koran ist die Fortsetzung früherer Offenbarungen

Vers 48: Und Wir haben dir ˹o Muhammad˺ das Buch (den Koran) mit der Wahrheit herabgesandt, um das zu bestätigen, was zuvor im Buch (der Urbibel) stand, und um es zu übertreffen. Richte daher zwischen ihnen nach dem, was Gott ˹darin˺ herabsandte! Und folge nicht ihren Gelüsten auf Kosten der Wahrheit, die zu dir kam! Für jeden von euch haben Wir Gebote und einen Weg bestimmt. Und hätte Gott gewollt, so hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Vielmehr ist es nun so, um euch mit dem zu prüfen, was Er euch ˹an Geboten und Versorgung˺ gab. Wetteifert daher im Guten! Zu Gott werdet ihr alle zurückkehren, worauf Er euch berichten wird, worüber ihr euch einst gestritten habt.

Vers 49: Und richte du ˹o Muhammad˺ zwischen ihnen nach dem, was Gott ˹im Koran˺ herabsandte, und folge nicht ihren Gelüsten! Und nimm dich in Acht, dass sie dich nicht dazu verführen, einen Teil dessen zu vernachlässigen, was Gott dir herabgesandt hat! Und sollten sie sich abwenden, dann wisse, dass Gott sie wegen einiger Sünden heimsuchen will. Und viele Menschen sind ganz gewiss unverschämte Sünder.

Vers 50: Wollen sie etwa das Recht der Unwissenheit?24 Und wer richtet besser als Gott für überzeugte Menschen?

  1. 24 Der Vers meint das vorislamische Stammesrecht sowie jedes unzulässige Gewohnheitsrecht.

Engste Vertraute der Heuchler

Vers 51: O Gläubige! Macht euch nicht die Juden und Christen zu euren engsten Vertrauten.25 Sie sind sich selbst die Nächsten. Und wer sich von euch ihnen ˹vollkommen˺ zuwendet, der gehört sicherlich zu ihnen. Gott führt gewiss das übertreterische Volk nicht zum Guten.

  1. 25 Siehe die Fußnote zu 3:28.

Vers 52: Doch siehst du, wie diejenigen, deren Herzen krank sind, sich um jene bemühen. Sie sagen: „Wir befürchten, dass uns ein Unheil trifft.“ Gott könnte doch den Sieg oder etwas anderes von sich aus bringen, sodass sie bereuen, was sie verheimlicht haben.

Vers 53: Und diejenigen, die stets glauben, werden sagen: „Sind das etwa jene ˹Heuchler˺, über die sie (manche Muslime) hoch und heilig schworen, dass sie zu euch ˹Muslimen˺ halten? Ihre Taten sind verfallen, sodass sie zu Verlierern wurden.“

Abfall vom Glauben

Vers 54: O Gläubige! Wenn jemand von euch von seiner Religion abfällt, so wird Gott ein Volk hervorbringen, das Er liebt und das Ihn liebt: ˹ein Volk,˺ das nachsichtig gegenüber den Gläubigen und stolz gegenüber den Glaubensgegnern ist: ˹ein Volk,˺ das sich um Gottes Sache bemüht und die Kritik keines Nörglers fürchtet. Jenes ist Gottes Güte, die Er gewährt, wem Er will. Und Gott ist wahrhaftig Allumfassend und Allwissend.

Die Bindung der Gläubigen

Vers 55: Eure Nächsten sind nur Gott, Sein Gesandter und diejenigen, die stets glauben, die das Gebet ˹in Ehren˺ einhalten, die Zakat entrichten und sich verbeugen.

Vers 56: Wer sich aber von Gott, Seinem Gesandten und denen abwendet, die stets glauben: Gottes Gemeinschaft wird gewiss siegen.

Vers 57: O Gläubige! Macht nicht diejenigen zu Nächsten, die eure Religion zum Anlass für Spott und Spielerei nehmen, weder unter denjenigen, denen das Offenbarungsbuch vor euch gegeben wurde, noch unter den Ungläubigen! Und fürchtet Gott, wenn ihr gläubig seid!

Formen von Islamhass

Vers 58: Und wenn ihr zum Gebet ruft, machen sie es zum Anlass für Spott und Spielerei. Dies liegt daran, dass sie Leute sind, die nicht begreifen.

Vers 59: Sag ˹ihnen˺: „O Anhänger der Buchreligionen! Habt ihr etwa nur an uns auszusetzen, dass wir an Gott und an das glauben, was zu uns und was vorher ˹zu euch˺ herabgesandt wurde, und dass die meisten von euch unverschämte Sünder sind?“

Vers 60: Sag ˹ihnen˺: „Soll ich euch nicht von einer Strafe erzählen, die bei Gott weit schlimmer ist? Wen Gott verfluchte, wem Er zürnte, wen Er teils in Affen und Schweine verwandelte und wer den falschen Gott anbetete?“26 Jene nehmen einen übleren Rang ein und sind weit mehr vom geraden Weg abgeirrt.

  1. 26 Der Fluch bezieht sich auf jene Israeliten, die sich Moses widersetzten und so verflucht wurden (siehe 5:21–26, 33:69). Die Affen und Schweine sind eine Anspielung auf Dorfbewohner, die bestraft wurden, als sie den Sabbat missachteten (siehe 7:163–166). Mit dem falschen Gott ist etwa das goldene Kalb der Israeliten gemeint (siehe 7:148 ff.).

Vers 61: Und wenn sie zu euch kommen, sagen sie: „Wir glauben“, doch sind sie gewiss ungläubig ˹bei euch˺ eingetreten und auch so hinausgegangen. Und Gott weiß am besten, was sie stets verheimlichten.

Vers 62: Und du wirst bemerken, dass viele von ihnen sich eilig um Schlimmes, die Übertretung und das Verschlingen von Schändlichem bemühen. Und schlimm ist gewiss, was sie stets taten!

Vers 63: Hätten ihnen doch nur die gottgefälligen Schriftgelehrten und Rabbiner verboten, Schlimmes zu sagen und Schändliches zu verschlingen! Und schlimm ist gewiss, was sie stets vollbrachten!

Kritik am jüdischen Gottesbild

Vers 64: Und ˹manche˺ Juden sagten, die Hand Gottes sei gebunden! Mögen ihnen die Hände gebunden sein und mögen sie für das verflucht werden, was sie gesagt haben! Vielmehr sind Seine beiden Hände offen, Er verteilt, wie Er will. Und das, was zu dir ˹o Muhammad˺ von deinem Herrn herabgesandt wurde, wird gewiss viele unter ihnen in ihrer Übertretung und ihrer Glaubensleugnung befeuern. Und Wir lassen zwischen ihnen die Feindschaft und den Hass bis zum Tag der Auferstehung bestehen. Jedes Mal, wenn sie ein Kriegsfeuer anschürten, löschte Gott es. Und sie bemühen sich, auf Erden Unheil zu stiften, doch Gott liebt die Unheilstifter nicht.

Vers 65: Und wenn die Anhänger der Buchreligionen nur geglaubt hätten und gottesfürchtig gewesen wären, dann hätten Wir ihnen gewiss ihre Sünden getilgt und sie die wonnigen Paradiesgärten betreten lassen.

Vers 66: Und hätten sie die Urthora und das Urevangelium korrekt eingehalten und auch das, was ihnen von ihrem Herrn herabgesandt wurde, dann hätten sie über sich und zu ihren Füßen Essen gefunden. Unter ihnen ist eine gemäßigte Gemeinschaft, doch schlimm ist, was viele von ihnen tun!27

  1. 27 Dies bedeutet, dass es gläubige und aufrichtige Juden und Christen gab, viele jedoch die Religion entstellten und missbrauchten und dadurch falsche Wege für die nächsten Generationen geebnet haben.

Propheten müssen Gottes Botschaft überbringen

Vers 67: O Gesandter! Übermittle, was dir von deinem Herrn herabgesandt wurde! Doch wenn du es nicht tust, hast du Seine Botschaft nicht übermittelt. Und Gott schützt dich vor den Menschen. Gott führt gewiss das leugnerische Volk nicht zum Guten.

Vers 68: Sag ˹ihnen˺: „O Anhänger der Buchreligionen! Ihr habt keine Grundlage, solange ihr nicht die Thora und das Evangelium korrekt einhaltet und auch das, was euch von eurem Herrn herabgesandt wurde (den Koran).“ Und das, was zu dir ˹o Muhammad˺ von deinem Herrn herabgesandt wurde, wird gewiss viele unter ihnen in ihrer Übertretung und ihrer Glaubensleugnung befeuern. Sei also nicht traurig wegen des leugnerischen Volkes!

Vers 69: Diejenigen, die glauben (die Muslime), die ˹reuevoll Gott˺ zugewandten Juden, Christen und Sabäer28 – wer an Gott und den Jüngsten Tag glaubt und Rechtschaffenes tut, sie werden weder Angst haben noch werden sie trauern.

  1. 28 Eine alte Religionsgemeinschaft im Nahen Osten.

Israeliten brechen den Bund Gottes

Vers 70: Wir schlossen ganz gewiss den Bund mit den Kindern Israels und schickten zu ihnen Gesandte. Jedes Mal, wenn ihnen ein Gesandter etwas überbrachte, was nicht ihren Gelüsten entsprach, verleugneten sie manche, und töteten andere.

Vers 71: Und sie dachten, dass keine Versuchung geschehen könnte, also wurden die meisten unter ihnen blind und taub. Und Gott sieht genau, was sie tun.

Kritik an der Trinität

Vers 72: Diejenigen ˹Christen˺, die sagen, Gott sei der Messias, Sohn der Maria, sind ganz gewiss vom Glauben abgekommen. Denn der Messias sagte: „O Kinder Israels! Betet Gott an, meinen und euren Herrn! Wer etwas neben Gott anbetet, dem verbietet Gott ganz sicher das Paradies, und seine Zuflucht wird die Hölle sein. Und die Übertreter haben keine Helfer.“

Vers 73: Diejenigen ˹Christen˺, die sagen, Gott sei der Dritte von dreien, sind ganz gewiss vom Glauben abgekommen. Es gibt doch nichts Anbetungswürdiges außer den einen Gott. Doch wenn sie nicht aufhören, dies zu behaupten, wird sie, die leugnen, ganz gewiss eine schmerzvolle Qual treffen.

Vers 74: Wollen sie sich denn nicht reuevoll Gott zuwenden und Ihn um Vergebung bitten? Und Gott ist vergebend und barmherzig.

Das wahre Wesen Jesu

Vers 75: Der Messias, der Sohn der Maria, ist nichts als ein Gesandter, vor dem bereits ˹andere˺ Gesandte dahingeschieden sind, und seine Mutter ist eine ehrbare Frau. Beide nahmen Essen zu sich. Betrachte also, wie Wir ihnen die Zeichen klar zeigen, und betrachte, wie sie sich nach alledem abwenden!

Das Hinterfragen der Trinität

Vers 76: Sag: „Betet ihr etwa neben Gott etwas an, was euch weder schaden noch nützen kann, obwohl Gott der Allhörende und Allwissende ist?“

Vers 77: Sag ˹ihnen˺: „O Anhänger der Buchreligionen! Treibt es in eurer Religion nicht unrechtmäßig zu weit! Und folgt nicht den Neigungen von Leuten, die bereits zuvor abgeirrt sind, viele in die Irre führten und vom geraden Weg abgekommen sind!“

Vers 78: Diejenigen Kinder Israels, die leugneten, wurden mit den Worten Davids und Jesu, des Sohnes der Maria, verflucht. Dies ist so, weil sie sich auflehnten und stets ˹Gottes Grenzen˺ überschritten.

Vers 79: Sie hielten sich nicht gegenseitig von einem Übel ab, das sie begangen hatten. Und schlimm ist gewiss, was sie stets taten!

Vers 80: Du wirst bemerken, dass sich viele von ihnen denen zuwenden, die leugnen. Schlimm ist, was sie für sich ˹im Jenseits˺ vorausschickten, sodass Gott ihrer zürnte! Und sie werden ewig in der Qual bleiben.

Vers 81: Und wenn sie an Gott, den Propheten und das, was ihm herabgesandt wurde, glauben würden, hätten sie sie nicht zu ihren engsten Vertrauten gemacht. Doch sind viele von ihnen unverschämte Sünder.

Juden, Christen und Polytheisten gegenüber Muslimen

Vers 82: Du wirst ganz gewiss erkennen, dass die den Gläubigen am feindseligsten gesinnten Menschen die Juden und diejenigen sind, die andere ˹neben Gott˺ verehren. Und du wirst ganz gewiss erkennen, dass die den Gläubigen eher freundlich Gesinnten diejenigen sind, die sagen: „Wir sind Christen.“ Dies ist so, weil es unter ihnen Priester und Mönche gibt und weil sie nicht hochmütig sind.

Vers 83: Und wenn sie dem zuhören, was zum Gesandten herabgesandt wurde, siehst du, wie ihre Augen vor Tränen überlaufen, weil sie nun etwas von der Wahrheit erkennen. Sie sagen: „Unser Herr, wir glauben! Lass uns also zu den Zeugen gehören!

Vers 84: Und was hält uns denn davon ab, an Gott und die Wahrheit zu glauben, die zu uns gelangt ist? Denn wir verlangen doch danach, dass unser Herr uns mit den rechtschaffenen Leuten ˹ins Paradies˺ eingehen lässt!“

Vers 85: Daher belohnte sie Gott für das, was sie sagten, mit Paradiesgärten, unter denen die Flüsse dahinfließen; ewig werden sie darin sein.29 Und jenes ist die Belohnung für die Gütigen.

  1. 29 Gemeint sind Christen, die den Islam annahmen.

Vers 86: Und diejenigen, die leugnen und Unsere Zeichen verleugnen, sind die Insassen der sengenden Hölle.

Gott erlaubt Gutes

Vers 87: O Gläubige! Verbietet nicht die guten Dinge, die Gott euch erlaubt hat, und werdet nicht maßlos! Gott liebt gewiss die Maßlosen nicht.

Vers 88: Und esst von dem, womit Gott euch versorgt hat, das Erlaubte und Gute! Und achtet Gott, an den ihr glaubt!

Sühne für gebrochene Schwüre

Vers 89: Gott belangt euch nicht für unbedachte Worte in euren Schwüren, vielmehr belangt Er euch für die Schwüre, die ihr entschlossen äußert. Deren Sühne ist das Speisen von zehn Armen in dem Maß, in dem ihr üblicherweise euren Familien zu essen gebt, oder sie (die Armen) einzukleiden oder einen Sklaven zu befreien. Wer das nicht kann, fastet drei Tage. Das ist die Sühne für eure ˹gebrochenen˺ Schwüre, wenn ihr ˹entschlossen˺ geschworen habt. Und haltet eure Schwüre! So verdeutlicht Gott euch Seine Zeichen, auf dass ihr wohl dankbar seid.

Endgültiges Verbot von Alkohol und Glücksspiel

Vers 90: O Gläubige! Der Alkohol, das Glücksspiel, die Götzenaltäre und Lospfeile30 sind Schmutz des Satanswerks, also vermeidet dies, damit ihr wohl erfolgreich sein werdet!

  1. 30 Diese Lospfeile dienten zur Wahrsagerei. Der Vers verbietet daher alle Formen des Aberglaubens und der Zukunftsdeutung.

Vers 91: Der Satan will mit dem Alkohol und Glücksspiel nur Streit und Hass zwischen euch erzielen und euch vom Gedenken Gottes und dem Gebet abhalten. Hört ihr also ˹endlich˺ damit auf?

Vers 92: Und gehorcht Gott und gehorcht dem Gesandten und passt auf! Und solltet ihr euch abwenden, dann müsst ihr wissen, dass Unser Gesandter nur zur klaren Verkündung verpflichtet ist!

Vers 93: Diejenigen, die stets glauben und Rechtschaffenes tun, trifft keine Sünde bei dem, was sie essen, wenn sie gottesfürchtig sind, glauben und Rechtschaffenes tun, sodann ˹abermals˺ gottesfürchtig sind und glauben und danach ˹erneut˺ gottesfürchtig und gütig handeln.31 Und Gott liebt die Gütigen.

  1. 31 Der Vers gilt für Gläubige, die Verbotenes aßen, bevor sie vom Verbot erfuhren und für Gläubige, die Verbotenes essen, ohne es zu bemerken.

Jagdverbot im Zustand der Pilgerweihe

Vers 94: O Gläubige! Gott wird euch gewiss mit manchem Jagdwild32 prüfen, das ihr mit euren Händen oder Speeren erwischen könntet, damit Er weiß, wer Gott auch im Verborgenen fürchtet. Wer jedoch danach übergriffig wird, dem droht eine schmerzhafte Qual

  1. 32 Gemeint ist entweder solches Wild, das zu essen verboten ist, oder das Jagen im Zustand der Pilgerweihe, das generell verboten ist.

Vers 95: O Gläubige! Tötet im Zustand der Pilgerweihe kein Wild! Wer es jedoch von euch absichtlich tötet, dessen Sühne ist es, ein dem getöteten ˹Wild˺ entsprechendes Weidetier ˹zu opfern˺ – hierüber richten zwei vertrauenswürdige Personen unter euch – als Opfer für die ˹Anwohner der˺ Kaaba.33 Oder aber die Speisung von Armen oder das Fasten für entsprechende Tage, damit er die Folgen seiner Tat zu spüren bekommt. Gott hat verziehen, was zuvor geschah. Doch wer rückfällig wird, dem wird Gott dies vergelten. Und Gott ist ehrwürdig und der Herr der Vergeltung.

  1. 33 Zwei Gutachter urteilen, welches Nutztier dem gejagten Wild entspricht und geopfert werden muss. Das Fleisch wird an Bedürftige in Mekka gespendet. Sollte man dies nicht können, sollen entsprechend der Fleischmenge Arme gespeist werden. Wenn man dies auch nicht kann, soll man entsprechend viele Tage fasten.

Vers 96: Euch wurde das Jagen im Meer erlaubt und davon (von den Meeresfrüchten) zu essen, als Versorgung für euch und für die Karawane. Doch ist euch das Jagen an Land verboten, solange ihr im Zustand der Pilgerweihe seid. Und fürchtet Gott, vor dem ihr einst versammelt werdet!

Unantastbarkeit der Kaaba, Monate und Opfer

Vers 97: Gott machte die Kaaba, das heilige Haus, zur Stütze34 für die Menschen, außerdem den heiligen Monat, das Tieropfer und die Opfermarkierungen.35 Dies ist so, damit ihr wisst, dass Gott weiß, was in den Himmeln und was auf Erden ist, und dass Gott um alle Dinge weiß.

  1. 34 Mit der Stütze ist einerseits die Unterstützung für die Mekkaner gemeint, die von überall her versorgt werden, obwohl Mekka karg ist (siehe 28:57 und 29:67). Andererseits ist die Kaaba ein Zentrum für die Gläubigen.
  2. 35 Zur Opfermarkierung siehe die Fußnote zu 5:2.

Motivation zu guten Taten

Vers 98: Wisst, dass Gott streng im Strafen und auch vergebend und barmherzig ist!

Vers 99: Der Gesandte ist nur zur Verkündung verpflichtet. Und Gott weiß, was ihr zeigt und was ihr verheimlicht.

Vers 100: Sag: „Das Üble und Gute ist nicht gleich, selbst wenn dir ˹o Mensch˺ Übles gefiele.“ Fürchtet also Gott, o ihr Verständigen, auf dass ihr wohl erfolgreich sein werdet!

Verbot sinnloser Detailfragen

Vers 101: O Gläubige! Fragt nicht nach Dingen, die euch nicht gefallen würden, wenn sie euch klar werden!36 Und wenn ihr nach ihnen fragt, während der Koran herabgesandt wird, dann werden sie euch klar, Gott hat es bereits verziehen.37 Und Gott ist vergebend und nachsichtig.

  1. 36 Das Verbot bezieht sich auf unnötige Fragen, wie sie die Israeliten stellten, etwa nach den genauen Eigenschaften der Kuh, die sie opfern sollten. (siehe 2:67–71).
  2. 37 Oder: „Gott hat darüber hinweggesehen.“ Dies bedeutet, dass Gott eigentlich über die Sache, nach der manche Menschen fragen, hinwegsah, um den Menschen einen gewissen Freiraum zu lassen.

Vers 102: Nach diesen Dingen fragten schon Leute vor euch, worauf sie deswegen vom Glauben abfielen.

Verbot des Aberglaubens

Vers 103: Gott bestimmte nicht, dass einem Tier die Ohren einzureißen sind, dass ein Tier für tabu erklärt wird, dass ein Tier durch eine Zwillingsgeburt tabu wird und auch nicht, dass der Rücken des Tiers tabu wird.38 Es ist eher so, dass diejenigen, die leugnen, über Gott Lügen erfinden. Und die meisten unter ihnen sind unvernünftig.

  1. 38 Es handelt sich um Formen des vorislamischen Aberglaubens bei Nutztieren: Nach bestimmten Regeln, die die Araber damals erfanden, wurden Tiere für unantastbar erklärt oder mussten den Götzen geopfert werden. Dabei waren die Anzahl von Würfen des Muttertiers und das Geschlecht der Jungtiere des letzten Wurfs entscheidend.

Vers 104: Und wenn man ihnen sagt: „Kommt doch zu dem, was Gott herabsandte, und zum Gesandten!“, sagen sie: „Wir begnügen uns mit dem Brauch, den wir von unseren Vorvätern kannten.“ Und was ist, wenn ihre Vorväter kein Wissen hatten und nicht rechtgeleitet waren?

Vers 105: O Gläubige! Beschützt euch selbst, dann schadet euch nicht, wer abgeirrt ist, wenn ihr rechtgeleitet seid! Zu Gott werdet ihr alle zurückkehren, worauf Er euch berichten wird, was ihr getan habt.

Zeugen für das Aufsetzen des Testaments

Vers 106: O Gläubige! Wenn jemand von euch im Sterben liegt, sollen beim Testament39 zwei zuverlässige Leute von euch dies bezeugen, oder zwei fremde, wenn ihr auf Reisen seid und euch der Tod ereilt. Ihr fordert die beiden nach dem Gebet auf, zu bleiben, worauf beide bei Gott schwören, wenn ihr zweifeln solltet: „Wir streben damit keinen Vorteil an, selbst wenn er (der Verstorbene) ein Verwandter sein sollte. Und wir verheimlichen nichts von der Zeugenaussage bei Gott, denn dann wären wir gewiss Sünder.“

  1. 39 Der Islam unterscheidet zwischen dem Pflichterbe (siehe 4:11 f.) und dem Testament, das als Spende neben dem Pflichterbe gilt.

Vers 107: Wenn sich allerdings herausstellen sollte, dass beide Übles getan haben, dann sollen zwei andere von denen, die von den ersten beiden geschädigt wurden, an ihre Stelle treten und schwören: „Bei Gott, unsere Zeugenaussage ist richtiger als das Zeugnis jener beiden, und wir haben kein Recht verletzt! Ansonsten wären wir gewiss Übertreter.“

Vers 108: Dies führt eher dazu, dass sie die Zeugenaussage ordnungsgemäß ablegen, und bewirkt eher, dass die ersten beiden ˹Zeugen˺ fürchten, dass ihre Eide nach dem Schwören abgelehnt werden. Und fürchtet Gott und gehorcht! Und Gott führt die unverschämten Leute nicht zum Guten.

Gott befragt die Propheten im Jenseits

Vers 109: Am Tag, an dem Gott die Gesandten versammeln und fragen wird: „Was wurde euch geantwortet?“, werden sie antworten: „Wir haben kein Wissen hierüber! Allein Du bist der um das Verborgene Wissende.“

Gottes Gnade mit Jesus

Vers 110: ˹Denke daran:˺ Als Gott sagte: „O Jesus! Sohn der Maria, erinnere dich an Meine Gnade mit dir und deiner Mutter, als Ich dir mit dem heiligen Geist ˹Gabriel˺ beistand; du sprachst zu den Menschen in der Wiege und als reifer Mann. Und ˹denke daran,˺ als Ich dich das Buch, die Weisheit, die Urthora und das Urevangelium lehrte. Und ˹denke daran,˺ als du aus Lehm mit Meiner Erlaubnis etwas in der Form eines Vogels erschaffen hast, sodann hineinhauchtest und es mit Meiner Erlaubnis ˹auf der Stelle˺ zu einem Vogel wurde. Und du heilst den Blinden und Aussätzigen mit Meiner Erlaubnis. Und ˹denke daran,˺ als du die Toten mit Meiner Erlaubnis hervorholtest. Und ˹denke daran,˺ als Ich von dir die Kinder Israels abhielt, als du ihnen die klaren Beweise überbrachtest; und diejenigen, die leugnen, sagten: ‚Dies ist nur offenkundige Zauberei!‘“

Jünger Jesu

Vers 111: Und ˹denkt daran,˺ als Ich den Jüngern befahl: „Ihr sollt an Mich und Meinen Gesandten glauben“, und sie antworteten: „Wir glauben bereits. Bezeuge also, dass wir Muslime sind!“

Jünger bitten Jesus um ein Wunder

Vers 112: ˹Denke daran:˺ Als die Jünger sagten: „O Jesus! Sohn der Maria, kann dein Herr uns einen ˹mit Speisen˺ gedeckten Tisch vom Himmel herabschicken?“ Er antwortete: „Fürchtet Gott, wenn ihr gläubig seid!“

Vers 113: Sie sagten: „Wir wollen von ihm essen – und damit unsere Herzen beruhigt sind und wir wissen, dass du uns die Wahrheit gesagt hast, und damit wir hierüber Zeugen sind.“

Vers 114: Also sagte Jesus, der Sohn der Maria: „O Gott! unser Herr, sende uns einen ˹mit Speisen˺ gedeckten Tisch vom Himmel herab, der für uns ein Fest sein soll, für die Ersten und Letzten unter uns, und ein Wunderzeichen von Dir! Und versorge uns, denn Du bist der beste Versorger!“

Vers 115: Gott sagte: „Ich werde ihn euch hinabschicken. Wer allerdings danach von euch nicht glaubt, den werde Ich so bestrafen, wie Ich kein anderes Geschöpf je gestraft habe!“

Gott fragt Propheten Jesus

Vers 116: Und als Gott fragte: „O Jesus! Sohn der Maria, hast du den Menschen gesagt: ‚Ihr sollt mich und meine Mutter zu zwei Göttern neben Gott nehmen‘?“, antwortete dieser: „Erhaben bist Du über jeden Makel! Es steht mir nicht zu, etwas unberechtigt zu sagen. Hätte ich es gesagt, dann hättest Du es gewusst. Du weißt, was in meiner Seele vorgeht; ich hingegen weiß nicht, was in Dir vorgeht. Du bist ganz gewiss der um das Verborgene Wissende.

Vers 117: Ich habe ihnen nur gesagt, was Du mir geboten hast: ‚Ihr sollt Gott, meinen und euren Herrn, anbeten!‘ Und ich war über sie Zeuge, solange ich noch unter ihnen weilte. Doch als Du mich abberufen hast, warst Du der Zeuge über sie. Und Du bist ja über alles Zeuge.

Vers 118: Wenn Du sie strafen solltest, sind sie doch nur Deine Diener. Und wenn Du barmherzig mit ihnen bist, bist Du ja der Allmächtige und Allweise.“

Sieg der Aufrichtigen im Jenseits

Vers 119: Gott sagte: „Dies ist der Tag, an dem den Ehrlichen ihre Ehrlichkeit nützt.“ Ihnen stehen Paradiesgärten zu, unter denen die Flüsse dahinfließen, in denen sie immer und ewig sein werden. Gott ist mit ihnen zufrieden und sie sind es mit Ihm. Jenes ist der unermessliche Sieg.

Vers 120: Gott gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde und aller Dinge dazwischen. Und Er ist zu allem fähig.

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