Nachtreise Muhammads ﷺ
Vers 1: Über jeden Makel ist derjenige erhaben, der Seinen Diener ˹Muhammad˺ nachts von der heiligen Moschee ˹Mekkas˺ zur fernen Moschee1 ˹Jerusalems˺ brachte,2 deren Umland Wir segneten, um ihm einige Unserer Zeichen zu zeigen. Er (Gott) ist ja gewiss der Allhörende und Allsehende.
- 1 Der arabische Begriff masdschid bezeichnet ursprünglich einen Ort, an dem Niederwerfungen stattfinden. Gemeint ist damit nicht zwingend ein Gebäude im heutigen Sinne einer Moschee mit Minarett, sondern allgemein ein Platz des Gebets. ↩
- 2 Dieser Vers erwähnt die Nacht- und Himmelsreise des Propheten Muhammad ﷺ: Engel Gabriel brachte ihn zunächst von Mekka mit einem fliegenden Reittier nach Jerusalem. Dann stieg er bis über den siebten Himmel hinaus empor, um direkt mit Gott zu sprechen. Siehe auch 53:6–18. ↩
Moses erhält die Urthora
Vers 2: Und Wir gaben ganz gewiss Moses das Buch (die Urthora) und bestimmten es zu einer Führung für die Kinder Israels, damit sie sich auf niemanden neben Mir verlassen.
Vers 3: Für die Nachkommen derer, die Wir mit Noah ˹in der Arche˺ trugen. Er war schließlich ein dankbarer Diener ˹Gottes˺.
Machtergreifung der Israeliten
Vers 4: Und Wir bestimmten für die Kinder Israels im Buch: Ihr werdet ganz gewiss zweimal auf Erden Schaden anrichten und große Macht erlangen.
Vers 5: Als die Zeit des ersten Mals eintraf, entsandten Wir gegen euch sehr mächtige Diener von Uns, die in den Siedlungen wüteten. Und dies war eine bereits beschlossene Sache.
Vers 6: Später ließen Wir sie erneut die Oberhand über sie erlangen, statteten euch mit Vermögen und Kindern aus und bestimmten, dass ihr mehr Leute hattet.
Vers 7: Wenn ihr gütig seid, kommt euch dies selbst zugute. Doch wenn ihr übel handelt, dann schadet ihr euch selbst. Und wenn das letzte Mal eintrifft, ˹schicken Wir Diener gegen euch˺. Sie versetzen euch in Angst und Schrecken, betreten die Moschee ˹Jerusalems˺ so, wie sie sie das erste Mal betreten, und vernichten vollkommen, was sie eroberten.
Vers 8: Möge Gott sich eurer erbarmen! Doch wenn ihr rückfällig werdet, kommen Wir auf euch zurück. Und Wir haben die Hölle für die Leugner zum Kerker bestimmt.
Grundbotschaft des Korans
Vers 9: Dieser Koran leitet gewiss zu dem, was am besten ist. Und verkündet den Gläubigen, die rechtschaffene Taten verrichten, dass sie großer Lohn erwartet.
Vers 10: Und dass Wir für diejenigen, die nicht an das Jenseits glauben, eine schmerzvolle Strafe vorbereitet haben.
Vers 11: Und der Mensch bittet um Schlechtes, wie er auch um Gutes bittet. Der Mensch ist schließlich ungeduldig.
Erinnerung an Gottes Gnade und Macht
Vers 12: Und Wir machten die Nacht und den Tag zu zwei Zeichen. Wir machten das Zeichen der Nacht unsichtbar und das des Tages deutlich, damit ihr nach der Güte eures Herrn strebt und die Zahl der Jahre und das Rechnen lernt. Und Wir haben alles detailliert erfasst.
Vers 14: Lies dein Buch! Du selbst sollst dir heute als Abrechner genügen!
Vers 15: Wer rechtgeleitet ist, ist für sich selbst rechtgeleitet. Und wer abgeirrt ist, so ist es zu seinem Schaden. Und keine lasttragende ˹Seele˺ trägt die Last einer anderen. Und Wir bestrafen nicht, bevor Wir einen Gesandten entsenden.
Vers 16: Und wenn Wir vorhaben, einen Ort zu vernichten,4 gebieten Wir ihren Eliten ˹Gott zu gehorchen˺, doch sie sündigen darin unverschämt. So erfüllt sich die Warnung gegen sie, sodass Wir ihn vollkommen zerstören.
- 4 Dies bedeutet nicht, dass Gott damit zufrieden ist, sondern dass Er ein Volk bestraft, das Gottes Strafe heraufbeschworen hat. ↩
Vers 17: Und wie viele Generationen haben Wir nach Noah vernichtet! Und es genügt bereits, dass dein Herr die Sünden Seiner Diener genau kennt und sieht.
Konsequenz der Liebe zum Diesseits oder Jenseits
Vers 18: Wer das Schnellebige ˹im Diesseits˺ will, dem geben Wir in ihm vorschnell das, was Wir wollen – dem, für den Wir dies wollen. Sodann bestimmen Wir für ihn die Hölle, in der er in Schande und Verbannung schmoren wird.
Vers 19: Und wer das Jenseits will und sich darum als Gläubiger bemüht, dessen Mühe wird dankend entlohnt.
Vers 20: Alle versorgen Wir, diese wie jene, von der Gabe deines Herrn. Und die Gabe deines Herrn wird niemandem vorenthalten.
Vers 21: Siehe, wie Wir manche vor anderen bevorzugen! Und das Jenseits hat weit größere Stufen und bessere Ränge!
Islamische Gesellschaftsordnung
Vers 22: Stelle Gott keine andere ˹vermeintliche˺ Gottheit zur Seite, um nicht ˹im Jenseits˺ mit Schimpf und Schande dazusitzen!
Vers 23: Dein Herr bestimmte, dass ihr niemanden außer Ihn anbetet, und die Güte gegenüber den Eltern. Wenn ein Elternteil oder beide bei dir das hohe Alter erreichen sollten, so sage nicht ˹einmal˺ „Pfui“ zu ihnen, weise sie nicht schroff zurück und sag ihnen gütige Worte!
Vers 24: Und zeige ihnen barmherzig deine demütige Seite und sag: „Herr, erbarme dich ihrer, wie sie mich großzogen, als ich klein war!“
Vers 25: Gott weiß am besten, was in euren Seelen ist. Wenn ihr rechtschaffen seid, so ist Er gewiss gegenüber den ˹Gott˺ Zugewandten vergebend.
Vers 26: Und gewähre dem Verwandten sein Recht und auch dem Armen und mittellosen Reisenden, und verschwende nicht maßlos!
Vers 27: Die Verschwender sind gewiss die Brüder der Satane. Und der Satan ist ja seinem Herrn gegenüber höchst leugnerisch.
Vers 28: Und wenn du dich von ihnen im Streben nach der Barmherzigkeit deines Herrn abwendest, so sag ihnen milde Worte!
Vers 29: Und klemme deine Hand nicht ˹aus Geiz verschlossen˺ an deinen Nacken, doch öffne sie auch nicht ˹verschwenderisch˺ zu weit, sodass du in Schande und Verzweiflung dasitzt!
Vers 30: Dein Herr breitet ja die Versorgung aus, für wen Er will, und bemisst ˹alles˺. Er kennt und sieht Seine Diener gewiss genau.
Vers 31: Und tötet eure Kinder nicht aus Angst vor Armut! Wir versorgen sie und euch. Sie zu töten, ist ein großer Fehler.
Vers 33: Und tötet keine Seele, die Gott für unantastbar erklärt, es sei denn rechtmäßig.6 Und wer unschuldig getötet wurde – Wir haben für seinen Nächsten eine Befugnis7 bestimmt. Daher darf er nicht maßlos töten. Ihm wird gewiss beigestanden.8
- 6 Mit „rechtmäßig“ sind Fälle gemeint, in denen eine Tötung erlaubt ist, etwa bei Notwehr. ↩
- 7 Mit der Befugnis ist das Strafrecht für Mord gemeint. Das maßlose Töten bezieht sich auf das Verbot der Selbstjustiz und Blutrache. ↩
- 8 Gott steht den Unterdrückten bei. Wenn ihnen im Diesseits keine Gerechtigkeit widerfährt, dann im Jenseits. ↩
Vers 34: Und nähert euch nicht dem Vermögen der Waise, es sei denn im besten Sinne,9 bis sie ihre Reife erreicht hat! Und haltet den Bund ein! Über das Bündnis wird ˹im Jenseits˺ gewiss gefragt.
- 9 Gemeint ist, dass jemand, der ein Waisenkind aufzieht, sein Vermögen nicht einheimsen darf. Doch er kann es zum Vorteil der Waise einsetzen, siehe auch 4:6. ↩
Vers 35: Und messt beim Abmessen ˹von Hohlmaßen˺ großzügig ab, wenn ihr abmesst, und wiegt nach rechtem Maß! Dies ist besser und ˹führt˺ zum besten Ausgang.
Vers 36: Und verfolge nichts, worüber du kein Wissen hast! Das Gehör, das Sehen und das Herz – über all jenes ˹an Gaben˺ wird man ˹im Jenseits˺ befragt.
Vers 37: Und gehe nicht auf Erden prahlerisch umher! Du wirst niemals die Erde durchbrechen und nie die Länge der Berge erreichen!
Vers 38: All dieses Übel ist bei deinem Herrn verabscheuenswert.
Vers 39: Jenes gehört zu dem, was dein Herr dir ˹o Muhammad˺ an Weisheit offenbarte; und stelle Gott keine andere Gottheit zur Seite, damit du nicht in Tadel und Verbannung in die Hölle geworfen wirst!
Gott hat weder Kinder noch Partner
Vers 40: Hat euer Herr euch denn mit Söhnen auserkoren und für Sich Selbst Töchter unter den Engeln genommen?10 Ihr sagt wahrhaftig ungeheuerliche Worte!
- 10 Die vorislamischen Mekkaner glaubten, dass die Engel Gottes Töchter seien. Doch selbst verachteten sie ihre eigenen Töchter und töteten sie gelegentlich nach der Geburt, vgl. 43:19, 43:16, 4:117, 37:115, 37:149, 37:153, 16:57, 52:39. ↩
Vers 41: Und Wir haben in diesem Koran ˹die Botschaft˺ vielfältig dargestellt, damit sie sich ermahnen lassen. Doch dies mehrt in ihnen (den Leugnern) nur die Abneigung.
Vers 43: Hoch über jeden Makel erhaben ist Er über das, was sie da sagen!
Vers 44: Ihn lobpreisen die sieben Himmel, die Erde und das, was in ihnen ist. Und jedes einzelne Ding lobpreist Ihn mit Seinem Lob, doch versteht ihr ihre Lobpreisung nicht. Er ist ja nachsichtig und vergebend.
Prophet Muhammad ﷺ wurde geschützt
Vers 45: Und wenn du den Koran liest, schaffen Wir zwischen dir und denjenigen, die nicht an das Jenseits glauben, einen schützenden Vorhang.
Vers 46: Und Wir stülpten über ihre Herzen Hüllen, sodass sie es nicht begreifen, und ˹gaben˺ in ihre Ohren Ballast. Und wenn du deinen Herrn in der Lesung ˹des Korans˺ allein erwähnst, wenden sie fliehend den Rücken ab.
Vers 47: Wir wissen besser, wobei sie zuhören, wenn sie dich belauschen12 und wenn sie unter sich sind und die Übeltäter sagen: „Ihr folgt doch nur einem verhexten Mann!“
- 12 Die Mekkaner verspotteten zwar den Propheten ﷺ und den Koran, waren jedoch so beeindruckt von seiner Rezitation, dass sie nachts heimlich lauschten. ↩
Vers 48: Schau, wie sie dich vergleichen und abirren, sodass sie keinen Weg ˹zur Wahrheit˺ finden können!
Polytheisten leugnen die Auferstehung im Jenseits
Vers 49: Und sie sagen: „Wenn wir zu Knochen und Staub geworden sind, werden wir dann ˹im Jenseits˺ etwa in einer neuen Gestalt auferweckt?“
Vers 50: Sag ˹ihnen˺: „Ja!
Vers 51: Selbst ˹wenn ihr˺ Steine oder Eisen ˹wärt˺ oder irgendein Geschöpf, das in euren Herzen noch größer erscheint!“ Sie werden sagen: „Wer wird uns ˹nach dem Tod˺ wiederherstellen?“ Sag ˹ihnen˺: „Derjenige, der euch das erste Mal ˹aus dem Nichts˺ erschuf.“ Und sie schütteln ungläubig über dich ihre Köpfe und fragen: „Wann soll dies sein?“ Sag ˹ihnen˺: „Es mag wohl bald so weit sein.“
Vers 52: Am Tag, an dem Er euch ruft und ihr mit Seiner Lobpreisung dem Ruf folgen und denken werdet, ihr hättet nur ein wenig ˹im Grab˺ verweilt.
Satan als Feind und Gottes Wissen
Vers 53: Und sag Meinen Dienern, sie sollen das sagen, was am besten ist. Der Satan schleicht sich wahrhaftig zwischen sie. Der Satan ist ja gewiss dem Menschen ein offenkundiger Feind.
Vers 54: Euer Herr weiß am besten über euch Bescheid. Wenn Er will, erbarmt Er sich eurer, oder Er straft euch, wenn Er will. Und Wir haben dich ˹o Muhammad˺ nicht als Sachwalter über sie entsandt.
Vers 55: Und euer Herr weiß am besten über den, der in den Himmeln und auf Erden ist, Bescheid. Und Wir haben einige Propheten vor anderen ausgezeichnet. Und Wir haben David die Urpsalmen gegeben.
Widerlegung der Einwände von Polytheisten
Vers 56: Sag ˹ihnen˺: „Ruft ˹doch˺ diejenigen an, über die ihr behauptet, sie stünden Ihm zur Seite! Sie werden euch weder aus der Not befreien noch sie abwenden können.“
Vers 57: Jene ˹Geschöpfe˺, die sie anrufen, streben ˹doch selbst˺ die Nähe zu Gott an, ˹darum wetteifernd,˺ wer von ihnen am nächsten ist. Sie hoffen auf Seine Barmherzigkeit und fürchten Seine Strafe. Die Strafe deines Herrn ist wahrhaftig gefürchtet.
Vers 58: Und es gibt keinen Ort, den Wir nicht vor dem Tag der Auferstehung zugrunde richten oder mit heftiger Strafe bestrafen werden. Dies ist bereits im Buch ˹der Vorbestimmung˺ festgeschrieben.
Vers 60: Und ˹gedenke der Zeit,˺ als Wir dir sagten, dass dein Herr die Menschen umgeben hat. Und Wir haben das Traumgesicht,15 das Wir dir gezeigt haben, nur als Versuchung für die Menschen bestimmt, und ebenso den im Koran verfluchten Baum.16 Und Wir verängstigen sie, doch dies mehrt nur ihre große Übertretung.
Erschaffung Adams und die Auflehnung des Teufels
Vers 61: Und als Wir zu den Engeln sagten: „Werft euch für Adam nieder!“, warfen sie sich nieder. Nicht so der Teufel. Er sagte: „Soll ich mich ˹etwa˺ vor dem niederwerfen, den du aus Lehm erschaffen hast?“
Vers 62: Er sagte: „Zeig mir doch diesen da, den du mir vorgezogen hast! Wenn du mir bis zum Tag der Auferstehung Aufschub gewährst, dann werde ich seine Nachkommen bis auf wenige überwältigen!“
Vers 63: Er (Gott) sagte: „Geh! Wer dir unter ihnen folgt – die Hölle wird eure Strafe in vollkommener Vergeltung sein.
Vers 64: Und hetze von ihnen auf, wen du kannst, mit deiner Stimme, und verängstige sie mit deinen Reitern und deinem Fußvolk! Und beteilige dich am Vermögen und an den Kindern und mach ihnen Versprechungen!“ Und der Satan verspricht ihnen nur Trügerisches.
Vers 65: Über Meine Diener hast du gewiss keine Macht! Und dein Herr genügt bereits als Beschützer.
Gottes Gnadenerweise
Vers 66: Euer Herr ist derjenige, der für euch die Schiffe im Meer dahineilen lässt, damit ihr etwas von Seiner Güte anstrebt. Er ist ja euch gegenüber barmherzig.
Vers 67: Und wenn euch im Meer die Not trifft, kommt euch abhanden, was ihr anruft, bis auf Ihn ˹selbst˺. Doch sobald Er euch sicher an Land bringt, wendet ihr euch ˹von Gott˺ ab. Und der Mensch ist ja sehr leugnerisch.
Vers 68: Meint ihr denn, sicher zu sein davor,17 dass Er einen Teil des Festlandes mit euch im Erdboden versinken lässt – oder dass Er einen Steinregen auf euch herabschickt? Dann werdet ihr keinen Beschützer mehr für euch finden.
- 17 Dies ist ein rhetorisches Stilmittel, bei dem eine Aussage positiv formuliert wird, jedoch eine negative Bedeutung hat. Im Deutschen etwa: „Na, das hast du toll gemacht.“, was hier bedeutet: „Das hast du schlecht gemacht. ↩
Vers 69: Oder meint ihr, ihr wärt sicher davor, dass Er euch erneut in es (das Meer) hineinbringt, eine Sturmböe gegen euch entfesselt und euch ertrinken lässt, weil ihr geleugnet habt, sodass ihr anschließend gegen Uns keinen Kläger findet?
Vers 70: Und Wir haben gewiss die Kinder Adams geehrt, sie zu Lande und im Wasser getragen, sie mit guten Dingen versorgt und sie vor vielen, die Wir erschaffen haben, besonders bevorzugt.
Werdegang der Vorbilder im Jenseits
Vers 71: Am Tag, an dem Wir jedes Volk der Menschen mit seinem Anführer rufen: Wem sein Buch von rechts gegeben wird – jene werden ihr Buch ˹der Taten˺ lesen und nicht einmal um das Maß des Fadens in der Dattelkernrille ungerecht behandelt.
Vers 72: Wer in dieser ˹Welt˺ blind ˹im Glauben˺ ist, der wird im Jenseits blinder und weiter vom Weg abgeirrt sein.
Polytheisten bedrängen Muhammad ﷺ
Vers 73: Und sie (die Götzendiener) hätten dich (Muhammad) beinahe verführt, um dich von dem, was Wir dir offenbart haben,18 abzubringen, sodass du über Uns etwas anderes erdichtet hättest! Und dann hätten sie dich bestimmt zum engsten Freund erkoren.
- 18 Gemeint ist die Forderung der Quraisch: Die Götzendiener wollten abwechselnd ein Jahr nur Gott und im darauffolgenden Jahr die Götzen anbeten – unter der Bedingung, dass die Muslime dem zustimmen. ↩
Vers 74: Und hätten Wir dich nicht gefestigt, dann wärst du ihnen ein wenig entgegengekommen,
Vers 76: Und sie hätten dich beinahe vom Boden ˹Mekkas˺ weggedrängt, damit sie dich von dort vertreiben. Und dann wären sie nach dir nur kurz verweilt.
Vers 77: So erging es bereits dem, den Wir vor dir von Unseren Gesandten entsandten. Und du wirst für Unsere Gesetzmäßigkeit keine Abweichung finden.
Auskunft über die Gebetszeiten
Vers 78: Halte das Gebet vom Wendepunkt der Sonne20 bis zur Finsternis der Nacht ˹in Ehren˺ ein, und die Koranrezitation ˹im Gebet˺ zur Morgendämmerung: Die Koranrezitation der Morgendämmerung ist wahrhaftig ˹von Engeln˺ bezeugt.
- 20 Mit dem Wendepunkt ist die Überschreitung des Zenits, des Sonnenhöchststands, gemeint. Der Vers erklärt, dass vom Sonnenhöchststand bis zur Finsternis Gebete einzuhalten sind, das Mittags-, Nachmittags-, Abend- und Nachtgebet. ↩
Festhalten an der Wahrheit
Vers 80: Und sag: „Herr, beschere mir einen wahrhaftigen Eintritt ˹ins Paradies˺ und einen wahrhaftigen Ausgang ˹aus dieser Welt˺, und gewähre mir von dir selbst beistehende Kraft!“
Vers 81: Und sag: „Die Wahrheit ist da und das Falsche verschwunden. Das Falsche ist ja vergänglich.“
Der Koran ist Heilung für die Gläubigen
Vers 82: Und Wir senden etwas vom Koran herab, was Heilung und Barmherzigkeit für die Gläubigen ist. Doch mehrt er den Übeltätern nur ihren Verlust.
Wesenszüge des Menschen
Vers 83: Und wenn Wir dem Menschen eine Gunst gewähren, wendet er sich ab und entfernt sich von Seiner Seite. Und wenn ihn ein Übel trifft, ist er stets hoffnungslos.
Vers 84: Sag: „Jeder handelt auf seine Art, und euer Herr weiß am besten, wer den Weg besser findet.“
Vers 85: Und sie fragen dich nach der Seele. Sag ˹ihnen˺: „Die Seele ist eine Angelegenheit meines Herrn. Und euch wurde nur wenig Wissen gegeben.“
Wundercharakter des Korans
Vers 86: Und hätten Wir gewollt, so hätten Wir dir ˹o Muhammad˺ das genommen, was Wir dir offenbart haben, sodass du später für dich keinen Beschützer gefunden hättest,
Vers 87: es sei denn durch eine Barmherzigkeit deines Herrn. Seine Güte dir gegenüber ist ja gewaltig.
Vers 88: Sag: „Würden sich die Menschen und Dschinn versammeln, um etwas wie diesen Koran hervorzubringen, könnten sie nichts Gleichwertiges schaffen, selbst wenn sie einander beistünden.“
Vers 89: Und Wir haben in diesem Koran allerlei Gleichnisse vielfältig dargestellt, doch wollen die meisten Menschen nur leugnerisch sein.
Polytheisten fordern Wunder
Vers 90: Und sie sagen ˹spottend˺: „Wir werden dir erst glauben, wenn du uns aus der Erde eine Quelle hervorsprudeln lässt!
Vers 91: Oder wenn du einen Garten mit Palmen und Rebstöcken hast und die Flüsse reichlich durch ihn rauschen lässt.
Vers 92: Oder wenn du den Himmel, wie du behauptet hast, über uns in Stücken herabstürzen lässt oder du Gott und die Engel vor uns bringst!
Vers 93: Oder wenn du ein Haus voll Verzierung hast oder in den Himmel aufsteigst. Und wir glauben deinen Sprüchen erst, wenn du uns ein Buch herabschickst, das wir lesen.“ Sag ˹ihnen˺: „Erhaben ist Gott ˹über jeden Makel˺, ich bin doch nur ein menschlicher Gesandter!“
Vers 94: Und es hinderte die Menschen nur daran zu glauben, als sie die Rechtleitung erreichte, dass sie sagten: „Hat Gott etwa einen menschlichen Gesandten entsandt?“
Vers 95: Sag ˹ihnen˺: „Gingen auf Erden Engel umher, die dort wohnten, dann hätten Wir ihnen vom Himmeln einen Gesandten von den Engeln herabgesandt.“
Vers 96: Sag ˹ihnen˺: „Gott genügt als Zeuge zwischen euch und mir! Er kennt und sieht ja Seine Diener genau!“
Göttliche Führung
Vers 97: Und wen Gott führt, der ist der Geführte. Und wen Er fehlleitet – für sie findest du keine Nächsten neben Ihm. Und Wir werden sie am Tag der Auferstehung auf ihren Gesichtern blind, taub und stumm auferstehen lassen. Und ihre Zuflucht ist die Hölle. Jedes Mal, wenn sie abbrennt, steigern Wir ihre Gluthitze.
Vers 98: Dies ist ihre Vergeltung, weil sie Unsere Zeichen leugneten und sagten: „Wenn wir zu Knochen und Staub geworden sind, werden wir dann ˹im Jenseits˺ etwa in einer neuen Gestalt auferweckt?“
Vers 99: Haben sie denn nicht erkannt, dass Gott, der ja ˹am Anfang˺ die Himmel und die Erde erschuf, fähig ist, ihnen Gleiches zu erschaffen? Und Er bestimmte für sie eine festgelegte Frist, an der kein Zweifel ist. Doch wollen die Übeltäter nur leugnerisch sein.
Vers 100: Sag: „Wenn ihr im Besitz der Schatzkammern der Barmherzigkeit meines Herrn wärt, würdet ihr damit aus Angst, sie auszugeben, geizen. Und der Mensch ist stets geizig.
Neun Wunder Moses’
Vers 101: Und Wir gaben Moses gewiss neun deutliche Wunderzeichen.23 Frag also die Kinder Israels, ˹was geschah,˺ als er sie aufsuchte und der Pharao zu ihm sagte: „Ich glaube, dass du, o Moses, verhext bist!“
- 23 Diese sind die Sintflut, die Heuschrecken-, Läuse-, und Froschplage, der Blutstrom, die Verwandlung des Stabs in eine Schlange, die weiß leuchtende Hand Moses’, die Spaltung des Meeres und das Wasser, das aus dem Felsen hervorquoll. ↩
Vers 102: Er sagte: „Du hast doch bereits gewusst, dass jene ˹Wunder˺ nur der Herr der Himmel und der Erde als sichtbare Zeichen herabgesandt hat! Ich glaube, dass du, o Pharao, verdammt bist!“
Vers 103: Und so wollte er (der Pharao) sie (die Israeliten) aus dem Land vertreiben, doch Wir ließen ihn und die Seinen sogleich allesamt ertrinken.
Vers 104: Und Wir sagten danach zu den Kindern Israels: „Bewohnt das Land ˹der Levante˺! Doch wenn der letzte Termin gekommen ist, holen Wir euch zusammengeschart herbei.“
Wesen des Korans
Vers 105: Und mit der Wahrheit haben Wir ihn (den Koran) herabgesandt, und mit der Wahrheit kam er herab. Und Wir haben dich ˹o Muhammad˺ lediglich als Verkünder und Warner entsandt.
Vers 106: Und Wir haben den Koran abschnittsweise offenbart,24 damit du ihn den Menschen allmählich vorträgst, und Wir haben ihn wahrhaftig ˹allmählich˺ herabgesandt.
- 24 Gemeint ist, dass der Koran nicht auf einmal offenbart wurde, sondern nach und nach, damit die Menschen Zeit haben, darüber nachzudenken, ihn im Alltag umzusetzen und auswendig zu lernen. ↩
Vers 107: Sag: „Glaubt daran, oder auch nicht!“ Wenn er (der Koran) denjenigen, denen das Buch zuvor gegeben wurde, vorgetragen wird, werfen sie sich zu Boden nieder
Vers 108: und sagen: „Erhaben ist unser Herr ˹über jeden Makel˺! Das Versprechen unseres Herrn hat sich tatsächlich bewahrheitet!“
Vers 109: Und sie werfen sich ˹in Anbetung˺ weinend zu Boden, und er (der Koran) steigert ihre Demut.
Gottes schönste Namen
Vers 110: Sag: „Ruft Gott oder ruft den Allerbarmer!25 Welchen ˹Namen˺ ihr auch anruft, Ihm gebühren die schönsten Namen. Und schreie dein Gebet weder hinaus, noch verheimliche es, sondern strebe den Mittelweg an!
- 25 Das Wort ‚Allerbarmer‘ war den meisten Arabern nicht geläufig. Vor allem arabische Christen im Norden benutzten es. Daher missfiel vielen polytheistischen Arabern dieser Name. ↩
Vers 111: Und sag: „Das Lob gebührt Gott, der sich keinen Sohn nahm und weder einen Teilhaber an der Herrschaft noch einen Beschützer aufgrund von Schwäche braucht! Und ehre Ihn in größter Ehrerbietung!”